Hamburg - Europas Luftfahrtunternehmen warnen laut Presseberichten die heimischen Regierungen eindringlich vor einem Handelskrieg mit wichtigen Wirtschaftsnationen. Grund sei die seit Jahresbeginn gültige einseitige Einbeziehung der Luftfahrtgesellschaften in den europäischen Emissionshandel.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, haben sich der Flugzeugbauer Airbus und die Gesellschaften Lufthansa
, Air Berlin
, Air France-KLM
, British Airways
und Iberia
zusammengeschlossen, um sich in einem Brief an europäische Regierungschefs über die "untragbare" Bedrohung für ihre Geschäfte zu beklagen.
Laut der Zeitung "Welt" hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen solchen Brief erhalten, unterzeichnet von den Vorstandschefs von Airbus, Lufthansa, Air Berlin und dem Zulieferer MTU
. Darin beschweren sich die Konzernlenker, der Streit um den Emissionshandel habe "bereits zu ersten konkreten Strafmaßnahmen" von wichtigen Handelspartnern geführt.
Am stärksten betroffen von Gegenmaßnahmen sei derzeit der europäische Flugzeughersteller Airbus. Allein die chinesische Regierung habe Bestellungen von Airbus-Flugzeugen im Wert von zwölf Milliarden Dollar auf Eis gelegt, heißt es laut "Welt" in dem Brief. Dies gefährde mindestens tausend Stellen an den europäischen Airbus-Standorten und mindestens ebenso viele bei den Zulieferern.
Airlines klagen über Russland
Seit Jahresbeginn müssen alle Fluggesellschaften, die in Europa starten oder landen, ausreichend Emissionsrechte besitzen. Etwa 85 Prozent davon werden ihnen von den EU-Staaten gratis zugeteilt, den Rest müssen sie über die Börse kaufen. In der Industrie gilt dieser Emissionshandel schon seit 2005. Er soll den übermäßigen Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid verhindern.
Wichtige Wirtschaftsmächte wie China und die USA wehren sich heftig gegen die Einbeziehung ihrer Fluglinien in das Handelssystem. Die Regierung in Peking etwa verweigerte deshalb die Zustimmung zu Aufträgen chinesischer Fluggesellschaften über den Kauf von 45 Airbus-Maschinen, darunter zehn Maschinen vom Typ A380 und 35 vom Typ A330, wie der Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, vergangene Woche mitgeteilt hatte.
Auch Europas Airlines klagen nun darüber, sie müssten sich auf höhere Kosten oder Umsatzverluste einstellen. So habe Indien bereits angekündigt, dass Verkehrsrechte nicht verlängert werden. Russland habe zusätzliche Überfluggebühren angekündigt. Ein großer Teil der Flugrouten aus Europa heraus in Richtung Japan, China und Indien verlaufen über russischem Gebiet.
"Wir bitten Sie deshalb, auf EU-Ratsebene - und vor allem auch bei den Staaten, die besagte Sanktionen ergreifen - nachdrücklich um Konsultationen zu ersuchen", heißt es laut "Welt" in dem Brief an die Bundeskanzlerin. Ziel müsse es sein, eine ausgewogene Lösung zu finden und einen größeren Handelskonflikt zu vermeiden.
Das Schreiben ging auch an die Regierungschefs in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Laut der Zeitung "Les Echos" gehören in Frankreich neben Airbus auch Air France und der Zulieferer Safran zu den Unterzeichnern des Briefs.
dpa/Reuters/AFP
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