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Urabstimmung bei GDL: 91 Prozent dafür - Lokführer wollen Bahn bestreiken

Bei der Deutschen Bahn droht in Kürze ein neuer Ausstand. In einer Urabstimmung votierten die Mitglieder der Gewerkschaft GDL mit großer Mehrheit für neue Streiks. Nun ist auch ein unbefristeter Arbeitskampf möglich - allerdings frühestens kommende Woche.

Hamburg - Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn haben sich die Lokführer klar für einen Streik ausgesprochen. In einer Urabstimmung hätten 91 Prozent der rund 20.000 Mitglieder für weitere Arbeitsniederlegungen votiert, teilte die Lokführer-Gewerkschaft GDL mit. Für die Zustimmung zu weiteren Streiks waren 75 Prozent nötig.

Bis einschließlich Sonntag solle jedoch nicht gestreikt werden, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. "Wir werden nicht sofort mit mehrtägigen Streiks losschlagen. Wir werden uns Stück für Stück steigern." Das jüngste Tarifangebot der Bahn werde die GDL am Wochenende bewerten und dann am Montag dazu Stellung nehmen.

Die Bahn reagierte mit Unverständnis auf die Streikandrohung. Es habe vier Angebote an die GDL gegeben, die mit einer Einladung zu Gesprächen verknüpft gewesen seien. Diese hätten bislang nicht stattgefunden, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. "Wir können nur zu Ergebnissen kommen, wenn da ein Partner ist, mit dem wir sprechen können." Die GDL müsse erklären, warum sie nicht an den Verhandlungstisch komme und stattdessen zu Streiks aufrufe.

Die Gewerkschaft hatte die Verhandlungen in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt. Sie fordert für ihre Mitglieder fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Vor allem aber will sie künftig auch Zugbegleiter, Ausbilder und Disponenten vertreten. Das war ihr bis Ende Juni untersagt, so lange galt ein "Grundlagentarifvertrag", nach dem für diese Berufsgruppen allein die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zuständig war.

Die EVG wiederum will nun auch Zugführer vertreten. Die Bahn will eine solche Tarifkonkurrenz um einzelne Beschäftigte unbedingt vermeiden und dringt auf eine Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Gewerkschaften.

Anfang September hatten die Lokführer bereits zweimal für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt. Die Bahn versuchte vergeblich, den Arbeitskampf mit einem neuen Angebot noch abzuwenden. Sie schlug vor, die Verhandlungen auszusetzen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten.

Bürger zeigen Verständnis für Streiks

Die Bahn wirft der GDL-Führung vor, nicht an einer Einigung interessiert zu sein. Sollte das so bleiben, müsse "das gesetzlich geregelt werden", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube.

Die Bundesregierung bereitet derzeit ein Gesetz zur Tarifeinheit vor. Nach Worten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) soll künftig wieder das Prinzip "Ein Betrieb - ein Tarifvertrag" gelten. Diskutiert wird, in einem Betrieb nur den Tarifvertrag der mitgliederstärksten Gewerkschaft gelten zu lassen.

Ein Gesetz, das kleine Gewerkschaften vom Aushandeln von Tarifverträgen ausschließen würde, lehnen laut dem neuen ARD-Deutschlandtrend jedoch 54 Prozent der Befragten ab. 38 Prozent sehen es positiv. Zugleich äußerten 54 Prozent der Befragten Verständnis dafür, dass die Lokführer zur Durchsetzung ihrer Forderungen streiken. 41 Prozent äußerten sich kritisch.

Deutlich skeptischer sahen die Befragten die Streiks der Lufthansa-Piloten. In der Umfrage erklärten 54 Prozent, sie hätten dafür keinerlei Verständnis. 42 Prozent stehen einem Streik dagegen eher wohlwollend gegenüber. Bei einer Befragung im April hatten noch 55 Prozent der Befragten Verständnis für einen Streik der Lufthansa-Piloten geäußert.

dab/AFP/dpa/Reuters

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1. Die armen Lokführer
static2206 02.10.2014
sie fangen an zu streiken und keine wird den Unterschied zum Normalzustand bemerken.
2. Nicht schon wieder...
ulfderzweite 02.10.2014
Können diese Mini-Gewerkschaften nicht endlich mal reguliert werden? Dank GDL/Mehdorn Posse musste ich vor Jahren leider wieder aufs Auto umsteigen... Widerwillig ! :(
3. Super
Die_Physiker_ 02.10.2014
die Lokführer machen sich immer unbeliebter. Angenommen die Inflationszahlen stimmen. Warum fordert man dann überhaupt eine Gehaltserhöhung?
4. Nicht schon wieder...
ulfderzweite 02.10.2014
Können diese Mini-Gewerkschaften nicht endlich mal reguliert werden? Dank GDL/Mehdorn Posse musste ich vor Jahren leider wieder aufs Auto umsteigen... Widerwillig ! :(
5.
gruenertee 02.10.2014
Ich hab ja nichts gegen einen ordentlichen Streik. ABER bei der Bahn scheint das ein Normalzustand zu sein mit teils überdimensionierten Forderungen. Da wird das Bahnfahren als Alternative zum Autofahren weiter uninteressanter.
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