Tokio - Im Streit über eine Bestellung von Dieselmotoren verschärft Suzuki gegenüber Volkswagen den Ton: Der japanische Autobauer forderte den VW am Donnerstag ultimativ auf, seinen Vorwurf des Vertragsbruchs bis Ende September zurückzuziehen.
Den Vorwurf hatte Volkswagen
erhoben, weil die Japaner Dieselmotoren vom italienischen Rivalen Fiat beziehen wollen anstatt von den Wolfsburgern. Suzuki Motor
warf VW daraufhin Rufschädigung vor. Weiteres Öl hatte VW-Chef
Martin Winterkorn ins Feuer gegossen, als er auf die Kräfteverhältnisse hinwies: Volkswagen ist mit knapp 20 Prozent größter Eigner des japanischen Kleinwagen- und Motorradspezialisten.
"Suzuki hat niemals die Vereinbarung mit VW gebrochen", sagte Suzuki-Chef Osamu Suzuki laut einer Mitteilung. Durch die Vorwürfe von VW habe der Ruf von Suzuki schweren Schaden genommen, die Aussagen verunglimpften die Ehre des Unternehmens.
Nach der Darstellung des japanischen Unternehmens haben die Partner im vergangenen Jahr mehrere Monate über die Lieferung von VW-Motoren an Suzuki verhandelt. Die Gespräche seien aber zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen, so dass man im Januar von dem Plan abgesehen habe. Darüber habe Suzuki wie von Winterkorn verlangt auch eine schriftliche Erklärung abgegeben, die von VW-Seite bestätigt wurde. Ein weiterer Vergleich der Dieselmotoren von VW und Fiat, wie von den Wolfsburgern gefordert, sei daher nicht sinnvoll.
VW bestätigte, dass ein Brief von Osamu Suzuki in Wolfsburg eingetroffen sei. Es handele sich dabei aber um einen internen Schriftverkehr, der von den Partnern auch so behandelt werden sollte. "Derlei plakative Aktionen sind in der gegenwärtigen Situation wenig hilfreich", hieß es in einer Stellungnahme. "Wir werden uns an dieser öffentlichen Debatte nicht beteiligen."
Angst vor deutscher Dominanz
Aus Wolfsburg hieß es außerdem, das Unternehmen könne nicht nachvollziehen, "dass die Einforderung vertraglich festgelegter Rechte 'rufschädigend' sein soll". VW bleibe bei seiner Forderung: Der Bezug von Dieselmotoren von einem anderen Hersteller stehe im Widerspruch zu den Vertragsinhalten.
Die Partnerschaft mit dem japanischen Autobauer war VW vor zwei Jahren eingegangen, um seine Position im Zukunftsmarkt Indien auszubauen. In der Allianz hing jedoch von Anfang der Haussegen schief. Suzuki fühlte sich von dem viel größeren deutschen Konzern dominiert und fürchtete um seine Selbstständigkeit, da VW die Japaner bereits als nächste Marke in seinem Riesenreich sah.
Stein des Anstoßes war eine Formulierung im Geschäftsbericht, wonach Suzuki als "assoziiertes Unternehmen" bezeichnet wird. Bei VW heißt es, dies beruhe auf geltenden Bilanzierungsregeln. Suzuki sieht dagegen die Regeln einer Partnerschaft auf Augenhöhe verletzt.
Die Japaner dringen mittlerweile auf eine Auflösung der Kapitalverflechtung. VW will bislang aber an seinem 20-Prozent-Anteil festhalten. Die Japaner halten ihrerseits nur 1,5 Prozent an VW. Suzuki fühlt sich zudem gegenüber den übrigen Konzernmarken von VW benachteiligt: Man habe nicht den erhofften Zugang zu VW-Technologie erhalten, heißt es.
VW-Chef Martin Winterkorn hatte erstmals im Frühjahr Probleme bei der Partnerschaft eingeräumt, dies aber zunächst auf kulturelle Differenzen zurückgeführt. Im Juli gaben die Niedersachsen bekannt, die Partnerschaft stehe auf dem Prüfstand. Dann folgte Mitte September der Vorwurf der Vertragsverletzung. VW räumte Suzuki eine mehrwöchige Frist ein, um den Sachverhalt zu korrigieren.
dab/dpa/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Volkswagen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH