Tarifstreit Bahn- und Lufthansa-Kunden drohen neue Streiks

Passagiere von Deutscher Bahn und Lufthansa müssen sich erneut auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Sowohl Piloten- als auch Lokführer-Gewerkschaft kündigten baldige Streiks an.

Wartende in Leipzig (am 8. Oktober): "Streiks werden immer wahrscheinlicher"
DPA

Wartende in Leipzig (am 8. Oktober): "Streiks werden immer wahrscheinlicher"


Frankfurt am Main - Konkrete Termine gibt es noch nicht - aber bald schön könnten die Pläne vieler Reisender wegen Streiks wieder durcheinandergeraten. Die Gewerkschaften sowohl der Lokführer als auch der Piloten drohten am Montag mit zeitnahen Arbeitsniederlegungen.

Eine Sprecherin der Lokführergewerkschaft GDL sagte: "Streiks werden immer wahrscheinlicher." Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit: "In den nächsten Tagen ist mit Streiks zu rechnen." Die GDL werde "rechtzeitig" und Cockpit "am Vortag" darüber informieren, sagten die jeweiligen Sprecher.

In den beiden Tarifstreits hat sich in den vergangenen Tagen offenbar kaum etwas bewegt. Die Deutsche Bahn teilte am Montag zwar mit, es sei wichtig, dass beide Seiten "so bald wie möglich ohne Vorbedingungen über die Inhalte sprechen". Das Unternehmen habe einige Angebote und Varianten vorgelegt und sei sicher, dass es Anknüpfungspunkte geben könne.

Die GDL sieht das vollkommen anders: Von der Deutschen Bahn liege weiterhin kein neues Angebot vor, sagte die Sprecherin. Der Konzern verweigere zudem, mit der Gewerkschaft auch für das Zugpersonal Tarifverhandlungen zu führen. "Wenn nicht ein Wunder geschieht, die Bahn noch ein Angebot schickt oder Verhandlungen für das Zugpersonal zulässt, wird es sicherlich zu Streiks kommen."

Cockpit droht mit "deutlicherem Zeichen"

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Geld und eine zwei Stunden kürzere Wochenarbeitszeit. Sie will auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen sowie Disponenten verhandeln, die in den Leitzentralen Züge und Personal koordinieren. Daran scheiterten bislang die Verhandlungen. Erst in der vergangenen Woche hatte in der Nacht zum Mittwoch ein neunstündiger Streik der Lokführer den Bahnverkehr gelähmt und auch tagsüber noch zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen geführt.

Auch bei der Lufthansa Chart zeigen ist der Konflikt verhärtet. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisierte bei einer Branchentagung der Tourismuswirtschaft in Berlin, dass es in Deutschland keine einschränkenden Regeln für Streiks im "wichtigen Industriesektor Transport/Logistik/Tourismus" gebe.

Seit April hat die VC bereits in sechs Streikwellen mehr als 4300 Flüge mit rund 500 000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Der VC-Sprecher sagte, man sei gesprächsbereit, aber die Lufthansa bestehe auf Maximalforderungen im Konflikt um die Übergangsrente der Piloten. Nach dem Ausstand bei Lufthansa Cargo vergangene Woche, prüfe die Gewerkschaft, "ein deutlicheres Zeichen zu setzen".

fdi/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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parisien 13.10.2014
1. Keine Sympathien mehr
Die GDList eine Spartengewerkschaft, will aber nicht nur für die Lokführer verhandeln , sondern auch für andere Sparten / Berufsgruppen. Das muss sie aber mit diesen und den für sie zuständigen Gewerkschaften aushandeln und nicht versuchen, auf dem Rücken der Bahnkunden den eigenen Machtbereich zu erweitern. Das ist nicht Sinn des grundgesetzlich geschützten Rechts auf Streiks.
wauz 13.10.2014
2. Die GDL hat die Mehrheit hinter sich
Die GDL hat längst auch die Mehrheit der Zugbegleiter und des sonstigen Fahrpersonals organisiert. Die EvG besteht mehrheitlich aus Rentnern. Die GDL fordert also ganz zu Recht, die Verhandlungen für das ganze Fahrpersonal zu führen. Es steht auch zu hoffen, dass sie es mit Cockpit zusammen schaffen, den ganzen Fernverkehr lahm zu legen. Es ist an der Zeit, dass in Deutschland diese elende Kuscherei aufhört! Wie kommt es denn, dass ein so reiches Land so viele Arme hat? Das hat etwas mit den Spezialdemokraten vom DGB zu tun!
pirx64 13.10.2014
3. Und wieder
Und wieder drohen diese Typen mir eine schon vorab bezahlte Leistung (Monatskarte) zu verweigern. Kann man das nicht strafrechtlich verfolgen? Ergaunern von Geld ohne Gegenleistung?
leidernein 13.10.2014
4. Das Streikrecht
Wird verfassungsrechtlich nicht abgeschafft werden. Dennoch haben sich hier gleich zwei Arbeitgeber gefunden, die nahezu Streiks von ihren Gewerkschaften einfordern, um anschließend selbige beklagen zu können, wie hier im Artikel, wieder einmal, gezeigt. Vielleicht findet ja auch Frau Nahles noch ein paar nette Worte zur heißgeliebten Tarifeinheit, wissend, dass es jeglicher Ideologie ihrer Partei widerspricht.
mauricebln 13.10.2014
5. @pirx64
Strafrechtlich verfolgen? Was ist denn das für ein Quatsch. Zum Glück geht das auch gar nicht. Sie bekommen außerdem eine Erstattatung für die Tage, die sie die Zeitkarte nicht nutzen konnten. Also hören Sie mit dem Rumgeheule auf. Wenn in Ihrer Berufsgruppe gestreikt werden würde, wären Sie sicher ganz vorn dabei.
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