Stellwerkchaos in Mainz Bahn-Vorstand muss gehen

Seit Tagen fallen viele Züge aus am Mainzer Hauptbahnhof - ab Montag soll das noch schlimmer werden. Nun zieht Bahn-Chef Grube einem Zeitungsbericht zufolge personelle Konsequenzen. Er trennt sich vorfristig von einem hochrangigen Manager.

Mainzer Hauptbahnhof: Nur noch wenig Fernverkehr, ab Montag wird es noch schlimmer
DPA

Mainzer Hauptbahnhof: Nur noch wenig Fernverkehr, ab Montag wird es noch schlimmer


Mainz/Berlin - Bahn-Chef Rüdiger Grube zieht offenbar personelle Konsequenzen aus dem Chaos am Mainzer Hauptbahnhof. Wie die "Stuttgarter Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, wird der Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden.

Der Schritt sei schon seit längerer Zeit geplant gewesen, die aktuellen Ereignisse in Mainz hätten die Ablösung jedoch beschleunigt, hieß es dem Blatt zufolge. Ein Bahn-Sprecher sagte am Freitagabend auf Anfrage: "Personalien kommentieren wir nicht." Am Freitag hatte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wegen der massiven Probleme mit Zugausfällen eingeschaltet und mit Bahn-Chef Grube telefoniert.

Seit einer Woche fallen viele Züge im Mainzer Hauptbahnhof aus oder werden umgeleitet. Die Bahn begründete dies mit einem unerwartet hohen Krankenstand im Stellwerk sowie der Abwesenheit von Mitarbeitern wegen der Urlaubszeit. Von 15 Fahrdienstleitern waren diese Woche vier krank und drei im Urlaub.

Spekulationen über "verdeckten Streik"

Beim Unternehmen werde ein "verdeckter Streik" der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG nicht ausgeschlossen, berichtet derweil die Mainzer "Allgemeine Zeitung". Vieles deute auf eine konzertierte Aktion hin, zitiert die Zeitung aus Berliner Aufsichtsratskreisen. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorwürfe am Abend als "Rückzugsgefecht der Bahn". Fahrdienstleiter seien ein neuralgischer Bereich, in dem auch das hohe Durchschnittsalter der Bahn-Mitarbeiter deutlich schnellere personelle Folgen habe, sagte Jürgen Hoffmann, der Leiter der EVG-Landesgeschäftsstelle, auf Anfrage.

In Rheinland-Pfalz haben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Verkehrsminister Roger Lewentz (beide SPD) für kommenden Dienstag Bahn, Gewerkschaft, Fahrgastverband und andere zum Bahn-Gipfel nach Mainz eingeladen. Lewentz schrieb Ramsauer, der Bundesverkehrsminister trage "die politische Verantwortung" auch für die Deutsche Bahn.

Ab Montag auch tagsüber massive Einschränkungen

Die Probleme für Fern- und Regionalzüge werden noch bis mindestens Ende August dauern. Am Montag verschärfen sie sich sogar: Dann gibt es auch tagsüber massive Einschränkungen, nicht nur abends und nachts. Die Bahn kann im Regionalverkehr nur noch einen Stundentakt statt Halbstundentakt anbieten. Im Fernverkehr halten nur noch wenige Züge in Mainz.

Zumindest für das Bundesliga-Spiel Mainz-Stuttgart am Sonntag wird die Malaise für einige Stunden etwas gemildert. Die Deutsche Bahn setzt außer einem Sonderzug mehr S-Bahnen ein - ein Fahrdienstleiter springt nach Angaben einer Bahn-Sprecherin ein, so dass es für einen kurzen Zeitraum personelle Verstärkung gibt. Rund 3200 VfB-Fans sollen in Mainz zu Gast sein, schätzt der VfB Stuttgart.

Fahrgäste können sich über www.bahn.de/aktuell beziehungsweise unter www.mittelrheinbahn.de für die Züge der Regionalbahn zwischen Mainz, Bingen und Koblenz über den aktuellen Stand informieren.

sun/dpa



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insgesamt 133 Beiträge
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roana 10.08.2013
1. Automatisierung
Grundsätzlich braucht man für den Bahnbetrieb ja eigentlich weder Lokführer noch Zugbegleiter noch Fahrdienstleiter. Beim heutigen Stand der Technik wäre alles automatisierbar. Ob sich dann allerdings die Fahrgäste in einem automatischen "People Mover" noch wohl fühlen würden ist ein anderes Thema.
bernibaer 10.08.2013
2. Fußball wichtiger als Berufspendler und Fernverkehr?
Ist ja klasse...für 3200 Fußballfans wird ein Fahrdienstleiter freigeschaufelt - erstaunlich, wo der plötzlich herkommt. Hauptsache Fußball...ist "Mutti" Angie vielleicht bei dem Spiel? Dann muss ja die Kulisse stimmen.... Berufspendler, Fernverkehrskunden mit teuren Fahrkarten - die lassen wir in Mainz im Regen stehen! Unser Land macht sich immer lächerlicher.... Freizeitgesellschaft, grölende Fußballfans - wichtiger als funktionierende Infrastruktur für Berufspendler - armes Deutschland! Aber so war es schon bei den alten Römern - Brot und Spiele!
MartiniM 10.08.2013
3. Kosten senken durch Personalabbau
Wird doch seit mehr als 20 Jahren überall erfolgreich praktiziert. Jeder WiWi Abgänger hatte doch dieses Mantra im Kopf. Naja, mehr oder weniger erfolgreich. Unzählige Projekte und Firmen die gerade daran zugrunde gegangen sind. Qualität lässt sich mit Personalabbau nicht aufrecht erhalten. Manchmal auch der simple, tagtägliche Betrieb geht daran zugrunde.
DonMcM 10.08.2013
4. Je oller desto doller
die Überalterung der Fahrdienstleiter ist also schuld. Im Radio hört man "unschuldige Gewerkschaftsvorstände" unken, dass man die Bahn immer gewarnt habe vor diesen Personalengpässen und der Überalterung der Mitarbeiter. In anderen Städten werde das gleiche passieren, so der Gewerkschaftsvorstand, wo wollte er aber einfach nicht zu erkennen geben. Aha. Schön, dass man dann doch die Tricks der "unschuldigen" Gewerkschafter erkannt hat: versteckter Streik. Klingt glaubwürdig. Andererseits tut die Bahn alles, um ihr ramponiertes Image zu behalten. Da befinden sich wohl 2 Institutionen schön auf Augenhöhe.
nur_ich_bin_ich 10.08.2013
5. Der Mann...
Zitat von sysopDPASeit Tagen fallen viele Züge aus am Mainzer Hauptbahnhof - ab Montag soll das noch schlimmer werden. Nun zieht Bahn-Chef Grube einem Zeitungsbericht zufolge personelle Konsequenzen. Er trennt sich vorfristig von einem hochrangigen Manager. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/stellwerkchaos-in-mainz-bahn-vorstand-hansjoerg-hess-muss-gehen-a-915823.html
...muss sich keine Gedanken machen: Herr Mehdorn wird ein warmes Plätzchen für ihn haben in Berlin. Im Zweifel wäre da auch noch im Baden-Württembergischen bei Stuttgart der eine oder andere Stuhl frei mit, sagen wir A16 oder so? Kann man ja alles passend machen, gelle?
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