Geräteverschleiß Warentester finden keine Belege für geplanten Produkttod

Hersteller beschleunigen gezielt den Verschleiß ihrer Produkte - dieser Verdacht steht schon länger im Raum. Doch selbst die Stiftung Warentest konnte keine Belege finden. Dafür gab es interessante Antworten von Kundendiensten und von Konsumenten.

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Staubsauger bei der Stiftung Warentest: "Nicht schneller und nicht häufiger kaputt"
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Staubsauger bei der Stiftung Warentest: "Nicht schneller und nicht häufiger kaputt"


Berlin - Das Verb obsolescere ist lateinisch und bedeutet veralten oder sich abnutzen. Davon leitet sich die "geplante Obsoleszenz" ab, eine brisante Theorie zu den Verkaufsstrategien von Unternehmen. Demnach verkürzen diese absichtlich die Lebensdauer ihrer Produkte, um den Kunden möglichst bald neue verkaufen zu können.

Der Verdacht steht schon länger im Raum. Vertreter der Obsoleszenz-Theorie berufen sich auf das Phoebus-Kartell von Glühlampenherstellern, die im Jahr 1924 vereinbarten, die Brenndauer der Birnen auf 1000 Stunden zu begrenzen. In Deutschland gab kürzlich das Umweltbundesamt eine Studie zu dem Thema in Auftrag, im Frühjahr wurde die Diskussion bereits durch ein Gutachten im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion angefacht. Die Autoren nannten viele Anhaltspunkte dafür, dass Produkte schneller kaputtgehen als sie müssten - vor allem weil minderwertige Teile verbaut werden. Dass dies aber gezielt zur Förderung des vorzeitigen Verschleißes geschehe sei "sehr schwer nachweisbar".

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt nun auch die Stiftung Warentest. Laut der September-Ausgabe der Zeitschrift "test" fehlt "der Nachweis, dass Hersteller den Murks gezielt zusammenbauen, um Verbraucher übers Ohr zu hauen. Auch die Testergebnisse der Stiftung Warentest liefern dafür bisher keine Hinweise".

Bei dieser Aussage stützen sich die Verbraucherschützer auf Dauertests, mit denen sie bei Geräten wie Waschmaschinen und Staubsaugern die Haltbarkeit prüfen. Immer wieder gehen Geräte dabei frühzeitig kaputt. Allerdings zeige eine Auswertung der Tests aus den vergangenen zehn Jahren keinen zunehmenden Trend. "Insbesondere Haushaltsgeräte gehen heute nicht schneller und nicht häufiger kaputt als früher."

Auch wenn gezielter Produkttod damit weiter unbewiesen bleibt: Die Tester kommen zu dem Schluss, dass der Verschleiß zumindest bewusst in Kauf genommen wird. So würden Ingenieure bei der Konstruktion durchaus eine bestimmte Gebrauchsdauer einplanen und dementsprechend mehr oder weniger hochwertige Teile verwenden. Deshalb gelte im Allgemeinen: "Je robuster etwas sein soll, desto teurer ist es." Bei billigeren Geräten werden zum Teil absurd kurze Gebrauchsdauern eingeplant. So nannte der Hersteller Superior in einer Anleitung für einen Stabmixer eine maximale Betriebsdauer von 15 Sekunden.

Vielsagend sind auch die Antworten von Kundendiensten, aus denen "test" zitiert. So habe der Elektrohersteller Braun einem Kunden mitgeteilt, der Akku seiner defekten elektrischen Zahnbürste sei trotz eines Preises von 150 Euro auf etwa drei Jahre ausgelegt - mit einer täglichen Nutzung von gerade einmal vier Minuten. Ein Servicemitarbeiter des Handyherstellers HTC informierte der Zeitschrift zufolge einen Kunden, das Unternehmen produziere Smartphones "von der Halbwertszeit für einen 2-Jahres-Rhythmus". Beide Unternehmen wollten diese Angaben nicht bestätigen.

Bislang scheint die Kalkulation der Unternehmen auch deshalb aufzugehen, weil viele Kunden nach recht kurzer Zeit ohnehin neue Produkte wollen. Bei einer repräsentativen Online-Umfrage der Stiftung Warentest gaben 42 Prozent der Befragten an, innerhalb von zwei Jahren ein neues Handy zu kaufen, innerhalb von drei Jahren waren es sogar 58 Prozent. Der am häufigsten genannte Grund war keineswegs Verschleiß: 40 Prozent sagten, das alte Gerät funktioniere noch, das neue sei jedoch schlicht besser.

