Statistikbehörde Eurostat Europäische Wirtschaft stagniert überraschend

Die Krise drückt noch immer auf das Wachstum in der Euro-Zone: Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat schrumpfte die Wirtschaft 2009 um vier Prozent. Auch im vierten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur leicht. Besonders Italien und Deutschland schwächelten.

Hafen im belgischen Antwerpen: Wirtschaft im Euroraum um vier Prozent geschrumpft
REUTERS

Hafen im belgischen Antwerpen: Wirtschaft im Euroraum um vier Prozent geschrumpft


Luxemburg - Überraschender Einbruch der europäischen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums ist nach einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat im vierten Quartal 2009 nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Volkswirte hatten im Durchschnitt ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet.

Nach mehreren Schrumpfquartalen hatte die Wirtschaft im Euroraum erst im dritten Quartal den Sprung aus der Rezession geschafft. Im Krisenjahr 2009 insgesamt schrumpfte sie um 4,0 Prozent.

Im Vorjahresvergleich sind nach wie vor die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren. So sank das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal zum Vorjahr um 2,1 Prozent. Ökonomen hatten einen etwas geringeren Rückgang um 1,9 Prozent erwartet. Im Vorquartal hatte der Rückgang allerdings noch bei 4,0 Prozent gelegen. Der Abwärtstrend hat sich damit also verlangsamt.

Die Wirtschaft entwickelte sich in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedich: Das italienische Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Schlussquartal 2009 überraschend und ging im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zurück. Das teilte die italienische Statistikbehörde ISTAT am Freitag in Rom mit. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte die Wirtschaft im vierten Quartal ebenfalls stärker als erwartet. Das Minus betrug 2,8 Prozent.

Frankreich überraschte hingegen mit positiveren Zahlen: Dort ist die Wirtschaft im Schlussquartal 2009 etwas stärker als erwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt sei auf Quartalssicht um 0,6 Prozent gestiegen, teilte die französische Statistikbehörde Insee am Freitag in Paris auf Basis vorläufiger Daten mit. Nach dem schweren Einbruch im Winter 2008/2009 war die französische Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 Prozent und im dritten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen. Für das Gesamtjahr 2009 ergibt sich ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent.

Auch in Österreich ist die Wirtschaft im vierten Quartal gewachsen. Nach ersten Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) stieg die Wirtschaftsleistung der Alpenrepublik um real 0,4 Prozent gegenüber der Vorperiode. Insgesamt ist Österreichs Wirtschaft 2009 nach den vorläufigen Berechnungen wegen der globalen Rezession um 3,6 Prozent geschrumpft. Die ab dem dritten Quartal eingesetzte Erholung habe sich im vierten Quartal nicht weiter beschleunigt, teilte das Wifo mit.

"Wettbewerbfähigkeit Deutschlands weitgehend intakt"

Das Statistische Bundesamt hatte am Freitag auch für Deutschland einen überraschenden Einbruch gemeldet. Die Wirtschaft ist im vierten Quartal 2009 nicht weiter gewachsen, sondern stagnierte auf dem Niveau des Vorquartals. Experten hatten indes ein leichtes Plus von 0,2 Prozent erwartet. Insgesamt ist das Bruttoinlandsprodukt 2009 um 5,0 Prozent gesunken.

Die Euro-Gruppe sieht Deutschland nach SPIEGEL-Informationen aber nicht als Problemland. Im Gegenteil werde es als eines der ersten Länder in der Währungsunion wieder wirtschaftlich Tritt fassen, heißt es in einer Beschlussvorlage der Finanzministerrunde der 16 Euro-Staaten. Das Land sei "gut aufgestellt, um vom globalen Aufschwung zu profitieren". Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei "weitgehend intakt", und es sei zu erwarten, "dass die weltweite Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern wächst". Wenn Produktivität und Wachstum weiter zulegen, "könnten auch die Löhne wieder stärker steigen".

