Ikea-Rivale Steinhoff Poco-Mutter verliert bis zu 13 Milliarden Euro an Wert

Die jüngsten Turbulenzen haben für den Ikea-Konkurrenten Steinhoff fatale Folgen: Die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Möbelkonzerns herab. Der Börsenwert brach daraufhin drastisch ein.

Möbelhauskette Poco
Poco

Möbelhauskette Poco


Die Aktionäre des von einem Bilanzskandal erschütterten Poco-Mutterkonzerns Steinhoff brauchen starke Nerven: Innerhalb der vergangenen Tage lösten sich rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert in Luft auf.

Nachdem der Bilanzskandal bekannt geworden ist und der Chef deshalb Mitte der Woche gehen musste, gab es nun eine weitere schlechte Nachricht für Anleger: Die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau ab. Übersetzt heißt das: Moody's hat ernsthafte Zweifel daran, dass Steinhoff seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann.

Die Aktien sackten in der Folge am Freitagmorgen um weitere 41 Prozent bis auf ein neues Tief von 0,35 Euro ab. Ende November hatten sie mit 3,50 Euro noch das Zehnfache gekostet. Die Papiere schlossen mit einem Minus von fast 21 Prozent gegenüber dem Vortag bei 0,47 Euro. Noch deutlicher wird der tiefe Fall, wenn man den gesamten Börsenwert betrachtet - dieser betrug zwischenzeitlich nur noch 1,5 Milliarden Euro nach zuvor 14,8 Milliarden Euro.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereit seit zwei Jahren gegen den Konzern wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Steinhoff hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Am Dienstag teilte der Aufsichtsrat mit, dass neue Informationen über Bilanzunregelmäßigkeiten weitere Nachforschungen erforderlich machten. Der Vorstandsvorsitzende Markus Jooste trat zurück. Zudem wurde die Veröffentlichung der Zahlen des Ende September geendeten Geschäftsjahres bis auf Weiteres verschoben.

BaFin untersucht Aktienhandel

Angesichts der massiven Ausschläge der Aktie schaut sich die Finanzaufsicht BaFin den Kursverlauf nun an. Es handele sich um reine Routine, sagte eine Sprecherin.

Steinhoff teilte im Handelsverlauf mit, dass ein ursprünglich für Montag anberaumtes Treffen mit Bankern in London um eine Woche auf den 19. Dezember verschoben worden sei. Der Konzern gab an, sich alljährlich mit Bankern zu treffen, um über die jüngsten Geschäftsergebnisse zu sprechen.

Banken und andere Kreditgeber stehen bei dem kriselnden Möbelkonzern mit Milliarden im Risiko. Nach dem letzten Halbjahresbericht lagen die langfristigen Verbindlichkeiten Ende März bei 12,1 Milliarden und die kurzfristigen Schulden bei rund 5,9 Milliarden Euro. Der Umsatz habe in dem Berichtszeitraum 10,2 Milliarden Euro betragen bei einem operativen Gewinn von 903 Millionen Euro.

Die Commerzbank hat inzwischen sämtliche Schätzungen zum Geschäftsverlauf bei Steinhoff und zur Entwicklung der Aktie zurückgezogen. Solange das Ergebnis der Untersuchung der beauftragten Wirtschaftsprüfer von PwC nicht vorliege, gebe es keine verlässliche Grundlage für irgendwelche Prognosen, schrieb die Bank.

Der Möbel-Discounter Poco sieht sich von den aktuellen Turbulenzen rund um die Steinhoff nicht betroffen. Der Konzern sei mit einem Anteil von aktuell 50 Prozent an dem Unternehmen lediglich einer von zwei Gesellschaftern, teilte ein Poco-Sprecher in Bergkamen mit. Zweiter Anteilseigner sei über eine Beteiligungsgesellschaft die österreichische Unternehmerfamilie Seifert, die auch die Möbelkette XXXLutz betreibt.

yes/brt/dpa/Reuters



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