Negativzinsen Bundesbank-Vorstand sorgt sich um deutsche Sparkultur

Macht das Beispiel einer Bank, Negativzinsen zu erheben, demnächst Schule? Hoffentlich nicht, sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Das wäre schlecht für die Sparkultur in Deutschland.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret: "Negativ für die Sparkultur"
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Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret: "Negativ für die Sparkultur"


Mainz - Bei der Skatbank sind die Schranken für Strafzinsen gefallen, nun könnten weitere folgen. Das befürchtet Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret und warnt die deutschen Geldinstitute vor der Einführung von Strafzinsen auf Spar- oder Girokonten. Verbraucher damit zu schrecken, wäre "negativ für die Sparkultur", sagte Dombret auf einer Tagung zur Bankenaufsicht am Montag in Mainz.

Die Entscheidung darüber liege aber bei jeder Bank allein, sagte er weiter. Grundsätzlich gebe es auch für Verbraucher kein Recht auf positive Zinsen. "Die Aufsicht wird sich hier nicht einmischen", betonte Dombret. Ob und für welche Beträge deutsche Institute die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verlangten Strafzinsen an die Kunden weiterreichten, sei aber völlig unklar.

Die genossenschaftliche Deutsche Skatbank hatte ein Tabu gebrochen. Sie verlangt seit Samstag für Tagesgelder über mehr als 500.000 Euro einen Strafzins von 0,25 Prozent, sieht davon aber Privatkunden kaum betroffen.

Deutsche-Bank-Manager Asoka Wöhrmann glaubt, dass das Beispiel trotz aller Warnungen der Bankenverbände Schule machen wird. "Das dürfte angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bald keine Seltenheit mehr sein", sagte Wöhrmann der "Welt am Sonntag". "Dann wird hoffentlich jedem klar, dass es sich nicht lohnt, immer mehr Geld auf Sparkonten herumliegen zu lassen."

yes/Reuters

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Bundeskanzler20XX 03.11.2014
1. LoL
Welcher Normalbürger hat bitte 500.000 Euro? Die Frage ist was sich daraus über die Zeit entwickelt. Wenn die EU so weiter macht, kann uns das aber so oder so egal sein, dann ist der Euro mitsamt der EU nur noch ein Teil der Geschichte in der es lauten wird: "Eine tolle Idee hatte man die dilettantisch umgesetzt."
Leserkwelle 03.11.2014
2. Auf Bundesbankvorstandsmitglieder hoert ohnehin
niemand mehr, weder das EZB-Direktorium und schon gar nicht die Banken. Und ob nicht bald auch Kleinsparer betroffen sein werden, wissen nur die Banken. Denn: Kleinvieh macht auch Mist! Was heisst eigentlich Sparkultur? Zählt dazu auch der schöne Weltspartag am 30. Oktober? Es gilt - wie schon damals auf Aktionäre gezielt: "Sparer sind dumm und frech. Dumm, weil sie ihr Geld anderen Leuten ohne ausreichende Kontrolle anvertrauen und frech, weil sie Zinsen fordern, also für ihre Dummheit auch noch belohnt werden wollen." (Bankier Carl Fürstenberg). Passt auch heute noch. Konsequenz: Auflösung aller eigenen Konten, Abziehen der Einlagen, Begleichung von Rechnungen nur mit Cash. Nur: Wer wird sich die Mühe machen und den Banken die Macht der Kunden demonstrieren? Das Volk ist leider zu bequem und gutgläubig. Euroshima wird kommen!
Bundesinnenminister 03.11.2014
3. Super Sache das.
Zinsen und Zineszins machen ein Wirtschaftssystem kaputt. Das wird ja auch immer wieder betont (Dirk Müller). Alles verfällt: Das Auto ist nach 6 Jahren erneuerungsbedürftig. Zum Frisör muss man auch wöchentlich, Die Brötchen sind irgendwann aufgegessen oder vergammeln.... Nur das Geld, das wird nicht weniger sondern immer mehr. Und wenn man weiß, das Geldscheine eigentlich nur Schuldscheine sind bzw. die Summe des Geldes auf der Welt ist gleich der Summe der Schulden auf der Welt, dann weiß man auch, dass mehr Geld gleich mehr Schulden bedeutet. Das ist die Schere zwischen arm und reich, die auseinandergeht, weil die einen bekommen immer mehr Geld und die anderen mehr Schulden. Dies würde der Negativzins durchbrechen. Von mir aus auch ab dem ersten Euro. Würde bei mir eh nicht auffallen. Früher gabs 5 DM Kontoführungsgebühren, heute eben 30 Cent Negativzins. Ein Girokonto ist auch in erster Linie eine Serviceleistung. Jemand bewahrt halt unser Geld auf. Zum Sparen ist das nicht gedacht. Denn Geld arbeitet nicht, Menschen arbeiten. Und so ist es mit Zinsen. Da gibt es jemand, der arbeitet eben für meine Zinsen, also ohne Gegenwert Völlig absurd. Ich begrüße die Maßnahmen der Skatbank und wünsche, dass dem alle folgen.
gisela.schwan 03.11.2014
4. Sparen ist dumm
Schuldenmachen dagegen gut. Das ist das Mantra aller europäischen Institutionen der letzte Jahre - und da wundert sich noch jemand, dass sogar die Deutschen es irgendwann kapieren? EZB und alle anderen Politiken werden prinzipiell nur zu Gunsten von Schuldnern formuliert und stets zu Ungunsten von Sparern. Wer schlau ist entfernt sein Guthaben so weit wie möglich vom Zugriff des sog. deutschen Staats und der EU. Die vom Ifo-Institut (Hans-Werner Sinn) erwartete massive Kapitalflucht aus dem sozialistischen EU-Raum hat gerade erst begonnen. Am Ende werden Kapitalbeschränkungen und ganz am Ende sowieso eine Währungsreform stehen bei der dann wieder die Deutschen die Geschröpften sind. Wer das noch immer nicht sieht, der muss eben mit den Konsequenzen leben.
sme20 03.11.2014
5. Negativzins...
gibt es nicht innerhalb der Kapitalismuslehre. Erwartet ein potentieller Kapitalgeber bereits zum Anlagezeitpunkt Kapitalentwertung statt Kapitalzuwachs mttels Verzinsung, dann wird das Kapital gar nicht "investiert", sprich dem Markt überlassen. In einem solchen Marktumfeld wäre also "Horten" ertragsreicher als "Sparen". Das wissen auch die Banken. Worum geht es also bei dieser Scheindiskussion seit einer Woche? Ein Bedrohungsszenario für die Sparer mit Ihren Festgeldanlagen medial zu inszenieren, mit dem Ziel, diese Geldpostionen in den spekulativen Aktien- bzw. in den Lebensversicherungsmarkt zu lenken.
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