Die Euro-Gruppe fordert die Bundesregierung auf, die Abgabenlast insbesondere für untere Einkommen zu senken. So sorge sie für einen Anreiz für Unternehmen, Jobs zu schaffen, und für Beschäftigungslose, wieder Arbeit aufzunehmen. Auch müsse die Regierung die Arbeitsvermittlung effizienter gestalten, damit Langzeitarbeitslose wieder beschäftigt würden. Außerdem solle sie mehr Wettbewerb im Dienstleistungssektor schaffen, vor allem im Schienenverkehr. Die Finanzminister treffen sich am kommenden Montag in Brüssel.

fro/dpa/dpa-AFX/Reuters

Forum - Wirtschaft - wie kommt Deutschland am besten aus der Krise?
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kurt klemm, 23.12.2009
1. Nur so
Die leeren und halbvollen Tanks des Konjunkturmotors müssen gefüllt und nicht die vollen Tanks erneut zum Überlaufen gebracht werden, dann springt auch der Konjunkturmotor wieder an. Bei Tanks, die überlaufen verdampft oder verbrennt der Konjunkturtreibstoff – wie häufig geschehen (ganz aktuell 140 MRD beim Crash anlässlich der Bankenkrise) Wir brauchen eine wesentlich breitere Einkommens- und Vermögensstreuung und nicht erneut eine Übersättigung der Satten durch eine Steuerreform, die oben wieder großzügig und unten mager bedient ! Der Mittelstand wartet auf Kunden und nicht auf Steuererleichterungen für Steuern, die er gar nicht zahlt. Die 700 Millionen Steuererleichterung für Milliardäre durch die Senkung des Spitzensteuersatzes haben Null-Komma-Null positiven Effekt auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt und damit auch auf die politischen Schöpfer dieses irrwitzigen Konstrukts. 700 Millionen in Händen der Verbraucher oder der Gemeinden würden die Wirtschaft und hier namentlich den Mittelstand stärken. Autos werden auch in Zukunft keine Autos kaufen und in die 4-fach-Garage passt auch in Zukunft kein fünttes Automobil - und sei es noch so klein. Übrigens: Von 1960 bis 2005 sank in Deutschland der Anteil der Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen von 20 Prozent auf 6,7 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Steuern auf Löhne und Gehälter von 6,3 auf 20,8 Prozent. Wer das nicht verändert, wird gar nichts verändern Wer das nicht kapiert, hat gar nichts kapiert.
nimmnix 23.12.2009
2. Krisen ?
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Einfach mal aufhören wahnwitzig hohe Milliarden Beträge von Staatswegen her in die nicht nur und ausschließlich deutsche Wirtschaft zu pumpen. Beträge die noch nicht einmal erwirtschaftet wurden, geschweige denn durch zukünftige Steuereinnahmen abgedeckt und gesichert sind. Gelder die völlig Schamlos und je nach Bedarf ganz einfach in allen EU Ländern frisch gedruckt und in Umlauf gebracht werden um kurzfristig den Zusammenbruch von Firmen, ja ganzer Branchen und selbst staatlich betriebenen Dienstleister wie z.B. die ’Bundesanstalt für Arbeit’ zu verhindern. Die ’Bundesanstalt für Arbeit’ der eine Finanzspritze von 16 Milliarden Euro bis längstens Ende Februar 2010 reichen wird. Ein Faß ohne Boden !! Eine ’Anstalt’ in die in Deutschland lebende und arbeitende Bürger einbezahlen MÜSSEN. Bürger die aus der ganzen Europaeischen Union nach Deutschland kommen weil sie wissen das es bei uns noch etwas gibt. Sei es Arbeit oder Arbeitslosen Geld. Als ob es da nicht nahe genug liegen würde wenigstens 50 % der Ausgaben dieser ’Anstalt’ aus EU Mitteln zu finanzieren . Ich wünsche uns allen einfrohes Krisen freies und fettes Weihnachts Fest. Merry X-Mas NIMMNIX
ender, 23.12.2009
3. Ein Rezept gäbe es schon ...
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Über die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Knippi2006 23.12.2009
4.
Zitat von enderÜber die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Auf den ersten Blick ein recht interessantes Konzept. Und jetzt das ABER: Das ganze führt zu nichts anderem als zu weiterer Konzentration, zu wuchernden Unternehmenskonglomeraten und keinesfalls zu dem, was viel nötiger wäre - Diversifikation.
semper fi, 23.12.2009
5. Auf Thema antworten
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Wenn Knippi2006 Bundeskanzler wäre, eine Garantie für eine schnelle Erholung - oder auch nicht.
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