Stellenabbau bei Top-Managern: In der Commerzbank zittern die Häuptlinge

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Erst traf es die Commerzbank-Mitarbeiter in den Filialen, nun muss auch die Führungsebene bangen. Zwei Vorstände sollen gehen, weitere Top-Manager werden folgen. So versucht Konzernchef Blessing den eigenen Job zu retten.

Commerzbank-Chef Blessing (m.), Vorstände Klösges (2.v.r.) und Sieber (r.): Wer muss von Bord? Zur Großansicht
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Commerzbank-Chef Blessing (m.), Vorstände Klösges (2.v.r.) und Sieber (r.): Wer muss von Bord?

Hamburg - Es ist der Rachetraum vieler kleiner Angestellter: Wenn wir hier unten schon bluten müssen, dann soll es die da oben gefälligst auch treffen. Genau das passiert nun bei der Commerzbank.

Nachdem das Institut bereits im Juni eine Sparrunde unter den mehr als 50.000 Beschäftigten angekündigt hatte, soll jetzt auch die Führungsriege verkleinert werden. Der Aufsichtsrat der Bank beschloss am Mittwoch, den Vorstand "in absehbarer Zeit" von neun auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Schon bald sollen auch auf den Ebenen darunter Manager gehen.

Welche Vorstände die Bank verlassen müssen, wurde nicht mitgeteilt. Eine Entscheidung dazu sei noch nicht getroffen worden, hieß es. Seit Wochen werden die Namen Jochen Klösges und Ulrich Sieber genannt. Doch im Aufsichtsrat gibt es Vorbehalte, wegen der Millionenabfindungen, die man den beiden Managern zahlen müsste. Auch beim Bund - mit 17 Prozent immer noch Großaktionär der Bank - will man hohe Zahlungen an die Streichkandidaten möglichst verhindern.

Klösges und Sieber sind bisher für die interne "Bad Bank" zuständig, in die das Geldhaus all die Geschäftsbereiche, Kredite und Wertpapiere verbannt hat, die es möglichst schnell loswerden will. Der Verkauf der Resterampe kommt gut voran - und warum die Sparte zwei Chefs braucht, fragten sich ohnehin viele Leute in der Bank.

Viele Posten "doppelt und dreifach besetzt"

Auch unterhalb des Vorstands gibt es noch Kürzungspotential. "Im mittleren und oberen Management ist viel zu viel Personal an Bord", sagt ein Mitarbeiter. Nach der Fusion mit der Dresdner Bank im Jahr 2009 seien viele Positionen immer noch "doppelt und dreifach besetzt".

Hier will Bankchef Martin Blessing aufräumen. In einem Interview im konzerneigenen Intranet verkündete er, von den 55 Führungskräften auf der ersten Ebene sollten rund 20 Prozent wegfallen. "Auch die zweite Führungsebene werden wir verkleinern, da wir hier ebenfalls Überkapazitäten haben", sagte Blessing. Bis Ende des Jahres soll die Aktion abgeschlossen sein.

Der Kahlschlag an der Spitze dürfte für Blessing so etwas wie der letzte Versuch sein, den eigenen Job zu retten. Der Manager steht gewaltig unter Druck. Die Sanierung der angeschlagenen Bank kommt nur sehr langsam voran. Blessings Versprechen, 2012 wieder drei Milliarden Euro Gewinn vor Steuern zu machen, scheiterte krachend. Der Aktienkurs kennt nur eine Richtung: Allein im laufenden Jahr ging es um mehr als 40 Prozent nach unten.

Altlasten wie Schiffskredite und faule Kredite in der Immobilienfinanzierung belasten den Konzern. Doch auch die Privatkundensparte läuft immer noch nicht rund, auch wenn sie zuletzt ein verstärktes Wachstum vermelden konnte. An diesem Donnerstag will die Bank ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegen - Experten erwarten nur einen Minigewinn.

Immer wieder machen Gerüchte die Runde, die Bundesregierung als Großaktionär wolle Blessing ablösen. In der Presse wird sogar schon Firmenkundenvorstand Markus Beumer als möglicher Kronprinz genannt. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat bisher jedoch alle Ablösegerüchte zurückgewiesen.

Experten geht der Stellenabbau zu langsam

In einer solchen Phase sorgt die Aufräumaktion im Vorstand für Ablenkung. Auch intern, wo die Lage wegen der jüngsten Sparrunde angespannt ist. "Weniger Mitarbeiter erfordern auch weniger Führungspersonal - das leuchtet erst mal ein", sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Er vermutet hinter der Aktion auch eine öffentlichkeitswirksame Inszenierung. "Man will den Mitarbeitern zeigen, dass es nicht nur die Indianer trifft, sondern auch die Häuptlinge."

