Neue Juni-Daten Deutsche Produktion sinkt überraschend

Ökonomen hatten einen neuen Schub für die deutsche Wirtschaft erwartet. Doch sie wurden enttäuscht, die Industrieproduktion gibt nach. Experten machen dennoch Hoffnung.

Arbeiter auf eine Baustelle in Bayern
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Arbeiter auf eine Baustelle in Bayern


Damit hatten Experten nicht gerechnet. Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juni nach zuvor fünf Anstiegen in Folge erstmals wieder gedrosselt. Industrie, Baubranche und Energieversorger stellten zusammen 1,1 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten dagegen ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet.

Die enger gefasste Industrieproduktion fiel im Juni laut den Statistikern um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Rückgänge gab es bei der Produktion von Investitions-, Konsum- und Vorleistungsgütern und im Bausektor - die Energieerzeugung legte dagegen zu.

Im Mai war die Produktion noch um 1,2 Prozent im Monatsvergleich gestiegen. Auch wenn die Ökonomen keinen weiteren so starken Zuwachs erwartet hatten, rechneten sie dennoch nicht mit einem Einbruch. Für Juli hatte das Ifo-Institut bereits eine deutlich aufgehellte Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen ausgemacht. Es warnte jedoch auch davor, dass etwa die Ermittlungen gegen die deutsche Autobranche die gute Laune in der Wirtschaft verderben könnte. Denn von diesem Industriezweig hängen viele Unternehmen ab.

"Mit einer grundsätzlichen Trendwende ist wegen des kräftigen Binnenkonsums, des gestiegenen Investitionsvertrauens und der Belebung der Weltwirtschaft vorerst nicht zu rechnen", beschwichtigte Sophia Krietenbrink vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auch die Niedrigzinsen wirkten weiter als Konjunkturstütze.

Auch ING-Analyst Carsten Brzeski gibt Entwarnung: "Angesichts eines soliden Fundaments ist ein Monat mit schwächeren Industriedaten nur so etwas wie ein Regenschauer an einem heißen Sommertag: eine willkommene Abwechslung."

kig/dpa/Reuters



insgesamt 23 Beiträge
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Markus Frei 07.08.2017
1. Sensation
Nun, ich bin ja kein Experte oder Wissenschaftler, aber dafür habe ich eine ganz tolle sensationelle Erfindung. Nennt sich Kalender (ist so'n neumodischer Kram). Und das tolle Wahnsinnsteil sagt mir das der Mai 21 Arbeitstage hatte und der Juni 20. Klar ist es weit hergeholt zu behaupten das man nun mal in 21 Tagen mehr produziert als in 20 Tagen. Aber ich bin ja nur ein Laie und darf so unqualifizierte Behauptungen aufstellen.
JaguarCat 07.08.2017
2. Kalendereffekt?
In vielen Produktionsbetrieben ist der Freitag nur ein "halber" Arbeitstag. Während an normalen Arbeitstagen von 6 Uhr bis 18 Uhr oder noch später produziert wird, wird Freitag ab 14 Uhr die Produktion heruntergefahren und nach und nach der Betrieb für das arbeitsfreie Wochenende vorbereitet. Nun hatte der Juni 2017 fünf Freitage, der Juni 2016 hingegen nur vier. Die Zahl der Wochenendtage war gleich. Ein gewisser Rückgang im Juni kann daher auch einfach ein Kalendereffekt sein.
Torpedoboot 07.08.2017
3. Schon?
Geht ja doch recht schnell. Aber die Gräber sind ja längst ausgehoben. Jetzt muss nur noch vollstreckt werden. In dem eine Grab liegt bereits die halbe Energiewirtschaft, in das nächste kommt jetzt die Autoindustrie. Bleiben noch zwei Gräber für Siemens und BASF. Aber die kriegen wir auch noch dran. Dann war es das endlich mit Deutschland als Industriestandort und Henry Morgentau kann spät feiern. Pech lediglich für die EU, weil ihr damit zugleich der Hauptsponsor fort ihren Quatsch verloren geht.
hexenbesen.65 07.08.2017
4. Wenn natürlich überall Stellen abgebaut werden,
woher sollen die Leute Geld für "Kosum" ausgeben ? Die allgemeine Lügen, dass es mehr Stellen als Bewerber gibt, glaubt ja eh keiner mehr. Und wieder hat sich am WE gezeigt, wer wo wieviele Stellen abbaut....gerade in unserer Gegend wieder mal um die 600 Leute... Mich wundert das nicht. Und die, die Geld haben, werfen es nicht mit vollen Händen zum Fenster raus (Spare bei Zeiten, so hast du in der Not - ein alter Spruch) . Warum soll ich mir jedes Jahr ein neuen TV holen, ein neues Handy ? Wenn meine "alten" Sachen auch noch tun. Schlimm genug, dass wir unsere FUNKTIONIERENDEN DVD-Recorder "entsorgen" mussten, weil das Analog-TV abgeschaltet wurden, und wir gezwungen sind, neue Geräte zu kaufen
allessuper 07.08.2017
5. Kernfrage: Geht es in der Wirtschaft
nur darum, selbige bei Laune zu halten? Und um deren Wachstumsneurosen, wissend dass Wachstum begrenzt ist? Dann brauchen wir sofort mehr Psychiater.
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