Manipulation von Strompreisen: Barclays droht hohe Strafe in den USA

Nach dem Skandal um manipulierte Zinssätze droht Barclays nun erneut eine saftige Strafzahlung. Diesmal soll die britische Großbank den kalifornischen Strommarkt illegal beeinflusst haben. Die zuständige Regulierungsbehörde fordert 470 Millionen Dollar.

Barclays-Zentrale in London: Neuer Ärger für die Bank Zur Großansicht
dapd

Barclays-Zentrale in London: Neuer Ärger für die Bank

Washington/New York - Neuer Ärger für die britische Großbank Barclays: Nachdem die Verstrickungen in den Libor-Skandal den Konzern erschüttert haben, muss er nun gegen neue Vorwürfe ankämpfen.

Die US-Energiemarktaufsicht FERC droht der Bank mit einer Rekordstrafe für die angebliche Manipulation des Strommarkts in Kalifornien. Die Behörde fordert 470 Millionen Dollar, weil vier Barclays-Händler in den Jahren 2006 bis 2008 die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt haben sollen.

Zudem steht Barclays Chart zeigen im Verdacht, sich zu Beginn der Finanzkrise Geld von Investoren aus dem Nahen Osten beschafft und dabei gegen die Antikorruptionsgesetze der USA verstoßen zu haben. Das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC haben Ermittlungen aufgenommen. Die Bank hatte am Mittwoch mitgeteilt, mit den Behörden zu kooperieren.

Die Vorwürfe treffen Barclays in einer ohnehin schwierigen Phase. Schon im Sommer hatte die Bank rund 450 Millionen Dollar Strafe müssen, weil sie in den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes verwickelt war. Bankchef Bob Diamond und andere hochrangige Manager hatte ihre Posten räumen müssen.

Tricks mit Stromderivaten

Bei den Vorwürfen der Energiemarktaufsicht geht es um das Zusammenspiel von Strom- und Derivatemarkt. Während die Bankhändler den Strompreis drückten, wetteten sie nach Darstellung der Behörde am Derivatemarkt auf sinkende Preise - und sahnten dadurch ab. 35 Millionen Dollar sollen sie so herausgeholt haben.

Es wäre die höchste Strafe, die die FERC je verhängt hat. Auch die Deutsche Bank Chart zeigen und der Ölkonzern BP könnten in die Affäre hineingezogen werden: Gegen beide Unternehmen führt die Behörde ähnliche Ermittlungen. Gegen die Stromfirma Constellation Energy hatte die FERC in diesem Jahr in einem vergleichbaren Fall bereits 245 Millionen Dollar Strafe verhängt.

Barclays hatte die Ermittlungen am Mittwoch bestätigt, aber keine Summen genannt. Die Bank hat nun 30 Tage Zeit, sich gegen die Vorwürfe zu wehren - und hat bereits angekündigt, das auch zu tun. Das Papier der FERC sei "naturgemäß einseitig und stellt die Fakten nicht ausgewogen und vollständig dar", sagte ein Sprecher. Barclays habe sich an Recht und Gesetz gehalten.

Von den vier Händlern fordert die Behörde zusätzlich insgesamt 18 Millionen Dollar an Geldbußen. Sie alle haben die britische Bank in den vergangenen Jahren verlassen - Finanzkreisen zufolge aus Gründen, die nichts mit der angeblichen Manipulation zu tun haben.

Die Bank war in diesem Jahr ganz aus dem Stromhandel im Westen der USA ausgestiegen. Experten erwarten, dass der Fall erst vor Gericht geklärt werden kann. Es gehe um die Grundsatzfrage, ob Praktiken wie diese illegal oder nur anrüchig seien. Sie sind weitverbreitet, auch auf anderen Rohstoffmärkten, fallen den Regulierern aber meist nicht auf, weil diese nur den physischen Stromhandel oder die Derivate-Märkte untersuchen, selten aber Wechselwirkungen zwischen beiden.

stk/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Das sind ja
snafu-d 01.11.2012
anscheinend wirklich alles nur noch Bankster. Die müssen dringendst wieder an die Kandarre genommen werden!
2. die Geister die sie riefen, sollen nun
Ernesto_de_la_Vita 01.11.2012
dafür zahlen, dass sie kommen durften? Das soll einer verstehen? Naja, sie können ja nach Deutschland kommen, hier ist sowas nicht verboten, wird staatlich gefördert und wird auch ganz bestimmt nicht verfolgt! Also, kommt, kommt nach Deutschland.... Wie, ihr seid schon da? Na, dann, bin ich ja beruhigt!
3.
B.Lebowski 01.11.2012
Zitat von sysopdapdNach dem Skandal um manipulierte Zinssätze droht Barclays nun erneut eine saftige Strafzahlung. Diesmal soll die britische Großbank den kalifornischen Strommarkt illegal beeinflusst haben. Die zuständige Regulierungsbehörde fordert 470 Millionen Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/strommarkt-barclays-droht-strafe-wegen-manipulation-a-864685.html
Manipulation hatte damals auch ENRON versucht. Neben Bilanzfälschungen und und anderer "Gewinnoptimierungen" wurden Stromabschaltungen gezielt vorgenommen, um die Preise zu erhöhen. Man kann nur hoffen, dass diese kriminellen Machenschaften immer ans Tageslicht kommen und vor Allem auch geahndet werden. Und das möglicht hart.
4.
ludenhugo 01.11.2012
Zitat von Ernesto_de_la_Vitadafür zahlen, dass sie kommen durften? Das soll einer verstehen? Naja, sie können ja nach Deutschland kommen, hier ist sowas nicht verboten, wird staatlich gefördert und wird auch ganz bestimmt nicht verfolgt! Also, kommt, kommt nach Deutschland.... Wie, ihr seid schon da? Na, dann, bin ich ja beruhigt!
[QUOTE=Ernesto_de_la_Vita;11258339]dafür zahlen, dass sie kommen durften? Das soll einer verstehen? hier ist sowas nicht verboten, wird staatlich gefördert und wird auch ganz bestimmt nicht verfolgt! Wie kommen sie denn darauf?
5. Könnte...
wkilikidoo 01.11.2012
Bei u s nicht passieren. Hier stecken Stromlobby und Politik unter einer Decke. Wird immer teuerer, Sorry liebe Bürger.
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