Streit über CO2-Abgabe: Airbus und Lufthansa warnen vor Handelskrieg

Der weltweite Streit über Klimaabgaben im Flugverkehr droht zu eskalieren. In einem Brief an Regierungschefs der EU klagen führende europäische Luftfahrtunternehmen über "Strafmaßnahmen" aus Ländern wie China oder Russland. Konzernen wie Airbus gingen so Milliardenaufträge verloren.

Klimakiller Flugzeug: Seit Jahresbeginn ist die Branche in den Emissionshandel einbezogen Zur Großansicht
dapd

Klimakiller Flugzeug: Seit Jahresbeginn ist die Branche in den Emissionshandel einbezogen

Hamburg - Europas Luftfahrtunternehmen warnen laut Presseberichten die heimischen Regierungen eindringlich vor einem Handelskrieg mit wichtigen Wirtschaftsnationen. Grund sei die seit Jahresbeginn gültige einseitige Einbeziehung der Luftfahrtgesellschaften in den europäischen Emissionshandel.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, haben sich der Flugzeugbauer Airbus und die Gesellschaften Lufthansa Chart zeigen, Air Berlin Chart zeigen, Air France-KLM Chart zeigen, British Airways Chart zeigen und Iberia Chart zeigen zusammengeschlossen, um sich in einem Brief an europäische Regierungschefs über die "untragbare" Bedrohung für ihre Geschäfte zu beklagen.

Laut der Zeitung "Welt" hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen solchen Brief erhalten, unterzeichnet von den Vorstandschefs von Airbus, Lufthansa, Air Berlin und dem Zulieferer MTU Chart zeigen. Darin beschweren sich die Konzernlenker, der Streit um den Emissionshandel habe "bereits zu ersten konkreten Strafmaßnahmen" von wichtigen Handelspartnern geführt.

Am stärksten betroffen von Gegenmaßnahmen sei derzeit der europäische Flugzeughersteller Airbus. Allein die chinesische Regierung habe Bestellungen von Airbus-Flugzeugen im Wert von zwölf Milliarden Dollar auf Eis gelegt, heißt es laut "Welt" in dem Brief. Dies gefährde mindestens tausend Stellen an den europäischen Airbus-Standorten und mindestens ebenso viele bei den Zulieferern.

Airlines klagen über Russland

Seit Jahresbeginn müssen alle Fluggesellschaften, die in Europa starten oder landen, ausreichend Emissionsrechte besitzen. Etwa 85 Prozent davon werden ihnen von den EU-Staaten gratis zugeteilt, den Rest müssen sie über die Börse kaufen. In der Industrie gilt dieser Emissionshandel schon seit 2005. Er soll den übermäßigen Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid verhindern.

Wichtige Wirtschaftsmächte wie China und die USA wehren sich heftig gegen die Einbeziehung ihrer Fluglinien in das Handelssystem. Die Regierung in Peking etwa verweigerte deshalb die Zustimmung zu Aufträgen chinesischer Fluggesellschaften über den Kauf von 45 Airbus-Maschinen, darunter zehn Maschinen vom Typ A380 und 35 vom Typ A330, wie der Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, vergangene Woche mitgeteilt hatte.

Auch Europas Airlines klagen nun darüber, sie müssten sich auf höhere Kosten oder Umsatzverluste einstellen. So habe Indien bereits angekündigt, dass Verkehrsrechte nicht verlängert werden. Russland habe zusätzliche Überfluggebühren angekündigt. Ein großer Teil der Flugrouten aus Europa heraus in Richtung Japan, China und Indien verlaufen über russischem Gebiet.

"Wir bitten Sie deshalb, auf EU-Ratsebene - und vor allem auch bei den Staaten, die besagte Sanktionen ergreifen - nachdrücklich um Konsultationen zu ersuchen", heißt es laut "Welt" in dem Brief an die Bundeskanzlerin. Ziel müsse es sein, eine ausgewogene Lösung zu finden und einen größeren Handelskonflikt zu vermeiden.

Das Schreiben ging auch an die Regierungschefs in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Laut der Zeitung "Les Echos" gehören in Frankreich neben Airbus auch Air France und der Zulieferer Safran zu den Unterzeichnern des Briefs.

