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Stopp-Loss-Mechanik: Wie Verlustangst von Anlegern Kurse in den Keller schickt

Händler an Frankfurter Börse: Doppelter Verstärkereffekt Zur Großansicht
DPA

Händler an Frankfurter Börse: Doppelter Verstärkereffekt

Wenn Kurse an den Börsen deutlich fallen, ist oft von der Stopp-Loss-Mechanik die Rede. Sie bedeutet, dass die Verlustangst von Anlegern den Kursverfall beschleunigt. Doch wie funktioniert das?

Hamburg - Sogenannte Stopp-Loss-Aufträge sollen Verluste begrenzen - wie es ihr umgangssprachlicher Name ausdrückt -, indem Wertpapiere verkauft werden, sobald sie einen bestimmten Kurs unterschreiten.

Ein Anleger hält zum Beispiel Aktien des Industriekonzerns Siemens zum Kurs von 94 Euro. Nun erteilt der Anleger einen Stopp-Loss-Auftrag und definiert dazu eine Kursgrenze, in unserem Beispiel bei 90 Euro. Fällt die Siemens-Aktie künftig auf oder unter diesen Wert, werden die Papiere automatisch verkauft.

Selbstverständlich können derartige Aufträge nicht nur für Aktien, sondern für alle börsennotierten Werte wie Devisen oder Rohstoffe erteilt werden.

Stopp-Loss-Aufträge können spürbare Auswirkungen auf die Kursentwicklung haben, wenn sie von vielen Anlegern erteilt werden. Konkret führen sie dann zu einer Verstärkung der Kursverluste. Bei der sogenannten Stopp-Loss-Mechanik kommt es zu einem doppelten Verstärkereffekt:

  • Viele Anleger tendieren dazu, die gleichen, "runden" Kursgrenzen zu setzen - in unserem Beispiel mit der Siemens-Aktie also bei 90,00 Euro und nicht bei 90,02 Euro oder 89,66 Euro. Das führt dazu, dass plötzlich viele Siemens-Aktien feilgeboten werden, wenn ihr Wert 90 Euro unterschreitet. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage verlieren die Papiere weiter - und noch schneller - an Wert.

  • Unterschreitet der Aktienkurs dadurch die nächste "runde" Kursgrenze - in unserem Beispiel etwa dann, wenn die Siemens-Aktie unter die Marke von 89,50 Euro sinkt -, wird die nächste Welle an Stopp-Loss-Aufträgen ausgelöst. Dies kann zu weiteren Kursverlusten führen.

Diese doppelte Verstärkung führt in der Praxis allerdings kaum zu einem Kurssturz ins Bodenlose - denn es gibt auch das Pendant zu Stopp-Loss-Aufträgen, nämlich limitierte Kaufaufträge. Anleger erteilen sie, um Aktien zu kaufen, sobald ihr Wert einen bestimmten Wert unterschreitet. Wenn in unserem Beispiel mit den Siemens-Aktien etwa für die Marke von 89,50 Euro genau so viele Stopp-Loss- wie limitierte Kaufaufträge vorlägen, würde sich ihr Effekt auf die Kursentwicklung neutralisieren.

fdi

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