Steuerskandal US-Gericht spricht ehemaligen Banker der UBS frei

Er war einer der einflussreichsten Manager der UBS - und landete im Gefängnis, weil er Tausenden Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben sollte. Nun wurde Raoul Weil in den USA freigesprochen.

Erleichtert: Der ehemalige USB-Manager Raoul Weil wurde freigesprochen
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Erleichtert: Der ehemalige USB-Manager Raoul Weil wurde freigesprochen


Fort Lauderdale - Ein ehemaliger Top-Manager der größten Schweizer Bank UBS ist in den USA vom Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung freigesprochen worden. Nach einem dreiwöchigen Prozess vor einem Bundesgericht in Fort Lauderdale in Florida benötigten die Geschworenen am Montag nur 75 Minuten, um den Ex-Chef der UBS-Vermögensverwaltung, Raoul Weil, für nicht schuldig zu befinden.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 54-Jährigen vorgeworfen, zwischen 2002 und 2007 rund 17.000 Amerikanern geholfen zu haben, Vermögen im Wert von 20 Milliarden Dollar auf Auslandskonten vor den Steuerbehörden zu verstecken. Er habe seine Untergebenen dazu aufgerufen, unerlaubte Geschäfte mit Amerikanern zu machen, um die Gewinne der Bank zu steigern, so die Anklage.

Die USA hatten Weil 2009 international zur Fahndung ausgeschrieben. Verhaftet wurde er am 19. Oktober 2013 in einem Nobelhotel in Bologna. Er hatte mit seiner Frau dort Urlaub gemacht. Fast zwei Monate verbrachte er in einem italienischen Gefängnis, dann wurde er an die USA ausgeliefert. Mitte Dezember kam der Schweizer gegen Kaution frei, durfte das Land aber nicht verlassen. Bei einer Verurteilung hätten ihm bis zu fünf Jahre Haft gedroht.

Seine Funktionen bei der Bank hatte Weil nach der Anklageerhebung niedergelegt. Die UBS selbst konnte sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer Strafverfolgung freikaufen.

Als der Freispruch für den ehemaligen Manager verkündet wurde, sprangen Weil und seine Anwälte im Gerichtssaal auf, Weils Ehefrau brach vor Freude in Tränen aus. "Dieser Fall hätte nie vor Gericht landen dürfen", sagte Weils Anwalt Matthew Menchel.

Erst am Freitag hatte ein US-Gericht einen früheren Top-Manager einer israelischen Bank in einem ähnlichen Fall freigesprochen.

vet/Reuters/AP



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insgesamt 10 Beiträge
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raber 04.11.2014
1. Wieder ein Banker frei
Gesetze brechen und freikommen. Mit welcher Begründung musste er nicht mehr Jahre im Gefängnis verbringen? Zwar hat die Bank einiges gezahlt, aber wenn 20 Milliarden versteckt wurden haben sie während der ganzen Jahre bestimmt mehr als 780 Millionen Dollar Gewinn daraus gemacht. Das sind weniger als 4% in einem Jahr. Die Banker müssten viel länger im Gefängnis landen weil sie diese Gesetzesverletzungen verursachen. Die Chefs von diesem Herrn Weil sollten auch Strafe zahlen und im Gefängnis hocken. Da alles so locker angegangen wird, werden sich diese und andere Fälle der Banken wiederholen.
Steve Holmes 04.11.2014
2. Was lange währt wird endlich gut
Schön das Raoul Weil nach dieser Hexenjagd doch noch Gerechtigkeit widerfährt. Die Verhaftung und Untersuchungshaft waren völlig unangemessen.
fxe1200 04.11.2014
3. Wäre toll gewesen...
...wenn man die Urteilsbegründung im Artikel hätte lesen können.
nofreemen 04.11.2014
4. Geschworenengericht - Amateure
Bankamateure haben entschieden das der Chef einer Abeiteilung nicht wissen muss was seine Untergebenen so treiben. Glück gehabt Hr. Weil. Sie sind frei aber nicht unschuldig.
observerlbg 04.11.2014
5. Und? Überraschend?
Wie soll man derartiges beweisen? In den Kreisen belasten sich die Beteiligten seltens gegenseitig (wie war das doch mit den Krähen?). Solange nichts schriftlich protokolliert wurden (wer ist in der Branche schon so doof?). Die U.S.-Finanzbehörden sind zwar gnadenlos, die U.S.-Justiz aber mitnichten blind ;-)
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