Walldorf/San Francisco - Die US-Justiz zieht SAP
zur Rechenschaft: Der deutsche Softwarekonzern muss wegen Industriespionage beim Wettbewerber Oracle
eine Strafzahlung von 20 Millionen US-Dollar leisten. Das zuständige Gericht habe einem entsprechenden Vergleich zwischen SAP und dem US-Justizministerium zugestimmt, sagte ein Unternehmenssprecher in Walldorf.
Der Konzern hatte die Verfehlungen seiner früheren Software-Wartungstochter TomorrowNow eingeräumt. Die Mitarbeiter der 2005 übernommenen TomorrowNow hatten im großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. Seit März 2005 sei in mindestens 6249 Fällen illegal Software kopiert worden, erklärte die Staatsanwaltschaft, die dem Walldorfer Mutterkonzern selbst keine Vorwürfe machte. Oracle klagte 2007, SAP machte TomorrowNow 2008 dicht.
SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Damit steuern Firmen ihre Geschäftsprozesse, etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung. Oracle-Chef Larry Ellisongab in den vergangenen Jahren dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus, um aufzuholen. Oracle ist die Nummer eins bei Datenbanken.
Für SAP könnte es allerdings noch deutlich teurer werden: Eine Entscheidung im entsprechenden Zivilprozess steht noch aus. Zuletzt hatte ein US-Gericht die im November verhängte Strafe von 1,3 Milliarden Dollar zwar gekippt und eine Entschädigungssumme von 272 Millionen Dollar als angemessen bezeichnet. Oracle muss diese Entscheidung allerdings nicht annehmen und kann den Prozess noch einmal aufrollen lassen.
Die ursprüngliche Strafe galt als die bisher höchste, die in einem Urheberrechtsprozess je festgelegt wurde. Oracle hatte im November erklärt, die Strafe sei eine Warnung, dass der Diebstahl geistigen Eigentums in Technologiefirmen nicht toleriert werde.
kra/AFP/dapd/dpa-AFX
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