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Streit über Wechselkurse: Währungskrieg löst Goldrausch aus

Von Christoph Rottwilm

China steht weltweit am Pranger: Das Land hält den Yuan künstlich billig, um so den eigenen Export zu befeuern. Nach den USA warnen nun auch Europa und IWF vor einem dramatischen Währungskrieg - doch der ist nach Meinung von Experten längst im Gang. Anleger flüchten in das vermeintlich sichere Gold.

Passant in Hongkong: Steht das Weltwährungssystem vor einer Revolution? Zur Großansicht
dpa

Passant in Hongkong: Steht das Weltwährungssystem vor einer Revolution?

Hamburg - Es ist eine dramatische Warnung, die H. Willi Brand da ausspricht: "Wir erwarten in den kommenden Jahren eine Verschiebung der großen Währungsblöcke", sagt der Vermögensverwalter und Chef von HWB Capital Management in Trier. "Wir sehen einer massiven Abwertung des US-Dollar entgegen und damit einhergehend der gesamten Dollar-Blockwährungen, wie zum Beispiel des Kanadischen Dollar und des Australischen Dollar. Profitieren werden davon der Euro, der Schweizer Franken und der japanische Yen."

Eine wahrlich drastische Einschätzung. Steht das Weltwährungssystem vor einer Revolution? Verschieben sich gerade die Gewichte zwischen Europa, Amerika und Asien?

Tatsächlich kommt Brands Prognose nicht von ungefähr. Die Wechselkurse der wichtigen Währungen der Welt sind bei Finanzexperten und Politikern zum Gesprächsthema Nummer eins avanciert. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao etwa musste sich auf seiner Europa-Reise diese Woche viele Vorwürfe anhören: Die Währung der Volksrepublik, der Yuan, sei viel zu niedrig bewertet, das mache Exporte aus China künstlich günstig und schade den Handelspartnern in anderen Teilen der Welt. Die Forderung der Europäer wie zuvor schon der Amerikaner: Peking müsse seine Währung dringend aufwerten.

Wenn sich an diesem Wochenende Vertreter der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zu ihrer Jahrestagung treffen, dürfte auch dort vor allem über eines gesprochen werden: die Gefahr eines weltweiten "Währungskrieges", der nach den Worten von Brasiliens Finanzminister Guido Mantega längst begonnen hat. Sprich: Jedes Land hat Anreiz, seine Währung abzuwerten, um so die eigenen Exporteure zu begünstigen. Wenn dies jedoch alle machen, hat ist ein hemmungsloser Abwertungswettlauf die Folge.

Die Geschichte bietet dafür ein abschreckendes Beispiel: die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals werteten die Nationen ihre Währungen so stark ab, dass der internationale Handel fast zum Erliegen kam.

Der nützliche Nebeneffekt: Inflation

Droht diese Gefahr nun erneut? Und wie konnte es so weit kommen? Seit Jahren streitet sich China mit seinen Handelspartnern - allen voran den USA - über den niedrigen Wert des Yuan. Inzwischen steht Peking jedoch nicht mehr allein am Pranger. Immer mehr Staaten versuchen, durch gezielte Einflussnahme auf den Außenwert ihrer Währung die eigene Wirtschaft zu unterstützen. Gerade im Ausklang der Finanzkrise, in einer Zeit also, da sich die Konjunktur vielerorts noch nicht richtig erholt hat, ist die Versuchung offenbar besonders groß.

Beispiel Japan: Die Notenbank in Tokio hat in den vergangenen Wochen gleich mehrfach in die Märkte eingegriffen, um den Höhenflug des Yen zu stoppen. Oder die Schweiz: Deren Franken haben Anleger weltweit zum Hort der Sicherheit erkoren - und ihn auf historisch hohes Niveau getrieben. Nun schließt die Zentralbank der Eidgenossen eine Intervention nicht mehr aus.

Das Kalkül bei solchen Eingriffen ist stets das gleiche: Eine günstige Währung erleichtert die Exporte - und verteuert Waren aus dem Ausland, was ebenfalls den inländischen Produzenten zugutekommt. Da bei den geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken meist die Geldmenge erweitert wird, haben sie einen nützlichen Nebeneffekt: Die Aussicht auf eine höhere Inflation steigt - was die hohe Staatsverschuldung real abschmelzen lässt.

