Streit über Börsenverluste US-Fonds lassen Porsche abblitzen

Seit dem gescheiterten Übernahme-Angriff auf VW muss sich Porsche gegen Schadensersatzklagen von US-Investoren wehren. Die wollte der Sportwagenhersteller nun durch Zahlung einer niedrigen dreistelligen Millionensumme loswerden - doch die amerikanischen Fonds verlangen mehr.

Logos von Porsche und VW: Klagen ausgesetzt
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Logos von Porsche und VW: Klagen ausgesetzt


Hamburg - Der Stuttgarter Autokonzern Porsche SE ist im Rechtsstreit mit US-Investoren zu Zugeständnissen bereit. Das Unternehmen hat laut manager magazin einer Gruppe von Fonds eine Abfindung in niedriger dreistelliger Millionenhöhe angeboten.

Der Autokonzern habe die Offerte an die Bedingung geknüpft, dass die Investoren ihre in New York gegen Porsche gerichteten Schadensersatzklagen fallen lassen und auf mögliche neue Forderungen verzichten, heißt es in Konzernkreisen. Die Fonds machen vor Gericht einen Schaden in Höhe von mindestens einer Milliarde Dollar geltend. Sie lehnten das von der Kanzlei Sullivan & Cromwell übermittelte Porsche-Angebot als zu niedrig ab.

Porsche Chart zeigen hatte versucht, den deutlich größeren Konkurrenten VW Chart zeigen zu übernehmen, war damit aber 2009 gescheitert. Die US-Kläger werfen dem Unternehmen unter anderem vor, dabei an der Börse bewusst eine Panik ausgelöst und mit dem Verkauf von Aktienoptionen mehrere Milliarden Euro verdient zu haben. Den Anlegern habe Porsche so einen Schaden in Milliardenhöhe zugefügt.

Neue Schadensersatzforderungen gegen Porsche und Volkswagen

Nachdem die klagenden US-Fonds das Angebot aus Stuttgart abgelehnt hatten, reichten sie Ende Dezember auch in Deutschland eine Schadensersatzklage gegen Porsche ein. Mittlerweile legten sie sogar nach. Die Investoren forderten in einem Güteantrag rund zwei Milliarden Euro von der Volkswagen AG, berichtet das manager magazin.

Nach Informationen aus Finanzkreisen gingen gleichlautende Anträge auch an den VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, an Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sowie an das Oberhaupt der Porsche-Familie, Wolfgang Porsche. Die Fonds halten diese für mitverantwortlich an den erlittenen Börsenverlusten.

Auch Merckle fordert Multimillionensumme

Ebenfalls kurz vor Jahreswechsel hatten auch die Erben des Pharmaunternehmers Adolf Merckle Schadensersatzansprüche gegen Porsche geltend gemacht, berichtet das Magazin weiter. Sie stellten unter anderem über die von Merckle-Sohn Ludwig geführte Vermögensverwaltung HWO Antrag auf Eröffnung eines Güteverfahrens und verlangen vom dem Automobilkonzern rund 250 Millionen Euro.

Sollte Porsche die Güteanträge wie erwartet ablehnen, bleiben den Investoren noch sechs Monate Zeit, um Klage einzureichen.



insgesamt 6 Beiträge
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danielschneider 19.01.2012
1. Begründung zum Schadensersatz?
Zitat von sysopSeit dem gescheiterten Übernahme-Angriff auf VW muss sich Porsche gegen Schadenersatzklagen von US-Investoren wehren. Die wollte der Sportwagenhersteller nun durch Zahlung einer niedrigen dreistelligen Millionensumme loswerden - doch die amerikanischen Fonds verlangen mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810148,00.html
Sollten Privatanleger nun auch anfangen sämtliche Unternehmen zu verklagen durch deren Aktien/Zertifikate sie Verluste erlitten haben?
Oberleerer 19.01.2012
2.
Die Zuständigen müssen Klagen, schon um sagen zu können, nichts unversucht gelassen zu haben. DieJura-Zunft wirds freuen.
n+1 19.01.2012
3. Gefährlich
Zitat von OberleererDie Zuständigen müssen Klagen, schon um sagen zu können, nichts unversucht gelassen zu haben. DieJura-Zunft wirds freuen.
Wenn amerikanische Gerichte für Amerikaner von (bloody) Ausländern, zumal von Nazi-Krauts Geld eintreiben können, tun sie das in aller Regel auch. Ami-Richter sind Super-Patrioten. Und dort herrschen so Unannehmlichkeiten wie codifiziertes Recht NICHT. Jeder Ami-Richterlein kann über alles und jedes auf der Welt alle und jedes Urteil(e) fällen. Der US-Markt ist sowohl für VW als auch Porsche unverzichtbar.
tuobob 19.01.2012
4. Na ja,
Zitat von n+1Wenn amerikanische Gerichte für Amerikaner von (bloody) Ausländern, zumal von Nazi-Krauts Geld eintreiben können, tun sie das in aller Regel auch. Ami-Richter sind Super-Patrioten. Und dort herrschen so Unannehmlichkeiten wie codifiziertes Recht NICHT. Jeder Ami-Richterlein kann über alles und jedes auf der Welt alle und jedes Urteil(e) fällen. Der US-Markt ist sowohl für VW als auch Porsche unverzichtbar.
Na ja, wenn man sich die höchstrichterlichen deutschen Urteile in Sachen 3. Reich (zB Geiselerschiessungen von Frauen und Kindern) anschaut - dagegen ist jeder „superpatriotische” US-Richter ein Waisenknabe.
spiegelak2 19.01.2012
5. "shareholder value" = Kasino-Parasitentum
die Marktidioten glauben dass das System doch so toll ist, wo wenn man mit genug Glueck und Kniff wuerfelt, man den "Big Win" machen kann. Zu kosten Firmen, Finanzwelt, Zukunft einer normalen modernen Zivilgesellschaft. Der Rest der Welt, besonders der Teil der ueber etwas mehr Kultur und Intellekt verfuegt, sollte sich das nicht gefallen lassen.
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