Streit mit Euro-Ländern IWF sieht riesige Kapitallücke bei Europas Banken

Wie schlecht steht es um Europas Banken? Im Streit um diese Frage legt der Internationale Währungsfonds jetzt nach: Bis zu 200 Milliarden Euro Kapital fehle den europäischen Geldhäusern, heißt es in einer Analyse. Die Euro-Länder sind erbost.

Frankfurter Banken-Skyline: Wie groß sind die Probleme wirklich?
DPA

Frankfurter Banken-Skyline: Wie groß sind die Probleme wirklich?


Hamburg/London - In den Bilanzen der europäischen Banken klaffen offenbar gigantische Löcher. Der Internationale Währungsfonds ( IWF) rechnet mit einer Kapitallücke bis zu 200 Milliarden Euro. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die britische Zeitung "Financial Times" ("FT"). Die "FT" beruft sich dabei auf den Entwurf für den regelmäßig erscheinenden Finanzstabilitätsbericht, der Ende September zum Herbsttreffen von IWF und Weltbank veröffentlicht werden soll.

Grund für die drohende Kapitalschwäche der Banken sind laut IWF die Staatsanleihen aus den europäischen Schuldenländern Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und Belgien. Die Geldhäuser hätten die Wertverluste dieser Anleihen noch nicht in ihren Bilanzen berücksichtigt. Würden sie die Papiere zu Marktpreisen bilanzieren, würde die Kapitaldecke der Banken um bis zu 200 Milliarden Euro schrumpfen. Dieser Betrag könne sich noch deutlich erhöhen, wenn man auch die Anleihen anderer Banken berücksichtige, die die Institute ebenfalls in ihren Bilanzen halten.

Die Zahlen aus dem Bericht leiten sich aus den aktuellen Preisen für Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen ab. Sie können bis zur Veröffentlichung zwar noch verändert werden - doch sie heizen die Diskussion um die Krisenanfälligkeit der europäischen Banken schon jetzt weiter an. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado kritisierte die IWF-Schätzung als "verzerrt". Die Institution habe nur potentielle Verluste untersucht und dabei deutsche Bundesanleihen ignoriert, deren Wert gestiegen sei, sagte Salgado der "FT".

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte sich am Wochenende dafür ausgesprochen, europäische Banken zu einer besseren Kapitalausstattung zu zwingen und war damit in Europa auf viel Kritik gestoßen.

Unter anderem hatte der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, Lagardes Darstellung zurückgewiesen. Auch ihr Nachfolger als französischer Finanzminister, François Baroin, sagte, es gebe keinen Grund, sich über die Gesundheit des Bankensektors in Frankreich Sorgen zu machen. Rückendeckung hatte Lagarde allerdings von der europäischen Bankenaufsicht EBA bekommen, die ebenfalls große Kapitallücken auf die Geldinstitute zukommen sieht.

Besser als ihre europäischen Konkurrenten stecken bisher die US-Banken offenbar die Schuldenkrise in Europa weg. Nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch sei es den amerikanischen Instituten gelungen, sich von den Problemen in der Euro-Zone abzuschotten, heißt es in einem Bericht der Agentur über die Finanzbranche. Sollte sich die Krise jedoch ausbreiten, könnten die US-Banken für die Risiken aus Europa anfälliger werden.

stk/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bernd Kuck 01.09.2011
1.
Zitat von sysopWie schlecht steht es um Europas Banken? Im Streit um diese Frage legt der Internationale Währungsfonds jetzt nach: Bis zur 200 Milliarden Euro Kapital fehle den europäischen Geldhäusern, heißt es in einer Analyse. Die Euro-Länder sind erbost. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,783713,00.html
So schlimm kann's garnicht sein, noch vor einigen Monaten hatte die Banken den Streßtest bestanden. Unglaublich wie der normale Bürger am Nasenring vorgeführt wird.
kdshp 01.09.2011
2. Kapital find ich gut!
Zitat von sysopWie schlecht steht es um Europas Banken? Im Streit um diese Frage legt der Internationale Währungsfonds jetzt nach: Bis zur 200 Milliarden Euro Kapital fehle den europäischen Geldhäusern, heißt es in einer Analyse. Die Euro-Länder sind erbost. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,783713,00.html
Hallo, ja sorry lieber IWF das wahr abzusehen weil die politik den banken soviel spielraum zugebilligt hat. UND wo lieber IWF wart ihr als die politik hier hier große fehler gemachthat UND was sagt ihr dazu das sich die politik immer noch da wirklich was zu machen sprich gesetze. PS In deutschland haften ja die bürger für die banken also in dem sinne ist ja geld da lieber IWF.
nataliadirks@gmail.com, 01.09.2011
3. Wo liegt das Problem?
Würden sie die Papiere zu Marktpreisen bilanzieren, würde die Kapitaldecke der Banken um bis zu 200 Milliarden Euro schrumpfen. Dieser Betrag könne sich noch deutlich erhöhen, wenn man auch die Anleihen anderer Banken berücksichtige, die die Institute ebenfalls in ihren Bilanzen halten. Hat das Deutsche Parlament nicht gerade für 211 MRD gebürgt? Na, da haben wir doch die Differenzsumme die den Banken fehlt schon verortet. Und wenn sich dieser Betrag nochmals deutlich erhöhen sollte, Pah! Dann schießt der Deutsche Steuerzahler gern noch ein wenig nach. Erst gings um Hunderte von Millionen, dann um Milliarden. Der einfachhalber, damit man nicht ins Schleudern kommt würde für den weiteren Sprachgebrauch die Berechnungen in Billionen vorschlagen. Also 0,211 Billionen z.B. Das klingt auch nicht so grausam wie etwa 211 Milliarden. Oder, Volumen des Rettungsschirm beläuft sich auf 0,78 Billionen, na das is ja nix!
mainzelmännchen 1 01.09.2011
4. In die Pleite muß man die dann entlassen...
...wie jeden anderen Betrieb auch, der schlecht gewirtschaftet hat. Und die überflüssigen Zentralbanken löst man am besten im gleichen Zug mit auf.
ronomi47 01.09.2011
5. Ideologiefreie Analyse fehlt bis heute
Die unselige Verquickung zwischen schuldenmachender Politik und ihrer Vernetzung mit halbstaatlichen und privaten Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungen. Wer jetzt einfach "lasst sie doch Pleite gehen" schreit, handelt entweder aus ideologischen Motiven oder weiss schlicht nichts über die komplexen Zusammenhänge unserer globalen Wirtschaftswelt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.