Steuerhinterziehung in den USA Der geheime Fahrstuhl der Credit Suisse

Geheime Dokumente in der Sportzeitung, Ansprache auf dem Golfplatz, ein Extralift: Wie ein Spionagethriller liest sich ein Bericht über Beihilfe der Credit Suisse zur Steuerhinterziehung in den USA. Bankchef Brady Dougan fällt es schwer, die James-Bond-Methoden zu erklären.

Credit-Suisse-Chef Dougan (2.v.l.) vor US-Senat: "Übernehmen Verantwortung"
AFP

Credit-Suisse-Chef Dougan (2.v.l.) vor US-Senat: "Übernehmen Verantwortung"


Washington - Brady Dougan hatte an diesem Mittwoch viel zu erklären. Der Chef der Credit Suisse trat vor den US-Senat, um Auskunft zu geben, wie und warum die Schweizer Großbank über Jahre hinweg Amerikanern systematisch half, ihre Steuern zu hinterziehen.

"Es ist uns meiner Meinung nach gelungen zu zeigen, dass die Credit Suisse Chart zeigen heute ein Geschäftsmodell verfolgt, das regelkonform ist und Zukunft hat", sagte Dougan. Heute, regelkonform, Zukunft. Dass das nicht immer so war, musste er zerknirscht zugeben. Zu viele Belege für ein systematisches Vorgehen der Banker haben die Ermittler des US-Justizministeriums zusammengetragen. Auf dem Höhepunkt des Geschäfts soll Credit Suisse im Jahr 2006 bis zu 13,5 Milliarden Dollar Kundengeld dem US-Fiskus vorenthalten haben.

So weit liegt die Bank noch im Rahmen der Wettbewerber. Für diesen Streit hat sie bereits Hunderte Millionen Franken zurückgelegt. Dougan appellierte an die Parlamentarier, das 2009 ausgehandelte Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den USA zu unterzeichnen. Dann könnten die Amerikaner "mehrere tausend" Daten ihrer Bürger bekommen, die die Bank gerne liefern würde.

Doch der Bericht des Senats (hier als PDF) liefert auf 180 Seiten so viele Details, die zeigen, dass die Banker - ohne Wissen des Vorstands, wie Dougan betont - nicht nur systematisch gegen das Gesetz handelten, sondern dazu noch Methoden verwendeten, die auf eine geradezu diebische Lust am Versteckspiel schließen lassen.

Das Nummernkonto als "Dinosaurier"

Die Banker sprachen ihre Kunden auf Golfplätzen in Florida oder auf einem "Schweizer Ball" an, ob sie nicht in den Alpen der Steuer entgehen möchten.

Sie richteten am Zürcher Flughafen eine eigene Filiale ein, um die Kunden fern der Aufsicht und der eigenen Konzernrevision zu betreuen. Dort gab es sogar einen versteckten, ferngesteuerten Fahrstuhl, um die Kunden zu ihren Privatbankiers zu führen - wohl mit noch brisanteren Gesprächen als denen im Lift von Goldman Sachs Chart zeigen.

Mitunter wurden Dokumente der Bank auch in eine Sportzeitung eingewickelt beim Frühstück im Hotel übergeben. Was kein Dritter lesen durfte, wurde natürlich geschreddert.

Im Vergleich dazu erscheint fast schon banal, dass die Bank laut den Ermittlern auch falsche US-Visaanträge stellte, Scheingesellschaften in Steueroasen einrichtete und dann auch noch die Geschäftszahlen der Private-Banking-Sparte aufblies.

Matt Levine, selbst ein ehemaliger Investmentbanker, bemerkt auf Bloomberg View, dass die Credit-Suisse-Banker selbst, als sie noch 2008 für die Schweizer Nummernkonten warben, dieses Instrument als "Dinosaurier" bezeichneten. Levine fragt, wofür die Kunden im Zeitalter des Online-Bankings derartige Mühen mit mehreren Interkontinentalflügen für Bargeld auf sich nehmen. "Das hat etwas von James-Bond-Stil. Aber das kann doch nicht die Zukunft der Steuerhinterziehung sein?"