"Die Chinesen sollten nicht so viel sparen"

Das Problem ist nur: Wenn die eine Währung abwertet, wird die andere aufgewertet. Den positiven Effekten des einen Staates stehen also negative bei dessen Handelspartnern gegenüber. Es besteht daher die Gefahr, dass sich, um nicht ins Hintertreffen zu geraten, immer mehr Länder gezwungen sehen, nachzuziehen und ebenfalls auf eine Abwertung der eigenen Währung hinzuwirken.

So kann der befürchtete Abwertungswettlauf entstehen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn etwa warnt offen vor einem Währungskrieg. "Ganz offensichtlich verbreitet sich die Idee, Währungen als politische Waffe einzusetzen", sagte Strauss-Kahn der "Financial Times".

Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), ist ähnlicher Meinung. "Es kann durchaus zu einem Abwertungswettlauf kommen", sagte er dem manager magazin. "Damit wäre am Ende aber niemandem geholfen, denn wenn alle abwerten, heben sich die positiven Wirkungen eines günstigen Außenwertes wieder auf." Snower rät den Staaten stattdessen zu einer Strukturreform ihrer Wirtschaften: "China sollte sich zu einem Wohlfahrtstaat wandeln, damit die Chinesen nicht so viel sparen. Und die USA müssen ihren Finanzsektor in den Griff bekommen, damit dort wieder mehr gespart wird."

Für Anleger bieten sich vor allem in China Chancen

Bis es so weit kommt, dürften die Schwankungen auf den Devisenmärkten anhalten. Die Frage ist nur: Was bedeutet das für Anleger? Und wie sollten sie sich nun verhalten?

Klar ist, dass Investments außerhalb der Euro-Zone aufgrund der Fremdwährung sowohl zusätzliche Chancen als auch zusätzliche Risiken mit sich bringen. Wertet etwa der Dollar um fünf Prozent auf, so gewinnt auch das Depot - bei ansonsten gleichen Bedingungen - fünf Prozent an Wert. Umgekehrt gilt freilich das Gleiche.

Grundsätzlich gilt daher: Wer Währungschancen nutzen will, investiert am besten in Ländern, die eher unter Aufwertungsdruck stehen - wie derzeit China. Länder mit Abwertungspotential, zu denen nach allgemeiner Auffassung die USA gehören, sollten eher gemieden werden. Tatsächlich schwächt sich der Dollar gegenüber dem Euro gerade wieder ab: Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte am Donnerstag über die Marke von 1,40 Dollar - trotz Krise in Griechenland und Irland.

So weit die Theorie. Praktisch ist aber keineswegs sicher, dass sich die Wechselkurse so entwickeln, wie von vielen vorhergesagt. "Kapitalmarktprognosen sind immer ein sehr schwieriges Geschäft", sagt Hannes Peterreins, Vermögensverwalter aus München. "Aber dreimal schwieriger sind Währungsprognosen."

Selbst der Schweizer Franken bietet Anlegern keine Sicherheit

Wie viele Experten rät daher auch Peterreins bei ausländischen Währungen grundsätzlich zur Zurückhaltung. Selbst vermeintliche Stabilitätsgaranten wie der Schweizer Franken oder die Norwegische Krone bringen laut Peterreins beträchtliche Unsicherheiten ins Depot. "Aus spekulativen Gründen oder aus Angst vor einem Euro-Verfall sollte man in diese Währungen nicht wechseln", sagt der Fachmann.

Ähnlicher Meinung ist Felix Schleicher, Partner bei der Value Asset Management GmbH. "Von reinen Devisenspekulationen rate ich ab", sagt er. "Es ist ja hinlänglich bekannt, dass auch unlogische Kursbewegungen möglich sind."

Also sollte man sein Geld im Euro-Raum belassen? Die Antwort auf diese Frage fällt nicht leicht, denn auch bei dieser Strategie darf man die Wechselkurse keineswegs außer Acht lassen. Der Grund: Währungsschwankungen beeinflussen selbst innerhalb des Euro-Raums die Kosten und Umsätze vieler Unternehmen - und damit deren Aktien- und Anleihekurse. Das gilt vor allem für exportorientierte Firmen.

