Steigende Preise trotz Krise: Das deutsche Immobilienwunder

Von Nils-Viktor Sorge

Die Zinsen sind niedrig, die alternativen Anlagen nicht gerade attraktiv. Deshalb setzen Investoren und Eigennutzer immer stärker auf Immobilien. Experten sprechen bereits von einer Trendwende. Gerade in Ballungsräumen steigen die Preise rasant - zum Teil sogar zweistellig.

Ranking: Wo Immobilien besonders teuer werden Fotos
DPA

Hamburg - Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Schwung. Niedrige Bauzinsen und der trotz Finanzkrise hierzulande weiterhin gute Ruf von Wohneigentum haben laut einer Untersuchung der Landesbausparkassen (LBS) dazu geführt, dass die Nachfrage wieder anzieht.

Das wachsende Interesse an Bestandsimmobilien zeige "genauso wie die allmähliche Belebung im Neubau, dass die Nachfrage anzieht und für die Zukunft wieder auf steigende Preise hindeutet", sagte LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm.

Damit bestätigt sich ein Trend, der sich seit Anfang des Jahres für Wohnimmobilien abzeichnet. Im März sorgte die Hamburger LBS mit einer Untersuchung für Aufsehen, nach der Eigentumswohnungen aus dem Bestand im Jahresvergleich um 8,5 Prozent teurer wurden. Einen solchen Anstieg hatte es 20 Jahre lang nicht gegeben.

Der deutsche Immobilienmarkt hat sich weitgehend unbeeindruckt von der weltweiten Finanzkrise und der anschließenden Rezession gezeigt. Während in Spanien, Großbritannien und den USA inzwischen eine Erholung von zum Teil drastisch gesunkenen Niveaus einsetzt, mussten deutsche Hausbesitzer im Schnitt kaum Einbußen verzeichnen.

"Nachdem die Erwartungen der Experten vor dem Hintergrund der Krise im vergangenen Jahr etwas gedämpfter ausfielen, sind sie aktuell wieder zuversichtlicher - und zwar in allen Teilmärkten", heißt es in der Studie, die die LBS-Bundesgeschäftsstelle in dieser Woche vorlegte. Am deutlichsten sei der Stimmungsumschwung bei Neubauten zu bemerken.

Die Preise steigen vor allem in Großstädten

"Das Interesse an neuen Eigentumswohnungen wird von den Experten hierzulande so lebhaft wie seit langem nicht eingeschätzt", heißt es in der Studie. Gerade in den Ballungsräumen gelte "Wohneigentum auf der Etage als geeignete, preisgünstigere Alternative für die knappen Eigenheimangebote", sagte Hamm. Für Süddeutschland rechnen die LBS-Immobiliengesellschaften, die die Lage in 670 deutschen Städten untersucht haben, mit Preissteigerungen von durchschnittlich ein bis zwei Prozent im kommenden Jahr.

In den vergangenen Monaten wurden die Erwartungen der Experten bereits zum Teil deutlich übertroffen. So verlangten Bauträger in Dresden im April 2010 11,1 Prozent mehr für eine typische 80-Quadratmeter-Wohnung in mittlerer bis guter Lage als ein Jahr zuvor. In Frankfurt, Stuttgart und Hamburg stiegen die Preise um jeweils etwa sieben Prozent, in München um 4,4 Prozent. Für Berlin wurde ein Plus von fünf Prozent verzeichnet.

"Die Preise steigen besonders in den Großstädten", sagt der Vizepräsident des Maklerverbandes IVD, Jürgen Michael Schick, gegenüber "manager magazin". "Je besser die Lage, desto größer der Preisanstieg." Manch ein Experte bezeichnet die Lage in Großstädten schon als "extrem".

Auch gebrauchte Einfamilienhäuser werden teurer

Warum, wird besonders am Beispiel München deutlich. Dort steigen die Immobilienpreise weiter viel schneller als das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung. Um sich in der bayerischen Landeshauptstadt Wohneigentum leisten zu können, müssen Immobilienverkäufer laut LBS trotz gesunkener Bauzinsen etwa doppelt so viel wie das Durchschnittseinkommen verdienen (98 Prozent mehr). Noch vor einem Jahr hatte der Wert bei 93 Prozent gelegen.

Allerdings entspannte das gesunkene Zinsniveau die Lage in anderen Städten wie Frankfurt, wo der Immobilienerwerb gemessen am Einkommen nun leichter möglich ist. Außer neuen Eigentumswohnungen werden laut LBS vor allem gebrauchte Einfamilienhäuser in Großstädten und deren Speckgürteln teurer. In München kostet das typische Einfamilienhaus aus dem Bestand inzwischen etwa 750.000 Euro - ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wiesbaden und Heidelberg folgen mit je 550.000 Euro auf Platz zwei.

