Streit um Mieten Gewerkschaft bangt um Karstadt-Rettung

Die Verhandlungen stocken, das Wirtschaftsministerium will nicht vermitteln: Die Rettung von Karstadt droht nach Ansicht der Ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane noch zu scheitern. Sollte es dazu kommen, hat die SPD schon den Schuldigen parat.

Karstadt-Filiale in Dortmund: "Die Zeit läuft ab"
ddp

Karstadt-Filiale in Dortmund: "Die Zeit läuft ab"


Berlin/Essen - Nur noch wenige Tage, dann muss die endgültige Übernahme von Karstadt stehen. Doch noch streiten sich der Investor Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet über Mieten - und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaft Ver.di ist alarmiert: "Die Zeit läuft ab", warnte Vize-Chefin Margret Mönig-Raane am Dienstag im Deutschlandradio Kultur - und forderte alle Beteiligten auf, sich schnellstmöglich zusammenzusetzen.

"Bis zum 15. Juli muss alles unter Dach und Fach sein", bekräftigte die Gewerkschafterin. "Alle müssen an einen Tisch und dazu beitragen, im Interesse von Beschäftigten und Investoren."

Dass die Verhandlungen derzeit stocken, führt Mönig-Raane vor allem auf die komplizierten Verhältnisse beim Vermieterkonsortium Highstreet zurück. Insbesondere die Valovis-Bank sperre sich als Darlehensgeberin dagegen, getroffene Vereinbarungen abzusegnen.

Arbeitsministerin von der Leyen: "Ein fairer Makler kann helfen"

Mönig-Raane sieht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Pflicht: "Er hätte hinter dem Bühnenvorhang mal Tacheles reden können, das hätte ich schon erwartet." Brüderle hatte jedoch am Montag erklärt, keine aktive Vermittlerrolle in den Verhandlungen übernehmen zu wollen, obwohl Investor Nicolas Berggruen darum gebeten hatte.

Die Zurückhaltung der Regierung erzürnt nicht nur die Gewerkschaft, auch die Opposition reibt sich an der Haltung des Wirtschaftsministeriums. SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Brüderle vor, die Lösung für Karstadt zu gefährden. "Es ist eine Schande, dass Herr Brüderle tatenlos zusieht, wie die Karstadt-Rettung zu scheitern droht", sagte Gabriel der "Frankfurter Rundschau". "Es geht hier nicht um Staatshilfen, sondern um eine vom Investor Herrn Berggruen erbetene Vermittlerrolle", ergänzte er.

Anders als Brüderle hatte sich allerdings Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geäußert. Sie erklärte: "Ein fairer Makler kann helfen." Wenn es um eine Einigung in schwierigen Finanzierungsfragen unter hohem Zeitdruck gehe, müsse und solle sich der Staat auf die Seite der Arbeitnehmer stellen.

yes/dpa/Reuters

insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
hypnos 08.06.2010
1. Reibach für Banken
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Und wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
chris7516, 08.06.2010
2. Banken
Zitat von hypnosUnd wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
Ernst Robert, 08.06.2010
3. Berggruen hat Recht, muss aber aufpassen
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Die Kunst wird sein, die überhöhten Mieten möglichst geräuschlos, aber maßvoll zu senken. Denn nur so kann man die auch in Deutschland (in den meisten Standorten) überbewerteten Immobilien vor einem Crash wie in Japan oder den USA retten. Je mehr Lärm jetzt darum gemacht wird, umso schädlicher. Berggruen hat den Finger in die Wund gelegt, aber er hat Recht. Fairerweise müsste man zugeben, dass auch auf Seiten der Beschäftigten gewisse Zugeständnisse nötig sind, um die Kaufhauskette zu retten.
hypnos 08.06.2010
4.
Zitat von chris7516(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
Karstadt: "Rettung" durch überhöhte Mieten? Quelle: Die Konditionen für die Ratenkäufe wurden verschlechtert (Zinserhöhung).
altruist 08.06.2010
5. steilvorlage
wenn die vermieter karstadt drohen,was besseres kann dem investor doch garnicht passieren.dann schliesst er die filiale und zeigt auf den bösen vermieter.so einfach ist die welt.
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