Kritik an Kapitalmarkt-Teilnehmern Bannon wünscht Wall Street "zur Hölle"

Der Handelsstreit der USA mit China belastet die Börsen. Viele Kurse sanken zuletzt erheblich. Der frühere Trump-Einflüsterer Stephen Bannon ätzt gegen Aktienhändler und Investoren. Trumps Strategie sei dabei, aufzugehen.

Stephen Bannon
AFP

Stephen Bannon


Donald Trumps ehemaliger Chefstratege, Stephen Bannon, hat die Handelspolitik des US-Präsidenten gegenüber der Kritik von Marktliberalen mit scharfen Worten verteidigt. "Zur Hölle mit der Wall Street", sagte er in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Bannons Worte sind eine Reaktion auf Kritik an Trumps Androhungen neuer Strafzölle gegen China. In den vergangenen Tagen sorgten diese für eine Talfahrt an den Börsen.

Bannon beschrieb die Wall Street als sprunghaft, die Schicksale von Arbeitern in den USA seien der Börse völlig gleichgültig. Trump hingegen versuche, das "schlagende Herz des amerikanischen Kapitalismus zu beschützen". Er sei ohnehin "der perfekte Typ".

"Das Spiel der Verzögerung ist vorbei"

Bannon verurteilte Investoren und Aktienhändler. "Es ist Zeit, dass sich jemand gegen sie erhebt." Die Einführung von Strafzöllen sei ein Zeichen in Richtung China, dass "das Spiel der Verzögerung vorbei ist". Jetzt werde das zentrale Thema des unfreiwilligen Technologietransfers endlich auf die Tagesordnung gesetzt. China steht seit Langem in der Kritik, Investoren nur dann Zugang zu gewähren oder Joint Ventures zu genehmigen, wenn chinesische Firmen beteiligt würden. Auf diese Weise fließt viel westliches Know-how ab.

Die technologischen Innovationen sind laut Bannon das Herz der amerikanischen Wirtschaft. "Die Chinesen haben sie entweder gestohlen oder amerikanische Unternehmen gezwungen, sie auszuhändigen." Diese Tage seien nun vorbei.

Trump voll in die Hände gespielt

Trump habe seine Strategie von langer Hand geplant, sagte Bannon in Bezug auf die Handelszölle. Es sei offensichtlich, dass die Chinesen keine wirkliche Gegenstrategie parat hätten. "Ich denke, sie haben ihm voll in die Hände gespielt", sagte Bannon, der als ehemaliger Wahlkampfleiter und Chefstratege bis heute Beziehungen ins Weiße Haus unterhält.

Indem China Steuern auf Agrikulturprodukte erhoben und die Technologie völlig außen vor gelassen habe, habe das Land einmal mehr bewiesen, dass es die USA für einen nebensächlichen Staat halte. Nachdem Trump 25-Prozent-Zölle auf rund 1300 chinesische Industrietechnologien, Transport- und Medizinprodukte angekündigt hatte, reagierte China mit ähnlich hohen Zöllen auf amerikanische Erzeugnisse wie Sojabohnen und Rindfleisch, aber auch Flugzeuge und Autos.

ans/Reuters



insgesamt 77 Beiträge
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hardeenetwork 04.04.2018
1. Neurose?
Bannon braucht wie Trump Aufmerksamkeit und das möglichst täglich. Die Themen spielen dabei keine Rolle. Armer Bannon, er leidet sehr unter seiner Bedeutungslosigkeit.
emporda 04.04.2018
2. noch einer
Wie Donald Trump ist der Typ nur fährig zu lügen, schmutzige politische Tricks zu starten und ohne Substanz gegen jeden bösartig zu hetzen. Von Wirtschaft und Handel hat er wie Trump ebenfalls keine Ahnung
Bueckstueck 04.04.2018
3. Witzfigur Bannon
Ds kriecht der Ex-Goldman Sachs Heini dem Möchtegern-Präsidenten schon wieder in den Hintern. Wenn das was der Clown im Weissen Haus treibt richtig wäre und funktionieren würde, dann würde der Typ der wie ein Säufer aussieht, sich nicht über die Volatilität echauffieren... Alles zusammen korrupte Flachpfeifen. Aber bald hat der Spuk ja ein Ende. Auf die eine oder andere Weise.
s.l.bln 04.04.2018
4. Soso
Das "schlagende Herz des amerikanischen Kapitalismus " sind also Bauern und Stahlarbeiter und nicht etwa die Wall Street? Weiß die USA davon bereits? Schön auch seine Vorstellung, die Chinesen könnten US Unternehmen zu Joint Ventures zwingen. Tatsächlich brauchen die sowas nur mitzumachen, wenn sie gerne die Vorzüge von Dumpinglöhnen ,fehlenden Umweltstandards sowie fehlendem Arbeitnehmerschutz genießen möchten, auf Kosten der amerikanischen Arbeitsplätze. Ist doch voll gemein, daß die Chinesen ihnen diese aus Kapitalistensicht traumhaften Konditionen nicht umsonst zur Verfügung stellen. In was für einer Traumwelt lebt dieser Mann?
cup01 04.04.2018
5.
Demnächst werden die Aktienkurse täglich per Tweet von Trump festgelegt.
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