In einigen Umlandgemeinden klettern die Preise noch höher. In Bad Homburg nördlich von Frankfurt am Main kostet ein Durchschnittshaus 850.00 Euro, im nahen Oberursel 800.000 Euro.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Misstrauen in die Finanzwelt
Rainer Daeschler, 04.07.2010
Die Anleger flüchten in Werte, die ein Zusammenbruch des Finanzsystems überstehen könnten. Das für 800.000 € gekaufte Haus ist diesen Betrag dann zwar nicht mehr wert, aber man kann darin wohnen.
2. Letztes Aufbäumen vor dem Sterben?
wika 04.07.2010
Bekanntlich gibt es dieses Phänomen ja, das Sterbende, bevor es ernst wird, nochmals recht passabel aufleben. Ich würde das hier ähnlich deuten. Im weiteren natürlich auch als Signal, dass das Geld derzeit massiv in die Werte flieht und deshalb so hohe Nachfrage an Sachwerten vorhanden ist. Eine positivere Deutung würde mir dazu nicht einfallen. Anders verhält es sich bei den *Humankapitalanlagen* (http://qpress.de/2010/07/03/humankapitalanlage-tricks-fur-profis/), wenig empfehlenswert zur Zeit, zu hohe Instandhaltungskosten (siehe Krankenversicherung und sonstige Nebenkosten), geringe Wertbeständigkeit, im Überangebot vorhanden und im Ausland bekommt man es noch nachgeschmissen … da sind Immobilien hierzulande halt bleibende Werte und wenn was schief geht zahlt die Sachversicherung, gelle … also auf Nummer Sicher (°!°)
3. Wer zahlt die Zeche ???
weltbetrachter 04.07.2010
Auf der einen Seite steigen die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Zwangsversteigerungen. Am Ende zahlen die "kleinen Leute" wieder alles. Höhere Mieten wegen gestiegener Immobilienpreise und Restschulden aus den Differenzen der Versteigerungserlöse. Und wer verdient wohl an diesem ganzen Dilemma? --> die Banken - die gewinnen eben immer ...
4. Weshalb sollte dies verwundern?
Dunkelschaf 04.07.2010
Da die sogenannte Finanzkrise ausschließlich auf kosten der ärmeren Bevölkerungsschichten ging - wen wundern da anziehende Immobilienpreise? Fakt ist das die "Reichen" erhebliche Vermögenszuwächse in- und dank der Krise hatten - nun muß das Geld ja irgendwie untergebracht werden...
5. Hype
albert schulz 04.07.2010
Lancierte Meldungen sind gerade bei Immobilien nichts Neues. Meinungsmache, reine Zweckmeldungen, um die Preise hochzujubeln. Ein paar Fakten: Nördlich des Weißwurstäquators verfallen die Gebäude und die Preise. Die Leute ziehen weg. Leerstände en masse. Einfamilienhäuser, die nicht gut vom ÖPNV versorgt werden, verlieren seit einiger Zeit stark an Wert. Offensichtlich rechnen viele damit, daß man mal ärmer werden kann. Beim Kauf von Eigentumswohnungen ist seit Jahren ein stetiger Rückgang zu beobachten. Natürlich kann man damit Kohle machen, wenn man sie teuer verkaufen kann. Aber sie gewinnen definitiv nicht an Wert, und die Nebenkosten werden allzu häufig zum Absahnen verwendet. Und genau das ist den Bürgern aufgegangen. Und die vielen Singles, die nur für Beruf, Ablenkung und Urlaub leben, müßten behämmert sein, wenn sie sich eine Wohnung ans Bein binden. „Heute hier, morgen dort.“ Bauen rechnet sich nur für die Verkäufer, nicht für die „Eigentümer“. Objektive Wertmaßstäbe von Immobilien erhält man bei Zwangversteigerungen. Für 50% des „Verkehrswerts“ wird kaum eine verkauft, es gibt durchaus Fälle, wo der Preis zwischen 10 und 20% liegt. Eine andere Regel besagt, daß man nur den Teil eines Grundstücks bezahlt, den man bebauen darf, und davon noch die Abbruchkosten abzieht. Daß die die Verdichtung der Bebauung, die Grundstückspreise und die deutsche Dreizimmerwohnung dazu geführt haben, daß es kaum noch Familien und vor allem Kinder in Großstädten gibt, darf man auch mal erwähnen. Übrigens identisch mit den Verhältnissen in Japan, Shanghai, New York. Ein "befreundeter" Banker wollte mich mal überreden, in Berliner Büroraum zu investieren, die Mieten lägen bei mindestens 70 DM/m². Nachher lagen sie bei zwanzig, vermutlich heute noch tiefer angesichts der Leerstände, in Wuppertal liegen sie bei 4 €/m². Der Junge hat wohl selber an den Unsinn geglaubt, den er da verzapft hat, aber letztlich wollte er wohl bescheißen. Daß er selbst ein solches Risiko eingegangen wäre, wage ich zu bezweifeln. So dumm sind nicht mal Banker.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Immobilienmarkt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 46 Kommentare
Fotostrecke
Prognose: Wo die Wohnungen knapp werden