Kriselnder Discounter Strauss Innovation steht vor der Insolvenz

Das Unternehmen macht das schlechte Wetter verantwortlich für seine Misere: Die Warenhauskette Strauss Innovation ist pleite. Jetzt wird an einem Sanierungsplan gearbeitet. Ob Mitarbeiter in den 96 Filialen ihre Jobs verlieren werden, ist noch unklar.

Strauss-Filiale in Düsseldorf: Rückzug unter den Schutzschirm
DPA

Strauss-Filiale in Düsseldorf: Rückzug unter den Schutzschirm


Langenfeld - Die Warenhauskette Strauss Innovation steht kurz vor der Insolvenz. Das Unternehmen habe am Donnerstag Antrag auf Eröffnung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt, sagte ein Gerichtssprecher. Eine Entscheidung des Gerichts stehe noch aus, könne aber in Kürze fallen.

Ziel des beantragten Schutzschirmverfahrens sei es, den Einrichtungs- und Bekleidungsdiscounter mit 96 Filialen und rund 1400 Beschäftigten wieder "auf eine gesunde Basis zu stellen", sagte ein Unternehmenssprecher. Es gelte nun in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern und einem vom Gericht beauftragten Sachverwalter, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. "Der Schutzschirm wurde für Unternehmen wie Strauss geschaffen, die über genügend Potential verfügen, sich aus einer Schieflage zu befreien", sagte Geschäftsführerin Paula Minowa.

Das Schutzschirmverfahren, erst seit knapp zwei Jahren in Kraft, ist eine Art Vorstufe zur Insolvenz. Es gibt Unternehmen, die noch nicht zahlungsunfähig sind, denen aber die Pleite droht, drei Monate Zeit, sich ohne Zugriff der Gläubiger zu sanieren. Nach Ablauf der drei Monate muss das Gericht über eine Insolvenz entscheiden, sofern das noch notwendig ist.

Grund für die Strauss-Misere ist dem Unternehmenssprecher zufolge die "ungünstige Wetterlage" der letzten Monate: Der lange Winter 2012 sowie der nur kurze heiße Sommer und der bis vor kurzem milde Winter hätten den Umsatz von Strauss "negativ beeinflusst". Insgesamt fielen die Umsätze im Textileinzelhandel im vergangenen Jahr durchschnittlich um zwei Prozent. Strauss habe sein Sortiment aber mehr als die Wettbewerber auf aktuelle Trends und die jeweilige Saison ausgerichtet, hieß es.

Ob Mitarbeiter ihre Jobs verlieren werden, wollte der Sprecher nicht sagen. Das sei zu diesem Zeitpunkt "reine Spekulation". Zunächst müsse die Umsetzung des Sanierungskonzepts abgewartet werden. Die Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden sollten so gering wie möglich bleiben.

Versuch der Verbesserung

Um sich aus der Schieflage zu befreien, habe Strauss bereits im vergangenen Jahr eine "Reihe von Maßnahmen getroffen", sagte der Sprecher: So gebe es Verbesserungen bei der Lieferkette und der Warenbefüllung in den Filialen. Außerdem sei ein neues Ladenkonzept zunächst in Berlin, Leipzig und Bergisch Gladbach eingeführt worden, das auf eine "deutlichere Gliederung" der Ladenlokale nach Themenbereichen wie Kleidung, Gartenmöbel und Hausrat abziele.

Die Geschäfte der 1902 in Düsseldorf als Kaufhaus gegründeten Warenhauskette bleiben dem Sprecher zufolge während des Schutzschirmverfahrens geöffnet. Garantie- und Gewährleistungsansprüche der Kunden bleiben demnach bestehen. Das Unternehmen gehört dem Finanzinvestor Sun Capital Partners.

aar/dpa/AFP

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insgesamt 56 Beiträge
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dashaeseken 30.01.2014
1. So groß können die Filialen ja nicht sein
wenn pro Laden 14 Leute in allen Bereichen zusammen beschäftigt sind, sprich Kassen,- und Verwaltungspersonal und sonstiges Personal, vermutlich in 2 Schichten
antitheist 30.01.2014
2. Da kann man jemanden nichts recht machen...
langer Winter - schlecht, milder Winter - schlecht, kurzer Sommer - schlecht. Wusste gar nicht, dass betriebswirtschftliche Grundlagen wetterabhängig sind.
stasilaus 30.01.2014
3.
Gestern war das Wetter auch Schuld an den mässigen Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Wetter bekommt neuerdings in der Ökonomie einen Rang wie früher zu rationalen Zeiten schlechte Managementarbeit. Davor war´s der liebe Gott. Dass heute das Wetter an allem schuld ist, kann man als glaubenstechnischen Fortschritt begreifen.
RainerCologne 30.01.2014
4. interessant
ich hatte letztens noch Rabattgutscheine im Briefkasten. Scheint wie bei Praktiker zu laufen, irgendwann hat man sich kaputt rabatiert.
kaphisch 30.01.2014
5. Unglaublich
Nach den 4 Feinden des Sozialismus stellen Frühling, Sommer, Herbst und Winter nun offensichtlich auch die 4 Feinde des Kapitalismus dar.
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