Streit um Rohstoffe: Deutschland sagt Lebensmittel-Spekulanten den Kampf an

Spekulanten jagen die Preise für Rohstoffe künstlich hoch - doch damit soll Schluss sein. Die Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge mit Frankreich in der G20 gegen Zocker vorgehen: "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein."

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Preis für Weizen drastisch gestiegen Zur Großansicht
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Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Preis für Weizen drastisch gestiegen

München - Die Preise für Weizen, Mais und Soja schießen in die Höhe - und Spekulanten haben ihre Freude daran. Doch was für die Händler ein lukratives Geschäft ist, treibt die Ärmsten in noch größere Nöte.

Dem Treiben will die Bundesregierung nicht mehr zusehen und geht nun gemeinsam mit Frankreich gegen Spekulanten vor. Deutschland werde gemeinsam mit Frankreich eine Initiative innerhalb der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einbringen, die Energie- und Rohstoff-Preisschwankungen begrenzen soll. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf ein Strategiepapier aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein", heißt es darin demnach.

Frankreichs Regierung hatte vor einigen Tagen die EU-Kommission aufgefordert, die Spekulation an den Rohstoffmärkten strenger zu regulieren. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, die Stabilisierung der Rohstoffpreise werde eine der Prioritäten der französischen G-20-Präsidentschaft.

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Agrarrohstoffe: Wie sich der Preis von Weizen und Reis entwickelt
Seit Anfang August ist der Preis für Weizen sprunghaft gestiegen, zeitweise um 50 Prozent (mehr zu den Hintergründen...). Mittlerweile sind die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen wieder leicht gesunken, doch nun warnen Experten vor Erhöhungen bei anderen Rohstoffen.

Ökonomen kritisieren, dass sich die Preise für Agrarrohstoffe vom realen Angebot und der realen Nachfrage abgekoppelt haben. Seit der Finanzkrise suchen Anleger neue Investitionsmöglichkeiten für Abermilliarden von Dollar und Euro. Statt US-Immobilien sind nun Öl, Metalle und eben auch landwirtschaftliche Produkte gefragt. An Rohstoffbörsen wie in Chicago treiben Zocker die Preise in die Höhe - und verteuern so für Milliarden Menschen die Grundnahrungsmittel.

Es handle sich um eine internationale Aufgabe, diesem "besorgniserregenden Trend entgegenzuwirken", zitierte die Zeitung aus dem Regierungspapier. Allerdings warne das Ministerium auch vor Schnellschüssen: "Wir sollten nicht in die alten Fehler der staatlichen Marktregulierung zurückfallen."

yes/Reuters

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Ein Scherz?
hook123 02.09.2010
Zitat von sysopPreise für Rohstoffe künstlich hochzujagen ist ihr Geschäft - doch damit soll Schluss sein. Die Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge mit Frankreich in der G20 gegen internationale Spekulanten vorgehen: "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,715227,00.html
Wie soll das gehen. Wird Merkel drohen sich nackig auszuziehen? Die Spekulanten werden sich das sicherlich nicht bieten lassen und derartige Pläne sicherlich schnell hintertreiben, dass dann letzlich auch unsere Kanzlerin wieder vor der Lobby einknickt.
2. Die Bundesrepublik will gegen irgendwas vorgehen?
Jettenbacher 02.09.2010
Zitat von sysopDie Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge mit Frankreich in der G20 gegen internationale Spekulanten vorgehen
Ich darf das mal für den unbedarften Leser übersetzen: Es ändert sich gar nichts.
3. Milchquote
maconaut 02.09.2010
Zitat von sysopPreise für Rohstoffe / Lebensmittel künstlich hochzujagen ist ihr Geschäft - doch damit soll Schluss sein.
Ach - wird die Milchquote abgeschafft? Diese Garantiemengenregelung soll ja den Milchpreis hoch halten und einem Preisverfall vorbeugen.
4. Papiergeld
cokommentator 02.09.2010
Papiergeld ist es nicht mehr, das in zu großer Menge auf dem Markt ist. Digitales Geld in Hülle und Fülle. Wenn zu einem bestimmten Datum mal eine "weltweite Inventur" gemacht würde, würde sich vermutlich die vorhandene Geldmenge drastisch reduzieren. Dann hätten auch die Spekulanten nicht mehr so große Not mit ihrem "Spielgeld"?!
5. Populismus
quinta007 02.09.2010
Die beliebtesten Themen fuer Sarkozy sind im Moment "Ausländer raus" und Wirtschaftspopulismus. Beides kommt beim kleinen Mann immer gut an. Alle, die noch ein bisschen eigenes Gehirn haben, sollten sich mal den längerfristigen Preisverlauf von Weizen unter http://www.finviz.com/futures_charts.ashx?t=ZW&p=w1 anschauen und eigene Schlussfolgerungen ziehen...
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