Streit um Geschäftsidee: Facebook wirft Zuckerberg-Kläger Betrug vor

Er fordert nicht weniger als die Hälfte von Facebook: Der ehemalige Holzhändler Paul Ceglia behauptet, gemeinsam mit Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk gegründet zu haben. Jetzt kontert Facebook - die angeblichen Beweise seien allesamt Fälschungen.  

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Hat der Kläger die Beweise nur gefälscht? Zur Großansicht
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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Hat der Kläger die Beweise nur gefälscht?

New York - Im Streit um Firmenanteile am sozialen Netzwerk Facebook attackiert das Internetunternehmen den Kläger. Facebook zufolge soll Paul Ceglia sämtliche Beweise gefälscht haben. Ceglia behauptet, 2003 gemeinsam mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen Online-Dienst namens thefacebook.com geplant zu haben. Der ehemalige Holzpellethändler Ceglia fordert dafür die Hälfte der Firmenanteile an Facebook. Das soziale Netzwerk hat Schätzungen zufolge einen Firmenwert von bis zu 80 Milliarden Dollar.

1000 Dollar will Ceglia an Zuckerberg gezahlt haben. Für eine Beteiligung am Facebook-Projekt und Programmierarbeiten Zuckerbergs an der Web-Seite sowie an einem anderen Projekte namens StreetFax. Als Beweis präsentierte Ceglia einen Vertrag, den Zuckerberg Ende April 2003 in Gegenwart einer Zeugin unterschieben haben soll sowie mehrere E-Mails, in denen es um den Aufbau und die Registrierung von "The Face Book" geht.

Allesamt Fälschungen, behauptet Facebook. Unter Eid erklärte Mark Zuckerberg nun, weder den von Ceglia präsentierten Vertrag unterschrieben noch die vorgelegten E-Mails verfasst zu haben. "Der Vertrag ist mit der 'Copy-Paste'-Technik erstellt worden, die E-Mails sind komplette Fälschungen und diese ganze Klage ein Betrug", hieß es in einem Gerichtsdokument, das Facebook am Donnerstag vorlegte.

In dem Vertrag gebe es Unstimmigkeiten, die auf eine Fälschung hinweisen. Auch die von Ceglia präsentierten E-Mails seien auf den Servern der Universität Harvard, wo Zuckerberg damals studierte, nicht gefunden worden.

Zwar gebe es E-Mails zwischen Zuckerberg und Ceglia. In diesen tauche jedoch nicht einmal der Name Facebook auf. Stattdessen gehe es dort ausschließlich um die Programmierarbeiten an der Web-Seite StreetFax, an der Zuckerberg für Ceglia gearbeitet hat. Bei StreetFax handelte sich um einen Dienst mit Fotos von Straßenkreuzungen für Versicherungsfirmen. Ausschließlich für diese Arbeit bekam Zuckerberg die 1000 Dollar von Ceglia, behauptet Facebook. Auch die erste Seite des von Ceglia präsentierten Vertrages stamme aus dieser Auftragsarbeit. Die zweite Seite dagegen sei von Ceglia "amateurhaft" gefälscht worden. Ein Experte habe Unterschiede unter anderem bei der Schriftgröße festgestellt. Laut "New York Times" widerspricht Ceglia den Vorwürfen Facebooks und hält an seiner Version fest.

Facebook nennt Ceglia einen "Trickbetrüger"

Schon zu Beginn des Prozesses schienen Ceglias Erfolgaussichten jedoch nicht besonders hoch: Für Skepsis sorgte der Umstand, dass er seine angeblichen Ansprüche erst sechs Jahre später geltend machte. Ceglia erklärte, er habe sich erst vor kurzem wieder an den Vertrag erinnert. Ein Facebook-Sprecher nannte Ceglia einen "bekannten Trickbetrüger". Ceglia wurde vor Jahren wegen des Besitzes von psychedelischen Pilzen verurteilt. Zudem wird ihm vorgeworfen, gemeinsam mit seiner Frau in seinem Holzpellet-Betrieb Vorkassekunden um 200.000 Dollar geprellt zu haben.

Dann allerdings konnte er eine große und renommierte Anwaltskanzlei für die Klage gewinnen und präsentierte als Beweis die E-Mails.

Ceglia ist nicht der Einzige, der etwas vom immer größer werdenden Facebook-Kuchen abhaben möchte. Auch die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss gehen seit Jahren gegen Mark Zuckerberg vor. Sie werfen Zuckerberg vor, die Idee hinter Facebook von ihnen geklaut zu haben.

don/dpa

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1. Wer denn noch
makutsov 03.06.2011
Na, wer hat denn Facebook noch erfunden? Das muss ja ne Megaleistung gewesen sein, damals auf die Idee zu kommen einen Myspaceklon zu basteln.
2. ...
martin19127 03.06.2011
Also "erfunden" hat Zuckerberg garnichts. Es gab MySpace nämlich schon bevor Facebook "erfunden" wurde. Die Idee war nur eine art abgespeckte Version von MySpace für die UNI zu erschaffen. Zuerst nur für Harvard. Dann allerdings hat sich das Ding selbständig gemacht und war bald auf allen US-Unis sehr beliebt und schaffte es schließlich auch nach Europa, Asien usw. Mit Zuckerberg hat das alles kaum etwas zu tun. Er war der Programmierer, der natürlich auch eigene Ideen eingebracht hat und somit auch Kreativ war. Aber die Idee eines Sozialennetzwerks und die grundsätzliche art und weise wie das aufgebaut ist/funktioniert damit hat Zuckerber nichts zu tun.
3. Es ist schön, daß Bernie Madoff nicht allein bleiben muß.
bosaudf 19.05.2012
Der sitzt gerade wegen Anlagebetrugs für 150 Jahre im Knast und wird sich über Gesellschaft von Mark Zuckerberg freuen. Ich habe noch nicht durchschaut, ob bereits mit Facebook-Aktien Handel getrieben und so nur Geld zwischen Spekulanten verschoben wurde, oder ob sich Facebook gestern bei der Erstemmission tatsächlich 100 Milliarden USD (das ist eine Zahl mit elf Nullen!) eingestrichen hat. Um das Geld realwerterhaltend zu bewirtschaften, müssten die (angenommen 3% Inflation) jedes Jahr 3 Milliarden USD Reingewinn erwirtschaften. Da müsste also ein postpubertäres Pickelgesicht mit eben ausgeheilter Pubertätsakne über sein infantiles "Fatzebuch", wie das im Karneval so nett genannt wurde, in etwa soviel Reingewinn erwirtschaften wie die Deutsche Bank. Alles andere hieße, daß der Mann beim Eigenkapital Realwertverlust einfährt und offensichtlich Geld eingeworben hat, das nicht werterhaltend angelegt werden kann. D.h., Zuckerberg hat die Anleger um ihr Geld geprellt. U.a. nach Paragraph 264a StGB (Kapitalanlagebetrug) ist das strafbar. Und soweit ich weiß, ist man da in den USA etwas "deutlicher" als in Deutschland. Eine andere Frage ist es, wie unsagbar blöd man eigentlich sein muß, um so eine "Aktie" überhaupt zu kaufen.
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Soziale Netzwerke
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
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Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...