dpa/Reuters/AFP

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1. Das ist Realpolitik vom Feinsten
chagall1985 12.03.2012
Zitat von sysopdapdDer weltweite Streit über Klimaabgaben im Flugverkehr droht zu eskalieren. In einem Brief an Regierungschefs der EU klagen führende europäische Luftfahrtunternehmen über "Strafmaßnahmen" aus Ländern wie China oder Russland. Konzernen wie Airbus gingen so Milliardenaufträge verloren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820690,00.html
Und dürfte auch keine einfache Antwort ermöglichen. Die Interessenvertreter der Verschmutzerländer geben hier wirklich alles um auch nur den Ansatz von Vernünftiger Politik zu torpedieren. Mal ehrlich worüber unterhalten wir uns? Über 15% Börsennotierte Kosten die von allen gleich gezahlt werden müssen. Mir kommt das manchmal so vor als wenn China mittlerweile die einzige Macht neben den USA ist die noch drohpotential für Ihre Interessen haben. Aber ein Handelskrieg wird hier mit Sicherheit von den Chinesen begonnen nicht von der EU! Immerhin ist das ein nationales Gesetz das für jedermann gilt und kein Embargo oder Zoll. Ich denke mittlerweile das China ähnlich wie Russland nur durch härte zu beeindrucken sind.
2. CO2-Chaoten
famulus 12.03.2012
Die Chaospolitclowns in Deutschland sollen mal das Buch von Hans-Werner Sinn "Das grüne Paradoxon" lesen. Ist zwar keine leichte Lektüre und auch teilweise bestreitbar, aber es beleuchtet äußerst sinnfällig das Chaos, dass die deutschen Politclowns einzig und allein aus Wiederwahlgründen angerichtet haben. Jeder von uns zahlt ca. 40% Steuern auf jede Kilowattstunde Elektroenergie und jede Heizeinheit und muss sich dadurch von Ökostalinisten ausbeuten lassen. Eine Atomkraft-Ausstiegs-Panik ist z.B. in Japan nach den gestrigen Worten des japanischen Atomverantwortlichen in Japan überhaupt nicht zu beobachten. Nur unsere analphabetischen Deindustrialiserer in Berlin verbreiten Panik.
3.
antilobby 12.03.2012
Zitat von sysopdapdDer weltweite Streit über Klimaabgaben im Flugverkehr droht zu eskalieren. In einem Brief an Regierungschefs der EU klagen führende europäische Luftfahrtunternehmen über "Strafmaßnahmen" aus Ländern wie China oder Russland. Konzernen wie Airbus gingen so Milliardenaufträge verloren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820690,00.html
Solange die Chinesen keine A340 selbst bauen können, werden die Käufe nur verschoben aber nicht aufgehoben. Also soll die EU rechtzeitig nachgeben, nicht dass die Chinesen doch schaffen eine Eigenentwicklung zu realisieren.
4.
ir² 12.03.2012
Zitat von chagall1985Und dürfte auch keine einfache Antwort ermöglichen. Die Interessenvertreter der Verschmutzerländer geben hier wirklich alles um auch nur den Ansatz von Vernünftiger Politik zu torpedieren. Mal ehrlich worüber unterhalten wir uns? Über 15% Börsennotierte Kosten die von allen gleich gezahlt werden müssen. Mir kommt das manchmal so vor als wenn China mittlerweile die einzige Macht neben den USA ist die noch drohpotential für Ihre Interessen haben. Aber ein Handelskrieg wird hier mit Sicherheit von den Chinesen begonnen nicht von der EU! Immerhin ist das ein nationales Gesetz das für jedermann gilt und kein Embargo oder Zoll. Ich denke mittlerweile das China ähnlich wie Russland nur durch härte zu beeindrucken sind.
Die EU zeigt "Härte" gegen die USA China Russland Indien ..... Wie lächerlich wollen Sie sich machen? den Krieg haben wir schon verloren ehe er angefangen hat. Der Rest der Welt will sich nicht den Dogmen der neuen Ökoreligion unterwerfen. Ist das denn so schwer zu verstehen?
5.
Steve Holmes 12.03.2012
Zitat von chagall1985Und dürfte auch keine einfache Antwort ermöglichen. Die Interessenvertreter der Verschmutzerländer geben hier wirklich alles um auch nur den Ansatz von Vernünftiger Politik zu torpedieren. Mal ehrlich worüber unterhalten wir uns? Über 15% Börsennotierte Kosten die von allen gleich gezahlt werden müssen. Mir kommt das manchmal so vor als wenn China mittlerweile die einzige Macht neben den USA ist die noch drohpotential für Ihre Interessen haben. Aber ein Handelskrieg wird hier mit Sicherheit von den Chinesen begonnen nicht von der EU! Immerhin ist das ein nationales Gesetz das für jedermann gilt und kein Embargo oder Zoll. Ich denke mittlerweile das China ähnlich wie Russland nur durch härte zu beeindrucken sind.
Hier steht ein Großteil der Welt gegen diesen unsinnigen EU-Emissionshandel. Wenn Russland als größtes Flächenland der Welt Überflugrechte für europäische Fluggesellschaften einschränkt dann ist das Drohpotential mindestens so groß wie das Chinas. Die EU wird ihre dummen Beschlüsse hoffentlich möglichst schnell zurücknehmen.
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Airbus
Der Konzern
Airbus ist der größte europäische Flugzeughersteller und eine Tochtergesellschaft des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. In der jüngeren Vergangenheit lieferte das Unternehmen zumeist mehr Flugzeuge aus als der US-Dauerrivale Boeing. Der Konzern setzt pro Jahr rund 30 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter.
Der Chef
Der Deutsche Thomas Enders steht seit 2007 an der Spitze von Airbus. Nach dem Studium arbeitete er zunächst im Bundestag, als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei diversen Forschungsinstituten und im Planungsstab des Verteidigungsministeriums. Dann wechselte er zur DASA, einem Vorgängerunternehmen von EADS.