Flucht ins Gold

"Wer nur in seiner Heimatwährung investiert hat, spürt zwar keine direkten Effekte", sagt Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt und Researcher bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Indirekt kann es jedoch zu Effekten kommen." Eine Aufwertung des Euro beispielsweise belaste in der Regel die heimischen Aktienkurse. Eine Abwertung dagegen könne sie kurzfristig beflügeln.

Anleger, die den Wechselkursrisiken vollständig entgehen wollen, nehmen daher vor allem einen Ausweg: Gold Chart zeigen. Nebenbei kann man so auch seiner Inflationsfurcht begegnen. "Angst vor Abwertungswettlauf lässt Gold glänzen", überschrieb kürzlich Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank einen Artikel, in dem er den seit Monaten anhaltenden Höhenflug des Edelmetalls erläutert. Die Sorge vor einem zunehmenden Wetteifern der Währungslenker dürfte dem Goldpreis längerfristig Auftrieb verleihen, sagt Weinberg.

Tatsächlich übersprang der Preis für eine Feinunze Gold am Mittwoch die Marke von 1350 Dollar. Im kommenden Jahr, so Weinberg, dürfte das Edelmetall zwar zunächst eine Verschnaufpause einlegen. Doch bis Jahresende 2011 sagt der Experte dann einen Preis von 1400 Dollar je Feinunze voraus.

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1. Und ich weiss schon wer am Ende zahlt
TommIT, 07.10.2010
der Normalosparer
2. Kann man auch in Gravitation investieren?
helmar 07.10.2010
Zitat von sysopChina steht weltweit am Pranger: Das Land hält den Yuan künstlich billig, um so den eigenen Export zu befeuern. Nach den USA warnen nun auch*Europa und IWF vor einem dramatischen Währungskrieg - doch der ist nach Meinung von Experten längst in Gang. Anleger flüchten in das vermeintlich sichere Gold. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721727,00.html
Gold kann gar nicht sicher sein. Man sollte immer vorsichtig sein, wenn alle irgendwas hinterherlaufen. Investitionen in solche "Rohstoffe" wie Gold sind übrigens Geldvernichtung. Geld basiert auf Schulden und die Bank kann was damit machen, wenn man es anlegt. Goldklumpen liegen nur dumm im Tresor und Verwahrung bringt keine wirtschaftliche Potenz. Die Reichen sollten mal etwas sozialer denken als "der Klumpen Gold wird dann schon noch was wert sein, wenn alles kracht"...
3. .
Spiegeleii 07.10.2010
Zitat von sysopChina steht weltweit am Pranger: Das Land hält den Yuan künstlich billig, um so den eigenen Export zu befeuern. Nach den USA warnen nun auch*Europa und IWF vor einem dramatischen Währungskrieg - doch der ist nach Meinung von Experten längst in Gang. Anleger flüchten in das vermeintlich sichere Gold. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721727,00.html
Konservendosen und Munition ist als Anlage stark im Kommen
4. Gold ist nicht so sicher
Liberalitärer, 07.10.2010
Zitat von sysopChina steht weltweit am Pranger: Das Land hält den Yuan künstlich billig, um so den eigenen Export zu befeuern. Nach den USA warnen nun auch*Europa und IWF vor einem dramatischen Währungskrieg - doch der ist nach Meinung von Experten längst in Gang. Anleger flüchten in das vermeintlich sichere Gold. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721727,00.html
Irland ist nach Griechenland schon fällig und erledigt, nun wird Portugal kommen oder sogar Belgien, Spanien aber nicht mehr dieses Jahr. Es müsste jetzt fast schon ein Wunder geschehen. Beer Aktien als Gold, das sind auch Sachwerte.
5. Gold ist nicht so sicher
Liberalitärer, 07.10.2010
Zitat von sysopChina steht weltweit am Pranger: Das Land hält den Yuan künstlich billig, um so den eigenen Export zu befeuern. Nach den USA warnen nun auch*Europa und IWF vor einem dramatischen Währungskrieg - doch der ist nach Meinung von Experten längst in Gang. Anleger flüchten in das vermeintlich sichere Gold. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721727,00.html
Irland ist nach Griechenland schon fällig und erledigt, nun wird Portugal kommen oder sogar Belgien, Spanien aber nicht mehr dieses Jahr. Es müsste jetzt fast schon ein Wunder geschehen. Bsser Aktien als Gold, das sind auch Sachwerte.
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.

Fotostrecke
Fotostrecke: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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