Niederlage vor Gericht Gewerkschaft unterbricht Streik bei Amazon für einen Tag

Der Streik bei Amazon wird am Sonntag für einen Tag ausgesetzt. Grund dafür ist eine Niederlage der Gewerkschaft Ver.di vor Gericht. Außerdem sollen sich Mitarbeiter trotz Streiks freiwillig für die Sonntagsarbeit gemeldet haben.

Amazon-Päckchen: Kunden merken einer Umfrage zufolge nicht viel vom Streik
DPA

Amazon-Päckchen: Kunden merken einer Umfrage zufolge nicht viel vom Streik


Bad Hersfeld - Die Gewerkschaft Ver.di will ihren Arbeitskampf beim Online-Versandhändler Amazon am Sonntag vorübergehend aussetzen. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste: In den Versandzentren im hessischen Bad Hersfeld und in Leipzig sei man mit dem Versuch gescheitert, gegen die dort geplante Sonntagsarbeit gerichtlich vorzugehen, sagte der Ver.di-Handelsexperte in Hessen, Bernhard Schiederig. Er sprach von einem "klaren Rechtsbruch" der Behörden, die die Genehmigung für die Sonntagsarbeit erteilt hätten.

Der zweite Grund: Laut Ver.di haben sich an den von Sonntagsarbeit betroffenen Standorten bereits Amazon-Mitarbeiter freiwillig für die Arbeit am vierten Advent gemeldet. Außerdem werde an zwei weiteren geplanten Streikorten sonntags ohnehin nicht gearbeitet, begründete Schiederig den streikfreien Tag. Am Montag solle der Arbeitskampf aber wie geplant fortgesetzt werden.

Eine Amazon-Sprecherin am deutschen Hauptsitz in München wollte sich nicht zu dem Rechtsstreit und auch nicht zur Frage äußern, wie viele Beschäftigte am Sonntag in Bad Hersfeld und Leipzig arbeiten werden. In dem seit 2013 laufenden Konflikt will Ver.di erzwingen, dass Amazon nach dem Einzelhandels- statt nach dem niedrigeren Logistiktarif zahlt.

Amazon verneinte jedoch erneut, dass es wegen der Streiks bei Auslieferungen zu Verspätungen komme: "Unsere Mitarbeiter sind stolz, daran mitzuwirken, dass die Kunden ihre Weihnachtspäckchen pünktlich bekommen", hieß es. Amazon setzt im Weihnachtsgeschäft in Deutschland eine Stammbelegschaft von 10.000 Beschäftigten sowie weitere 10.000 Saisonkräfte ein.

Am laufenden Streik beteiligen sich nach Amazon-Angaben etwa 2000 Mitarbeiter, Ver.di spricht von 2400. Allein in Bad Hersfeld sollen es in den letzten Tagen etwa 600 gewesen sein. Dort sagte eine Ver.di-Vertreterin, Amazon-Mitarbeiter berichteten von einem Rückstau an Bestellungen. Die Gewerkschaft erhalte auch E-Mails von Kunden, denen zufolge die Lieferzeiten länger sind als üblich.

Die Online-Ausgabe der "FAZ" veröffentlichte dagegen schon am Freitag eine nicht repräsentative Leserumfrage. Sie deutet darauf hin, dass Amazon tatsächlich in den meisten Fällen pünktlich liefern kann.

jbe/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
emmisa 20.12.2014
1. Saisonstreiker
Als Saisonstreiker kaufe ich nur bei glücklich ausgebeutetenden Freilauf Einzelhändlern ein. Frohe Weihnacht lieber Einzelhandel, die anderen wollen ja nur Logistiker sein:-)
Affenhirn 20.12.2014
2. Amazon ist ein Händler, kein Losgistiker
das ergibt sich schon daraus, dass Amazon die auf seinen Plattformen Ware anbietenden Händler stark kontrolliert. Und wenn eine Warengruppe interessant erscheint, dann ist - schwupps - ein Unternehmen da, das in dieser Warengruppe in großem Stil einsteigt. In der Regel ohne aussagekräftiges Impressum, so dass man nicht sehen kann wer genau dahinter steckt. Und wenn man Amazon darauf hinweist, dass da wieder ein Unternehmen in großem Stile anbietet, ohne ein Impressum, dann wird am Telefon heftig genickt, aber es passiert garnichts. Und die kleinen Händler werden aus dem Geschäft gedrängt.
pirx64 21.12.2014
3. Ja
Ja, auch ich habe pünktlich die Ware erhalten. Man kann zu Konzernen wie Amazon stehen wie man will, aber die Forderung des Einzelhandeltarifs, das ist irre. Die haben keinerlei Kundenkontakte, keine Beratung, nix. Nur pick-by-voice holen sie die Sachen aus dem Regal und rein in den Karton. Wenn die dort keinen Job bekommen hätten, wer weiß, von was die heute leben würden.
mischamai 21.12.2014
4. Peinlich
Diese ganzen Gewerkschaftshandlungen gehen immer mehr gegen die Menschen im Land.Wer hier noch die Kindergeschenke zu Weihnachten in Frage stellt sollte sich schämen mit seiner rücksichtslosen,verlogenen Haltung.solche Verbände sind kontraproduktiv und ekelhaft.Der ganze Unsinn gegen Amazon ist hochgespielt,hier sind oftmals ungelernte Kräfte die weitaus zufriedener mit ihrer Arbeit und den Bedingungen sind als diese peinliche Gewerkschaft hier anzeigt.
gollygee01 21.12.2014
5. Verdi hat sich verrannt
und weiss nun nicht mehr wie sie ohne Gesichtsverlust aus der Sackgasse, in die sie sich selbst hineinmanövriert hat, wieder herauskommen soll. In der Sache liegt Verdi von Anfang an daneben, Mitarbeiter melden sich freiwillig zur Arbeit, da kann die Not doch nicht so groß sein. Verdi geht es um die eigene Macht und um nichts anderes.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.