Stellenstreichungen Siemens-Chef Joe Kaeser irritiert Investoren mit Dementi

Die Meldung, Siemens-Chef Joe Kaeser plane den Abbau von 20.000 Stellen, hat ein großes Echo verursacht. Einen Tag später weist der Konzern den Bericht zurück. Dabei hatte Kaeser Anlegern zuvor von seinen Plänen erzählt.

Siemens-Chef Joe Kaeser
AFP

Siemens-Chef Joe Kaeser


24 Stunden nachdem die Nachricht auf dem Markt war, sah sich Siemens zu einer Reaktion genötigt. Der Bericht des "manager magazin" über den möglichen Abbau von bis zu 20.000 Stellen im Rahmen der Umstrukturierung entbehre jeder Grundlage, erklärte ein Unternehmenssprecher. Siemens könne die genannten Zahlen nicht nachvollziehen. Entsprechende Äußerungen habe es "in dieser Form nicht gegeben".

Das Dementi wiederum sorgt nun für erhebliche Irritationen bei einzelnen Investoren, denen Siemens-Chef Joe Kaeser die Details seiner Strategie "Vision 2020+" detailliert dargelegt hatte. "Damit setzt Kaeser seine Glaubwürdigkeit bei den Investoren aufs Spiel", sagte ein Fondsmanager, der namentlich nicht genannt werden wollte, dem "manager magazin". Und im Banker-Slang: "JK wants the cake and eat it - telling investors he is cutting and telling the general public he is not!" ("Kaeser will den Kuchen auf dem Teller behalten und aufessen zugleich: indem er Investoren sagt, er werde kürzen, und der allgemeinen Öffentlichkeit, dass er nicht kürzt.")

Der Umstrukturierungsplan, den Kaeser Anfang August auf einer sogenannten Roadshow verschiedenen Investoren vorgestellt hatte, sieht die Aufteilung des Konzerns in sechs einzelne, weitgehend selbstständig operierende Einheiten vor. Von der Zentrale aus sollten deswegen Tausende Stellen zurück in die Verwaltungen der einzelnen Einheiten zurückverlegt werden.

Wie Kaeser den Analysten nach Informationen des "manager magazin" weiter sagte, sollen die Einsparungen in den Querschnittsfunktionen sowie bei den Shared Services bis zu zwei Prozentpunkte mehr Marge bringen. Dies entspricht exakt dem Ziel der "Vision 2020+", die Marge mittelfristig um zwei Prozentpunkte zu steigern. Daraus ergibt sich ein Sparvolumen von 1,7 Milliarden Euro.

Bei den Arbeitnehmern dürften die Pläne auf Widerstand stoßen. "Wir haben die Zusage des Vorstands, dass die neue Strategie kein verkapptes Abbauprogramm ist", sagte ein IG-Metall-Sprecher auf Anfrage des Magazins.

Im Video: Standortschließung - Görlitz im Siemens-Schock

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mik

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
neurobi 24.08.2018
1.
Es ist schon eine verrückte Welt in der ein Mann, der 20000 Existenz gefährdet, belohnt und gefeiert wird, während ein Bankräuber, der in letzter Verzweiflung eine Bank überfällt und 15000 Euro erbeutet für Jahre ins Gefängnis kommt, wenn er gefasst wird.
kuhuna 24.08.2018
2. Unglaublich
Einem hoch bezahlten Konzernchef fällt nicht mehr ein, als die Gehälter von 20.000 Mitarbeitern zu sparen! ...und die Politik, die vom Volk und für das Volk einzutreten hat, entscheidet sich dafür, dass die Marktgesetze das regulieren.
rainer_daeschler 24.08.2018
3. Absurd
Zitat von kuhunaEinem hoch bezahlten Konzernchef fällt nicht mehr ein, als die Gehälter von 20.000 Mitarbeitern zu sparen! ...und die Politik, die vom Volk und für das Volk einzutreten hat, entscheidet sich dafür, dass die Marktgesetze das regulieren.
Direkter kann ein Konzernchef sein Versagen nicht eingestehen. Das Absurde ist, die Analysten und Anleger halten das für eine gute Nachricht.
spontanistin 24.08.2018
4. Käser, Kaeser, Kaiser?
Interessanter wäre doch mal zu erfahren, welcher Unternehmensberatungsempfehlung der Siemens-Kaiser (Käser) hier folgt. Oder glaubt etwa jemand, die Strategien arbeitet der hochbezahlte Joe allein am Wochenende zu Hause am Kaminfeuer aus ?
g.raymond 24.08.2018
5. Wirtschaftliche Risiken
Dass ein Konzern verschlanken, entbürokratisieren oder modernisieren muss, sollte jedem, auch den Angestellten dieses Konzerns , eigentlich klar sein. Mir als Bremer steckt immer noch die traurige Erfahrung in den Knochen, dass die grosse AG-WESER-Werft in Bremen aus Solidarität zu ihren Hafenarbeitern auf Modernisierung und Verschlankung verzichtet hat und deshalb Jahre später, unter dem weinenden Bürgermeister Koschnick, kaputt ging. Gerade Siemens versucht immer, im Falle des Falles gute alternative Lösungen für die entsprechenden Angestellten zu finden. Also etwas mehr Mut, auch zur Veränderung !
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