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Steuertricks: Google schiebt neun Milliarden Euro auf die Bermudas

Google-Zentrale in den USA: Die Auslandsgewinne laufen über die Bermudas Zur Großansicht
dpa

Google-Zentrale in den USA: Die Auslandsgewinne laufen über die Bermudas

Aller Kritik zum Trotz schiebt der Internetkonzern Google offenbar riesige Geldbeträge ins Steuerparadies Bermudas. Wie die "Financial Times" berichtet, sollen es allein im vergangenen Jahr knapp neun Milliarden Euro gewesen sein - 25 Prozent mehr als noch 2011.

Hamburg/London - Google nutzt laut einem Zeitungsbericht weiter massiv Steuertricks. So soll der Konzern allein im vergangenen Jahr Lizenzeinnahmen in Höhe von 8,8 Milliarden Euro auf die Bermudas geleitet haben, um Steuerzahlungen zu vermeiden. Wie die "Financial Times" weiter berichtet, habe der Konzern seinen durchschnittlichen Steuersatz im Ausland damit auf rund fünf Prozent gesenkt.

Die Zeitung beruft sich dabei auf einen aktuellen Finanzbericht einer niederländischen Google-Tochter. Demnach hätten sich die Zuflüsse aus Lizenzgebühren auf die Bermudas in den vergangenen drei Jahren verdoppelt - eine Folge des zunehmenden Geschäfts.

Google nutzt seit Jahren Steuerschlupflöcher, um seine Abgabenlast gering zu halten. So werden die Gewinne aus dem Auslandsgeschäft zum größten Teil im Niedrigsteuerland Irland verbucht - und von dort auf die Bermudas weitergeleitet. Zwischendurch fließt das Geld in diesem komplizierten Steuergeflecht auch in die Niederlande - der Trick ist deshalb auch unter dem Namen "Double Irish with a Dutch Sandwich" bekannt (siehe Grafik).

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SPIEGEL ONLINE

Erst im vergangenen Sommer hatten die G-20-Staaten angekündigt, solche Steuertricks künftig stärker zu bekämpfen. Bisher ist daraus allerdings nicht viel geworden.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte Google auf den Bermudas bereits im vergangenen Jahr rund 25 Milliarden Dollar an weitgehend steuerfreien Gewinnen gehortet. Die Google-Führung hat damit offenbar kein Problem: "Ich bin sehr stolz auf die Struktur, die wir geschaffen haben", hat Konzernchef Eric Schmidt einmal über das umstrittene Steuersparmodell des Suchmaschinenkonzerns gesagt. "Das nennt man Kapitalismus."

stk

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1.
glen13 11.10.2013
Zitat von sysopdpaAller Kritik zum Trotz schiebt der Internetkonzern Google offenbar riesige Geldbeträge ins Steuerparadies Bermudas. Wie die "Financial Times" berichtet, sollen es allein im vergangenen Jahr knapp neun Milliarden Dollar gewesen sein - 25 Prozent mehr als noch 2011. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/steuertricks-google-schiebt-milliarden-dollar-auf-die-bermudas-a-927338.html
Ein Freund von mir wird mit seiner 2 Mann Firma gnadenlos vom Finanzamt verfolgt. Es geht um seine Existenz. Interessiert niemanden. Das gesamte Steuersystem ist für die großen Firmen und für Leute gemacht, die sich die besten Steuerberater leisten können. Deshalb ist auch niemand an einer einfachen Steuerlösung interessiert. Dieses System ist so korrupt.
2. "Das nennt man Kapitalismus."
sapereaude! 11.10.2013
Diesem Zitat des Herrn Eric Schmidt ist nichts hinzuzufügen. Es ist das legitime Interesse eines Unternehmens, seinen Gewinn zu maximieren. Und solange die Gesetzgeber solche Sparmodelle erlauben, darf man einem Unternehmen auch nichts vorwerfen. Alle, die Google und Co wegen solcher Geschäftspraxen kritisieren, sollten sich fragen, was sie für eine entsprechende Änderung der Gesetze getan haben. In der Regel wird die Antwort "Nichts." lauten.
3. Wenn die Politik es möglich macht...
rainer_humbug 11.10.2013
Zitat von sysopdpaAller Kritik zum Trotz schiebt der Internetkonzern Google offenbar riesige Geldbeträge ins Steuerparadies Bermudas. Wie die "Financial Times" berichtet, sollen es allein im vergangenen Jahr knapp neun Milliarden Dollar gewesen sein - 25 Prozent mehr als noch 2011. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/steuertricks-google-schiebt-milliarden-dollar-auf-die-bermudas-a-927338.html
... wäre Google ja ziemlich plöde, dies nicht zu nutzen. Ich würde auch alle legalen Schlupflöcher nutzen, gäbe es denn welche für uns normale Arbeitssklaven. Aber die Politik sieht nunmal vor, dass wir zahlen und nicht diejenigen, die an uns verdienen. Google ausgerechnet wegen Steuern zu kritisieren, wo es doch tatsächlich ein internationales Unternehmen ist, dass hauptsächlich mit virtuellen Gütern sein Geld verdient, finde ich falsch. Alle Großkonzerne handeln so, auch wenn man ansonsten von regionaler Politik, sprich Lohndumping et cetera profitiert. Und gerade dort braucht man bei Google gar nicht zu suchen, bei Durchschnittsgehältern von 100k+
4.
LK1 11.10.2013
Zitat von sysopdpaAller Kritik zum Trotz schiebt der Internetkonzern Google offenbar riesige Geldbeträge ins Steuerparadies Bermudas. Wie die "Financial Times" berichtet, sollen es allein im vergangenen Jahr knapp neun Milliarden Dollar gewesen sein - 25 Prozent mehr als noch 2011. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/steuertricks-google-schiebt-milliarden-dollar-auf-die-bermudas-a-927338.html
Es ist möglich, es ist legal, es könnte längst anders sein. Google kennt als Unternehmen nur betriebswirtschaftliche Erfordernisse, die Spielregeln dazu muss die Politik zum Wohle einer funktionierenden Gesellschaft gestalten (wollen). Und da hapert's erfahrungsgemäss.
5. Es heisst immer,
wiedumirsoichdir 11.10.2013
der Schweiz geht nur wegen der nichtversteuerten Gelder gut. Von den in Delaware, eben auch auf den Bermudas gebunkerten Geldern spricht keiner, es brächte diesen Ländern den guten Wohlstand. Bitte Gleiches mit Gleichem betrachten. Schlupflöcher müssten von den Regierungen gestopft werden, damit solche Verschiebungen nicht stattfinden können. Deutschland muss sich da auch an der Nase nehmen.
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