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20. Dezember 2014, 22:10 Uhr

Niederlage vor Gericht

Gewerkschaft unterbricht Streik bei Amazon für einen Tag

Der Streik bei Amazon wird am Sonntag für einen Tag ausgesetzt. Grund dafür ist eine Niederlage der Gewerkschaft Ver.di vor Gericht. Außerdem sollen sich Mitarbeiter trotz Streiks freiwillig für die Sonntagsarbeit gemeldet haben.

Bad Hersfeld - Die Gewerkschaft Ver.di will ihren Arbeitskampf beim Online-Versandhändler Amazon am Sonntag vorübergehend aussetzen. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste: In den Versandzentren im hessischen Bad Hersfeld und in Leipzig sei man mit dem Versuch gescheitert, gegen die dort geplante Sonntagsarbeit gerichtlich vorzugehen, sagte der Ver.di-Handelsexperte in Hessen, Bernhard Schiederig. Er sprach von einem "klaren Rechtsbruch" der Behörden, die die Genehmigung für die Sonntagsarbeit erteilt hätten.

Der zweite Grund: Laut Ver.di haben sich an den von Sonntagsarbeit betroffenen Standorten bereits Amazon-Mitarbeiter freiwillig für die Arbeit am vierten Advent gemeldet. Außerdem werde an zwei weiteren geplanten Streikorten sonntags ohnehin nicht gearbeitet, begründete Schiederig den streikfreien Tag. Am Montag solle der Arbeitskampf aber wie geplant fortgesetzt werden.

Eine Amazon-Sprecherin am deutschen Hauptsitz in München wollte sich nicht zu dem Rechtsstreit und auch nicht zur Frage äußern, wie viele Beschäftigte am Sonntag in Bad Hersfeld und Leipzig arbeiten werden. In dem seit 2013 laufenden Konflikt will Ver.di erzwingen, dass Amazon nach dem Einzelhandels- statt nach dem niedrigeren Logistiktarif zahlt.

Amazon verneinte jedoch erneut, dass es wegen der Streiks bei Auslieferungen zu Verspätungen komme: "Unsere Mitarbeiter sind stolz, daran mitzuwirken, dass die Kunden ihre Weihnachtspäckchen pünktlich bekommen", hieß es. Amazon setzt im Weihnachtsgeschäft in Deutschland eine Stammbelegschaft von 10.000 Beschäftigten sowie weitere 10.000 Saisonkräfte ein.

Am laufenden Streik beteiligen sich nach Amazon-Angaben etwa 2000 Mitarbeiter, Ver.di spricht von 2400. Allein in Bad Hersfeld sollen es in den letzten Tagen etwa 600 gewesen sein. Dort sagte eine Ver.di-Vertreterin, Amazon-Mitarbeiter berichteten von einem Rückstau an Bestellungen. Die Gewerkschaft erhalte auch E-Mails von Kunden, denen zufolge die Lieferzeiten länger sind als üblich.

Die Online-Ausgabe der "FAZ" veröffentlichte dagegen schon am Freitag eine nicht repräsentative Leserumfrage. Sie deutet darauf hin, dass Amazon tatsächlich in den meisten Fällen pünktlich liefern kann.

jbe/dpa

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