Tech Growth Fund Regierung will Milliarden in Start-ups stecken 

Die Bundesregierung plant eine Milliardenspritze für deutsche Start-ups. Ein neuer Fonds soll kreativen Unternehmensgründern helfen, schneller zu wachsen.

Start-up-Arbeitsraum in Berlin
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Start-up-Arbeitsraum in Berlin


Die Große Koalition plant einen weiteren Ausbau der Start-up-Finanzierung in Deutschland. Gemeinsam mit der KfW-Bank arbeite die Bundesregierung an der Errichtung eines sogenannten Tech Growth Fund, schreiben Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) und Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das "Handelsblatt".

Aus dem Fonds sollen förderungswürdige Unternehmen in der Wachstumsphase sogenanntes Venture Debt erhalten können. Start-ups erhalten zunächst Wagniskapital von risikofreudigen Investoren, werden ab einer gewissen Größe aber auch für Banken interessant. Ein Bindeglied zwischen dem Wagniskapitalmarkt und dem Bankenmarkt sei der in Deutschland noch schwach entwickelte Venture-Debt-Markt, schreiben Spahn und Machnig.

Genau für diesen will die Regierung nun frisches Kapital springen lassen. "Ziel ist es, über mehrere Jahre zusätzliche Start-Up-Finanzierung von mehreren Milliarden Euro zu mobilisieren", schreiben Spahn und Machnig. Man wolle erreichen, dass schnell wachsende innovative Unternehmen in allen Phasen ihrer Entwicklung in ausreichendem Maße Kapital zur Verfügung stehe.

Dazu trage seit Anfang des Jahres auch eine lockere Regulierung der KfW bei. Mit dem ERP-Fondsinvestmentprogramm könnte die halbstaatliche Bank seit Jahresbeginn neben Venture-Capital-Fonds auch Venture-Debt-Fonds kofinanzieren.

Laut einer Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management haben es Unternehmensgründer in Deutschland nach wie vor schwer. "Die Bedingungen für innovative Start-ups sind in Deutschland nicht gut genug, um eine Trendwende zu mehr Gründungen einleiten zu können", stellte HHL-Rektor Andreas Pinkwart Ende November fest.

Im Jahr 2014 wurden laut der Studie 422.000 Unternehmen gegründet, 2015 nur noch 388.000. Für 2016 geht das Institut für Mittelstandsforschung erneut von einem Rückgang aus.

ssu

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insgesamt 58 Beiträge
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stefan taschkent 24.01.2017
1. Co-Investment
Wenn sie schlau sind (manchmal sind sie das), dann stecken sie das Geld in einen Co-Investment-Fond, der private Business Angels und VC-Gesellschaften anlockt und mit ihnen gemeinsam co-finanziert. Damit ist mehr Kohle im Topf und die Business Angels und Early-Stage Investoren (denn GENAU DIE fehlen ja; Geld ist im Grunde genug da) werden nachhaltig entwickelt. Andernfalls wird denen (den wenigen) im schlimmsten Falle sogar noch nachhaltig Konkurrenz gemacht. Das Know-how in dem Bereich ist in den zuständigen Ministerien insgesamt mit unterirdisch noch schmeichelhaft umschrieben.
brooklyner 24.01.2017
2.
Letztes Jahr bin ich mit zwei Kollegen zu einer Gründerveranstaltung der KfW in Berlin gegangen. Eine unfassbar unnötige Zeitverschwendung. Ein Männlein, das auch Heizdecken verkaufen könnte, schwallte eine Stunde lang irgendwelche Anekdoten daher. Auf mehrmaliges Nachfragen, wie hoch denn die Kreditzinsen und wie lange die Laufzeit sei, meinte er, das könne er hier nicht sagen, man könne das aber leicht googeln. Am Ende stellte sich heraus, dass es um die 8% sind. Da bekomme ich bei jeder Bank einen günstigeren Deal. Fast ein Drittel der Anwesenden verliess dann mit uns diese traurige Veranstaltung. So wird das nix mit den Start-ups. In Hannover sieht das anders aus, dort lockt man Start-ups mit anständigen Fördermitteln.
Räuber Hotzenplotz 24.01.2017
3. Lange überfällig, dazu noch Bürokratie ausdünnen...
...dann könnte es wieder was werden im Land der Erfinder. Leider haben wir die letzten Jahrzehnte komplett verschlafen, obwohl der erste Komputer der Welt aus D kam...wie auch das Fax und einige andere Dinge, die dann aber andere Länder zum Welterfolg gemacht. Alles was mit IT und Energie/Mobilität zu tun hat, wird Arbeit und Wohlstand der nächsten Generationen sichern; wer jetzt noch Geld in Dino-Industrien versenkt, wird sein blaues Wunder erleben...
dingstabumsta 24.01.2017
4. Milliardenspritze
Hier ist wieder ein systematischer Misbrauch von Steuergeldern vorprogrammiert! Die Politik sollte erstmal dafür sorgen, den potenziellen Wähler mehr soziale Sicherheit zu geben, eine bessere Infrastruktur, bessere Schul und Bildungseinrichtung, also eine Milliardenspritze von dem jeder Bürger profitiert. Es scheint wirklich genug Geld da zu sein, um z.B. Hartz4 welches ja rein für Wirtschaft Instrumentalissiert ist, Sanktionsfrei zu gestalten (gibt soziale Sicherheit zurück) genug Geld ist da, da muss eine PKW Maut nicht kommen, sondern die anfallenden kosten dazu, an die Bildungsträger zu überweisen.... Ich glaube nicht, dass Start Ups die vielen Milliarden wieder zurückgeben werden, den wie bei Subventionen üblich, kommt kein Cent wieder zurück, wenn es den Subventionierten (wieder) gut geht. Das ist wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie ungerecht unser Vermögen verteilt wird!
napoleonwilson 24.01.2017
5. Wie sind bloß all die dt. Firmen
So gut und gross geworden ?? Heute meint jeder er ist förderungswürdig. Andere sollen das Risiko schultern. Am besten umsonst. Und ohne Sicherheiten bekommt man nunmal als normaler Selbstständiger keinerlei Kredite. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem innovativen Handwerksunternehmen und einem Startup ?
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