Verzicht auf Strafzinsen Commerzbank will Sparer nicht abkassieren

Minuszinsen aufs Geld? Das kann sich die Commerzbank nicht vorstellen. Das Unternehmen will Strafzinsen für Kreditinstitute nicht an Sparer weiterreichen.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Risiken reduzieren
REUTERS

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Risiken reduzieren


Frankfurt am Main - Die Commerzbank wirbt um das Vertrauen der Bankkunden. In den vergangenen Monaten sorgte das Institut wegen hoher Boni für die Führungsriege und angeblicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen für Schlagzeilen. Nun nimmt die Bank die Diskussion um mögliche Strafzinsen zum Anlass, um positiv bei den Kunden anzukommen. Die Botschaft: Spar- und Tagesgeldkonten will die Commerzbank nicht mit Minus-Zinsen belasten.

"Wir können uns negative Einlagezinsen für unsere Privat- und Firmenkunden nicht vorstellen", sagte Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels. Allerdings versuche die Bank, ihre Kunden von alternativen Produkten und Anlageformen zu überzeugen. Vor allem Firmenkunden seien dafür zunehmend zugänglich, so Engels.

Die EZB verlangt Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken. Europas Notenbanker hatten den Einlagenzins für Banken Anfang Juni auf minus 0,1 Prozent gesenkt und den Leitzins auf von 0,15 Prozent. Anfang September senkte die Zentralbank den Einlagesatz, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, weiter auf minus 0,2 Prozent und den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent.

Die Diskussion um Strafzinsen für Sparer hat an Fahrt aufgenommen. Der Chefanlagestratege der Deutschen Bank, Asoka Wöhrmann, warnte, dass negative Zinsen bald auch Einlagen von Privatkunden treffen könnten. Er forderte die Deutschen zudem auf, ihr Geld lieber auszugeben statt zu sparen.

Commerzbank vermeldet Zulauf von Kunden

Der teure Umbau der Commerzbank macht sich indes zunehmend bezahlt und schlägt sich in den Zahlen des Unternehmens nieder. Im dritten Quartal 2014 beschleunigte das teilverstaatlichte Institut seinen Aufwärtstrend und erwirtschaftete unter dem Strich 225 Millionen Euro Gewinn. Das ist dreimal so viel wie vor einem Jahr (75 Millionen Euro), wie Deutschlands zweitgrößte Bank mitteilte.

"Wir haben bereits zu einem frühen Zeitpunkt begonnen, unsere Risiken zu reduzieren und uns auf unser strikt kundenorientiertes Geschäft zu konzentrieren", sagte Finanzvorstand Engels.

Die Commerzbank Chart zeigen profitierte im dritten Quartal auch davon, dass sie weniger Geld für Problemkredite zurücklegen musste. Zudem machten sich Investitionen in die Filialen bezahlt. Das lange Zeit recht schwache Privatkundengeschäft entwickelt sich zunehmend zu einem Motor für den Dax-Konzern. Die Bank hatte sich vor rund zwei Jahren zum Ziel gesetzt, bis Ende 2016 eine Million neue Kunden zu gewinnen, mit 460.000 ist bereits fast die Hälfte erreicht. Die Privatkundensparte der Commerzbank zählt damit Unternehmensangaben zufolge inzwischen 11,5 Millionen Kunden.

bos/mmq/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
moritz1989 06.11.2014
1.
Irgendwie folgt das ganze doch einer simplen Logik. Wenn ich der Bank Geld geben muss damit sie mein Geld aufbewahrt, dann bewahre ich es doch lieber zuhause auf, oder? Klar, ist das bei 5 Millionen nicht ganz so einfach umzusetzen aber dann kauf ich eben 3 Mietshäuser. Kaum jemand wird doch wohl Geld der Bank geben, also wieso sollte die Bank versuchen den Kunden etwas zu berechnen was sowieso niemand zahlen würde?
Nian 06.11.2014
2. irgendwie Krank
Das könnte man fast als Aufruf zum Bankenrun bezeichnen, wenn nur 10% ihr Geld tatsächlich abheben würden, hätten die feinen Herren ein Problem. Was früher richtig war ist heute falsch, 1984 lässt grüßen.
archback 06.11.2014
3. Was soll das?
Weshalb "parkt" eine Bank ihr Geld bei der EZB und zahlt dafür Strafzinsen? Ist der Tresor voll? Ich dachte bisher, das Parken sei nur ein Verschieben einer Zahl von einer Festplatte zur anderen?
lupidus 06.11.2014
4.
Zitat von NianDas könnte man fast als Aufruf zum Bankenrun bezeichnen, wenn nur 10% ihr Geld tatsächlich abheben würden, hätten die feinen Herren ein Problem. Was früher richtig war ist heute falsch, 1984 lässt grüßen.
sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sie im gegensatz zu den "feinen herren" im falle eines bankrun keine probleme hätten ? wenn es dazu käme, würde uns die krise von 2008 wie ein kindergeburtstag vorkommen. man stelle sich mal die schlagzeile vor "mehrere deutsche banken zahlungsunfähig".
MTBer 06.11.2014
5. Da sich die meisten . . .
Zitat von archbackWeshalb "parkt" eine Bank ihr Geld bei der EZB und zahlt dafür Strafzinsen? Ist der Tresor voll? Ich dachte bisher, das Parken sei nur ein Verschieben einer Zahl von einer Festplatte zur anderen?
. . . Banken untereinander seit ein paar Jahren misstrauen, legen diese überschüssige Liquidität schon mal lieber zu einem Strafzins bei der EZB Einlagefazilität an, als es mit einem höheren Risiko einer anderen Geschäftsbank zu leihen.
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