Steigende Energiepreise Welche Stromkonzerne am kräftigsten zulangen

Mehr als 40 Stromanbieter erhöhen zu Jahresbeginn ihre Preise - im Schnitt um fünf Prozent. Viele Anbieter fordern noch mehr, aber es gibt Ausnahmen: Bei einigen wird Energie sogar billiger. SPIEGEL ONLINE zeigt, wo die Verbraucher wie viel zahlen müssen.

Vattenfall: Der Energiekonzern will die Strompreise um mindestens 4,4 Prozent erhöhen
ddp

Vattenfall: Der Energiekonzern will die Strompreise um mindestens 4,4 Prozent erhöhen


Hamburg - Es ist seit dem Jahr 2000 ein unerfreuliches Ritual: Wenige Wochen vor Beginn des neuen Jahres kündigen zahlreiche Stromanbieter zum Teil deutliche Preiserhöhungen an. Am Mittwoch waren es der Energiekonzern Vattenfall Chart zeigen und der Oldenburger Versorger EWE, immerhin der fünftgrößte Anbieter der Republik, die mit schlechtem Beispiel vorangingen. Sie bereiteten ihre Kunden auf ein Kostenplus von bis zu 14 Prozent vor.

Die meisten Konkurrenten halten sich noch bedeckt - doch nach einer Untersuchung des Verbraucherportals Verivox.de sind Vattenfall und EWE mit ihrem Vorgehen keinesfalls allein. Denn zum Januar wollen mindestens 40 Stromanbieter die Preise erhöhen - im Schnitt um fünf Prozent. Damit summieren sich die Erhöhungen der vergangenen zehn Jahre inzwischen auf rund 40 Prozent.

Das durchschnittliche Preisplus zum 1. Januar 2010 um fünf Prozent bedeutet für einen Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 4000 kWh pro Jahr einen Anstieg der jährlichen Stromrechnung um 46 Euro. Besonders betroffen sind die Kunden des kleinen Gemeindewerks Budenheim in Rheinland-Pfalz, die eine Preiserhöhung in Höhe von 16 Prozent verkraften müssen. Für eine Durchschnittsfamilie bedeutet dies eine Mehrbelastung von 134 Euro pro Jahr.

Weil neben Vattenfall auch EnBW Chart zeigen die Preise erhöhen will, sind die Kunden von zwei der vier größten Energieversorger in Deutschland betroffen. EnBW, hauptsächlich in Baden-Württemberg aktiv, kündigte eine Strompreiserhöhung von 7,5 Prozent für Privatkunden mit Sonderverträgen an. Der Energiekonzern Vattenfall, der vor allem im Norden Deutschlands präsent ist, erhöht die Strompreise für private Verbraucher in Berlin um 5,9 Prozent und in Hamburg um 4,4 Prozent.

Die alternativen Energien sollen Schuld sein

Allerdings hatte auch der Konzern RWE Chart zeigen, der ebenfalls zum Spitzen-Quartett der Energieversorger gehört, in der vergangenen Woche nicht ausgeschlossen, die Preise nach oben anzupassen. Der vierte Großanbieter E.on äußerte sich bislang nicht zu seinen Plänen. Laut Verivox.de dürften zu den bisher bekannten 40 Anbietern eine größere Anzahl kleinerer Versorger hinzukommen, die ebenfalls ihre Preise zum Jahreswechsel erhöhen werden.

Auch Anbieter von Ökostrom ziehen bei der Preiserhöhung mit. Die höchste Steigerung müssen Kunden des Marktführers Lichtblick hinnehmen. Dieser erhöht den monatlichen Grundpreis genauso wie den Preis pro Kilowattstunde. Ein Standardhaushalt zahlt damit ab 1. Januar im Schnitt 10,3 Prozent mehr als bislang. Beim zweitgrößten Ökostrom-Anbieter Greenpeace Energy steigen die Preise im Schnitt um 9,1 Prozent, beim drittgrößten Ökostrom-Versorger Elektrizitätswerke Schönau (EWS) beträgt das Plus gut sechs Prozent.

Als Gründe für den Anstieg nennen die meisten Unternehmen entweder die gestiegenen Beschaffungskosten oder die erhöhten Kosten im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Das Argument deutlich höherer Beschaffungkosten ist jedoch zweifelhaft, weil die Großhandelspreise für Stromverkäufer und Großkunden im vergangenen Jahr deutlich gesunken sind. Zwar verweisen die Energieversorger darauf, dass der Strom in der Regel für mehrere Jahre im Voraus eingekauft wurde - im Einzelfall lässt sich das aber nur schwer nachvollziehen.

