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Steueraffäre: Hoeneß nimmt sich neuen Anwalt

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Verteidiger Feigen: Selbstbewusst und einschüchternd

Uli Hoeneß hat einen neuen Rechtsanwalt. Der Promi-Verteidiger Hanns W. Feigen soll den Bayern-Präsidenten vor Gericht vertreten. Die Liste seiner bisherigen Mandanten liest sich wie das Who's who der deutschen Wirtschaft: Klaus Zumwinkel, Wendelin Wiedeking, Jürgen Fitschen.

Hamburg - Wenn deutsche Manager Probleme mit der Justiz haben, rufen sie immer wieder einen Mann an: Hanns W. Feigen. Der Frankfurter Anwalt gilt als einer der hochkarätigsten Wirtschaftsstrafverteidiger Deutschlands. Seit Freitag gehört er zur Anwaltstruppe von Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Im März muss der Aufsichtsratschef des Rekordmeisters vor Gericht. Der Vorwurf: Er soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben.

Feigen ersetzt in Hoeneß' Verteidigerteam den FC-Bayern-Anwalt Werner Leitner. Hoeneß teilte mit, er halte es "für geboten, seine Privatangelegenheiten, zu denen das Steuerstrafverfahren zählt, strikt von seiner Tätigkeit" als Bayern-Präsident zu trennen.

Sein neuer Anwalt wollte sich am Montag nicht äußern. Viel Zeit, sich in den Fall Hoeneß einzuarbeiten, hatte er bislang nicht. Wie zu hören ist, arbeitet Feigen mit Hochdruck an einer Erwiderung für einen anderen Promi-Mandanten: Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank. Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt den Banker des versuchten Prozessbetrugs im Fall Leo Kirch.

Der Frankfurter Feigen gehört zu einer kleinen Gruppe ebenso hochkarätiger wie teurer Strafverteidiger, die die Wirtschaftsbosse der Republik vertreten. Neben Fitschen zählt er auch den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zu seinen Mandanten. Für den ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher, angeklagt wegen Korruption, erwirkte Feigen einen Freispruch.

In der Öffentlichkeit bekannt wurde Feigen vor mehr als fünf Jahren. Er vertrat 2008 den damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel in dessen Steuer-Affäre. Nahezu jeder Sender, jede Zeitung zeigte die Bilder, wie Feigen die Villa des Managers betrat und sie später gemeinsam mit ihm und den Ermittlern verließ.

Zumwinkel hatte eine Million Euro am Fiskus vorbeigeschleust, wie er später zugab. Feigen riet ihm zu einem umfassenden Geständnis. Am Ende kam Zumwinkel mit zwei Jahren Haft auf Bewährung glimpflich davon.

Vorliebe für schwere Fälle

Der Fall Hoeneß liegt anders. Der Bayern-Chef hat kein unversteuertes Geld in die Schweiz geschafft. Er soll aber mit Geld, das ihm der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus geliehen hat, gezockt und die Gewinne nicht versteuert haben. Anfang des Jahres erstattete Hoeneß Selbstanzeige (die Chronologie des Falls im Überblick). Für Feigen dürfte es darum gehen, das Gericht von der Wirksamkeit dieser Selbstanzeige zu überzeugen.

Der 64-Jährige gilt als einer, der die schweren Fälle liebt. Vor Gericht tritt er selbstbewusst, nicht selten einschüchternd auf. Mit seiner tiefen Stimme füllt er große Säle, selbst wenn er ganz leise spricht.

Seine Kanzlei, die er seit 2001 mit seinem Kollegen Walther Graf führt, gehört zu den Top Ten in Deutschland. Pro Stunde werden schnell bis zu 500 Euro fällig.

Mit seinem Hang zum Klartext könnte Feigen im Fall Hoeneß noch für Aufsehen sorgen. Den Eindruck, dass Manager vor deutschen Gerichten oft recht glimpflich davonkommen, bezeichnete er in der "Süddeutschen Zeitung" mal als "groben Unfug". Man könne eher von einem "Prominenten-Malus" sprechen. Das hänge "wiederum mit der Berichterstattung in den Medien und dem bisweilen hierdurch entstehenden Erwartungsdruck auf Staatsanwaltschaften und Gerichte zusammen".

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