Bis 2016 will die Commerzbank 5200 Stellen abbauen, das entspricht rund zehn Prozent der Belegschaft. Es ist bereits die zweite Sparrunde innerhalb weniger Jahre. Schon nach der Fusion mit der Dresdner Bank 2009 wurden 9000 Stellen gestrichen.

Wenn alles nach Plan läuft, sind auch dieses Mal keine Kündigungen nötig - normale Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und Abfindungen sollen den Abbau regeln. Angesichts der schlechten Lage der Bank halten Experten diesen Sparkurs sogar für sehr moderat. "Der Stellenabbau wird über vier Jahre gestreckt", sagt Analyst Hein. "Wenn man sanieren und die Kosten drücken muss, passt das nicht zusammen."

Auch mancher Mitarbeiter fragt sich, ob das gemächliche Spartempo ausreichen wird, um die Bank wieder fit zu machen: "Wir wundern uns immer noch, wie langsam das geht."

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Wie lange noch
adam68161 07.08.2013
lässt man diesen dilettantischen Amateur noch vor sich hinwursteln? Erst verseckelt er das Geld der Aktionäre, dann zerstört er das Humankapital und geht schliesslich als letzter von Bord. Seinem Aufsichtsratsvorsitzenden - auch einer von dieser schlaumeierischen Sorte - sei's gedankt!
2. aaa
AuchNurEinNick 07.08.2013
Zitat von sysopDPAErst traf es die Commerzbank-Mitarbeiter in den Filialen, nun muss auch die Führungsebene bangen. Zwei Vorstände sollen gehen, weitere Topmanager werden folgen. So versucht Konzernchef Blessing den eigenen Job zu retten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/stellenabbau-im-vorstand-commerzbank-streicht-die-haeuptlinge-a-915369.html
Warum zittern die? Die Politiker von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen sowie Professor Unsinn und dieser Michael Hüter von der Arbeitgeberlobby haben uns doch jahrelang in jeder Talkshow und im Spiegel erklärt, dass die soviel verdienen weil die sonst irgendwohin abhauen wo die noch viel, viel mehr bekommen würden weil das alles solche Experten sind nach denen sich die ganze Welt die Finger leckt. Und jetzt haben die solche Angst? Bestimmt haben die nur Angst weil die Deutschland so lieben und nun fürchten, dass Sie für zig Millionen in der Stunde in den USA (oder noch schlimmer: der Schweiz) bei Champagner und Kaviar die erste Bundesliga nur über Satellit empfangen können. Es ist schon schlimm, wenn man so begehrt und vor allem so doll Experte ist, dass man sein Geld ganz doll wert ist und eigentlich noch viel, viel mehr verdienen müsste!
3. viel zu gemächliches Spartempo
mischaman 07.08.2013
Gute Güte - Doppelbesetzung in der Chefetage! Ja gehts noch??? Leider wird durch den (längst überfälligen Abbau) die Bank nicht mehr zu retten sein. Da es sich um die zweitgrößte Bank der Republik handelt, wird dies leider nicht ohne Folgen für uns alle bleiben!
4. Zombiebank
elecherc 07.08.2013
Diese Bank ist eigentlich nur noch ein Zombie. Zu groß zum Sterben, aber zu schwach, um für die Kunden / den Markt überhaupt noch nützlich zu sein. In Deutschland reicht eine Großbank, das Privatkundengeschäft und den unternehmerischen Mittelstand decken die Sparkassen und Volksbanken ab. Und für den Rest gibt es genug Spezialbanken, Kreditbanken, Autobanken usw. Die in jüngster Zeit hochgepuschten Kundenzahlen im Privatkundengeschäft und bei den Hypotheken sind reines Window-dressing – erzeugt durch günstige Konditionen. Verdient wird daran nichts.
5. bankberater
speedyin 07.08.2013
super... viele stellen doppelt und dreifach besetzt. in meiner Heimatstadt (ca 35000 Einwohner) hat die CoBa drei Filialen (warum?).... und dann erdreistet sich meine firmenbankberaterin mir zu erklären, ich solle doch in meiner Firma kosten sparen.... Sorry ich versteh nicht, warum der laden systemrelevant war... alles unter 100000? staatlich schützen und den laden zumachen... wäre wahrscheinlich gut gewesen... ich habe die Bank schon gewechselt....
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