Im Vergleich zu "cleveren, undurchsichtigen, wahrscheinlich legalen Methoden", den Fiskus zu umgehen, dürfte dieses "alberne" Versteckspiel der Vergangenheit angehören. Damit müssen sich die Politiker von leicht zu bestimmenden Schuldigen verabschieden. Und von Untersuchungsberichten mit hohem Unterhaltungswert.

mmo/ak



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
peterbond0815 27.02.2014
1. Verlogenheit
Zitat von sysopAFPGeheime Dokumente in der Sportzeitung, Ansprache auf dem Golfplatz, ein Extralift: Wie ein Spionagethriller liest sich ein Bericht über Beihilfe der Credit Suisse zur Steuerhinterziehung in den USA. Bankchef Brady Dougan fällt es schwer, die James-Bond-Methoden zu erklären. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/steuerhinterziehung-in-den-usa-bericht-ueber-credit-suisse-methoden-a-956088.html
So viel zu den Argumenten unserer geschundenen "Elite" sowie den Schweizer Banken, die Steuerhinterziehung in Deutschland werden den Bürgern wegen der horrenden Steuersätze doch quasi "aufgezwungen". Warum dann in den USA, ich dachte da ist alles besser und die Staatsquote/Steuern wesentlich niedriger? Ich sage, selbst wenn wir hier nur 10% Steuern erheben würden, gäbe es so manchen Gierlappen der versuchen würde, diese zu hinterziehen. Widerlich!
dreamsleep 27.02.2014
2.
Sind das die Herren, die Europa sich laut David Böcking zum Vorbild machen sollte? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekonomen-empfehlen-eu-die-schweiz-als-vorbild-a-955821.html
Atheist_Crusader 27.02.2014
3.
Zitat von peterbond0815So viel zu den Argumenten unserer geschundenen "Elite" sowie den Schweizer Banken, die Steuerhinterziehung in Deutschland werden den Bürgern wegen der horrenden Steuersätze doch quasi "aufgezwungen". Warum dann in den USA, ich dachte da ist alles besser und die Staatsquote/Steuern wesentlich niedriger? Ich sage, selbst wenn wir hier nur 10% Steuern erheben würden, gäbe es so manchen Gierlappen der versuchen würde, diese zu hinterziehen. Widerlich!
"Den Bürgern" wird sowieso nichts aufgezwungen. Der einfache Bürger hat doch meist gar nicht das Geld über, um in nennenswertem Maße irgendwas hinterziehen zu können. Hinterziehen tun nur die, die sowieso mehr Kohle haben als der Durchschnitt. Selbst Leute, die Millionen verdienen und dann ungenutzt auf dem Konto verstauben lassen oder sich das achte Ferienhaus kaufen. Je mehr man hat, desto weniger reicht es.
anbue 27.02.2014
4. ?
" Auf dem Höhepunkt des Geschäfts soll Credit Suisse im Jahr 2006 bis zu 13,5 Milliarden Dollar Kundengeld dem US-Fiskus vorenthalten haben. So weit liegt die Bank noch im Rahmen der Wettbewerber. Für diesen Streit hat sie bereits Hunderte Millionen Franken zurückgelegt." 13,5 Milliarden und hunderte Millionen, ich krieg´ die Zahlen nicht passend.
bresson1 27.02.2014
5. in Abwandlung der Nuland-schen Äußerung: f*ck Delaware ? !!
Zitat von sysopAFPGeheime Dokumente in der Sportzeitung, Ansprache auf dem Golfplatz, ein Extralift: Wie ein Spionagethriller liest sich ein Bericht über Beihilfe der Credit Suisse zur Steuerhinterziehung in den USA. Bankchef Brady Dougan fällt es schwer, die James-Bond-Methoden zu erklären. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/steuerhinterziehung-in-den-usa-bericht-ueber-credit-suisse-methoden-a-956088.html
Ist wirklich nett, dass man sich in den USA über die kriminellen Methoden der Schweizer Banken aufregt, aber es darf schon gesagt werden, dass in den USA selbst auch jede Menge im Argen liegt! Oder : in Abwandlung der Nuland-schen Äußerung von vor 4 Wochen: f*ck Delaware ? !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.