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insgesamt 250 Beiträge
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Seite 1
mimija 29.08.2013
1. Ich habe da andere Erfahrungen!
ZB bei Kfz-Klimaanlagen wurden bis vor einigen Jahren Kopferwärmetauscher verbaut. Seit einigen Jahren werden jedoch Aluminiumwärmetauscher verbaut, was dazu führt, dass bereits nach 3-4 Jahren die Lamellen des Wärmetauschers marode sind, weil das Material korrodiert ist! Kosten: zwischen €400 und € 1.000! Kundenfreundlich ist das nicht!
orthos 29.08.2013
2. Der Produkt-Tod ist nicht geplant!
Der Produkt-Tod ist nicht geplant! Natürlich nicht. Das kostet nur Geld. Der Produkt-Tod wird einfach in Kauf genommen, solange damit etwas gespart werden kann. Deswegen werden minderwertige Bauteile verwendet. "Dafür stehe ich mit meinem Namen"zählt nicht mehr...
uachtaran 29.08.2013
3. Der
Den wahren Hauptgrund für die (angeblich geplant) kurze Lebensdauer einiger Geräte liefert der Artikel am Ende: „Bislang scheint die Kalkulation der Unternehmen auch deshalb aufzugehen, weil viele Kunden nach recht kurzer Zeit ohnehin neue Produkte wollen. Bei einer repräsentativen Onlineumfrage der Stiftung Warentest gaben 42 Prozent der Befragten an, innerhalb von zwei Jahren ein neues Handy zu kaufen, innerhalb von drei Jahren waren es sogar 58 Prozent. Der am häufigsten genannte Grund war keineswegs Verschleiß: 40 Prozent sagten, das alte Gerät funktioniere noch, das neue sei jedoch schlicht besser.“ Nun, also: Wenn das so ist, warum sollten die Gerätehersteller heute Geld dafür investieren, damit die Geräte wie anno dunnemals unter Max Grundig 40 Jahre halten? Die stehen im Wettbewerb, und da wäre das wirtschaftlicher Selbstmord. Also hört auf zu jammern. Entweder, man macht Kapitalismus und lebt mit den Folgen, oder man lässt es. (Davon abgesehen "können" die Geräte heute auch einfach mehr, aber das erwähnt auch keiner - man will sich ja die schön einfache Theorie einer Verschwörung der Hersteller nicht kaputt machen: Fernseher können heute auch Videorecorder, Internet, Radio und Videothek, und Autos sind längst fahrbare Wohnzimmer mit maximalem Komfort. Und wo viel "dran", also eingebaut ist, da kann auch viel kaputtgehen.)
Rollerfahrer 29.08.2013
4. Nun, das war zu erwarten...
... denn wie soll ein solcher Nachweis auch aussehen? Daß Bau und Entwicklung von Konsumergeräten immer auf Profitmaximierung hinausläuft, sollte klar sein. Und daß das immer auf Kosten der Haltbarkeit geht ist schlicht logisch. Was fehlt ist die Verbraucher-Rückkopplung. Dabei ist das so einfach wenn man wirklich will: Es braucht dazu nur eine öffentliche Datenbank, in die jeder seine Reparaturen einstellt und einen auswertenden Zugriff darauf hat.. Dann regelt sich die Qualität letztlich von ganz alleine. Ich würde dazu gerne einige Euros beisteuern, denn die machen sich schnell bezahlt, und das Preis/Qualitätsverhältnis wird schnell sichtbar.
wqa 29.08.2013
5. Zahnbürste
"So habe der Elektrohersteller Braun einem Kunden mitgeteilt, der Akku seiner defekten elektrischen Zahnbürste sei trotz eines Preises von 150 Euro auf etwa drei Jahre ausgelegt" Genau dieses Problem hatte ich auch. Ich habe die Bürste dann aufgesägt und einen AA Akku, den es an jeder Ecke für 2,50 Euro gibt, vorgefunden. Seit dem kaufe ich nichts mehr von dieser Firma.
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