28 Anbieter wollen ihre Preise senken

"Eine Preiserhöhung von mehr als vier Prozent, wie Vattenfall es macht, mit dem EEG zu begründen, ist schon unverschämt", sagte Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag.

Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox.de, zeigt sich verständnisvoller: "Sowohl die Beschaffungsstrategie als auch die höheren EEG-Kosten können für die Energieversorger ein Problem darstellen." Doch die Verbraucher müssten es nicht hinnehmen, dass die Anbieter dieses Problem auf sie abwälzen. "Die Kunden können zu Stromanbietern mit anderen Strategien und günstigeren Preisen wechseln", sagt Reese. Nach Angaben des Energieexperten lassen sich durch einen Wechsel häufig mehrere hundert Euro jährlich einsparen.

Dass viele Verbraucher trotz immer neuer Preisrunden noch immer ihrem alten Anbieter die Treue halten und höchstens bei diesem in einen etwas günstigeren Tarif wechseln, hat auch viel mit der Unsicherheit über mögliche Folgen zu tun. Verivox-Experte Reese beruhigt jedoch alle Zweifler: "Der Wechsel des Stromanbieters ist völlig risikofrei. Da die Belieferung gesetzlich geregelt ist, kann es dabei niemals zu einer Unterbrechung der Versorgung kommen." Für den Wechsel reiche es sogar, einen Antrag auszufüllen. Alles Weitere, beispielsweise die Kündigung beim alten Versorger, erledige sogar der neue Anbieter.

Doch immerhin: 28 von Verivox.de befragte Anbieter wollen den umgekehrten Weg gehen und ihre Preise zum 1. Januar sogar senken. Vorreiter hierbei ist der bayerische Anbieter N-Ergie, der ab Jahresbeginn im Schnitt 7,7 Prozent weniger kassiert.

böl/AFP



Forum - Höhere Strompreise gerechtfertigt?
insgesamt 768 Beiträge
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Roller, 18.11.2009
1.
Zitat von sysopEs geht schon wieder los: Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE verlangt ab Januar im Schnitt 14 Prozent mehr für den Strom. Auch der Energiekonzern Vattenfall will seine Preise deutlich erhöhen. Andere Branchenvertreter dürften bald folgen. Zu Recht?
Das kommt davon, wenn man monopolistische Strukturen zulaesst. Man koennte sehr preiswerten, umweltfreundlichen Strom haben, aber daran hat keiner ein Interesse, hoechstens der Verbraucher, aber der hat in Deutschland nichts zu melden. Viele politiker lassen sich legal mit Vorstandsposten von EVU schmieren, damit ja nicht etwas gegen die Interessen der EVU passiert. Um diese Situation zu aendern, muss man die EVU entmachten mit einer dezentralen Energieversorgung, die mit erneuerbare Energie gespeist wird. Gruss Roller
lemming51 18.11.2009
2. ?
Wen wundert' s ??
andrewsaid 18.11.2009
3.
Zitat von sysopEs geht schon wieder los: Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE verlangt ab Januar im Schnitt 14 Prozent mehr für den Strom. Auch der Energiekonzern Vattenfall will seine Preise deutlich erhöhen. Andere Branchenvertreter dürften bald folgen. Zu Recht?
Sehe ich ein, dass die Atomkraft-Unternehmen ihre Preise erhöhen. Immerhin wechseln immer mehr Menschen zu den intelligenten erneuerbaren Energien. Jetzt müssen Vattenfall und Co. wohl endlich einsehen, dass Atomstrom viel zu teuer ist. Immerhin werden sie ja noch doppelt bezahlt. Und wenn der Staat langsam aber sicher die Milliarden-Subventionen kürzt. Muss es wieder für den Verbraucher noch teurer werden. Endlich mal eine Gesundung des Energiehaushaltes der unbedingt auf erneuerbare Energien umgestellt werden muss. Danke Vattenfall und Co.
Hmmm... 18.11.2009
4.
Na klar, die armen Monopolisten nagen doch am Hungertuch, denen werfen wir unser Geld gerne in den Rachen. Ich bin für Verstaatlichung.
barry60 18.11.2009
5. nÖ
Pure Abzocke in meinen Augen. Letztes Jahr wurde als Begründung die Kopplung an den Ölpreis genannt, soweit ich mich erinnern kann. Nun, der Ölpreis ist im Vergleich 8/2008 - heute um wie viel Prozent gefallen? Ich schätze mindestens 40%. Gab es Strompreissenkungen? - Fehlanzeige! Nun argumentiert EWE u. a. mit ungünstiger Einkaufspolitik... da fällt einem doch nicht mehr viel zu ein, außer: "Eure Unfähgikeit kotzt mich an!" :)
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