Stromnetzgebühren Energieriesen müssen Kunden Milliarden erstatten

Sie haben Verbrauchern zwei Milliarden Euro zu viel abgeknöpft - das Geld müssen die Strom- und Gasnetzbetreiber nun in den kommenden Jahren zurückzahlen. Laut Bundesnetzagentur sollen die Strompreise dadurch leicht sinken, doch die Energieriesen rechnen nicht mit Nachlässen.

Strommasten nahe Regensburg: Erleichterung für Verbraucher
dpa

Strommasten nahe Regensburg: Erleichterung für Verbraucher


Bonn - Die Bundesnetzagentur hat den Energieriesen eine saftige Rechnung geschickt: Insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro müssen die Versorger an ihre Kunden zurückgeben. Allein die Stromnetzbetreiber hätten ihren Kunden 1,5 Milliarden Euro zu viel berechnet, teilte eine Sprecherin der Behörde mit. Bei den Gasnetzbetreibern dürfte es sich um "mehrere hundert Millionen Euro" handeln. Sie bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Alle Versorger hätten inzwischen Bescheide erhalten, sagte die Sprecherin. Betroffen seien 150 Gas- und 200 Stromnetzbetreiber. Die Unternehmen, darunter Konzerne wie RWE Chart zeigen und E.on Chart zeigen, müssen das Geld nicht direkt an die Kunden zahlen, sie können es mit den Gebühren der kommenden Jahre verrechnen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur muss das beim Gas bis 2017 erfolgen, beim Strom bis 2018.

Mit niedrigeren Strompreisen ist trotzdem nicht zu rechnen - denn die Versorger verweisen auf steigende Kosten. Die Bundesnetzagentur sagte dagegen, sie rechne damit, dass sich die Strompreise leicht sinken. Gebühren für die Gas- und Stromdurchleitung machen rund ein Drittel des Strom- und ein Fünftel des Gaspreises aus.

Die Energiekonzerne bestätigten den Erhalt der Rechnung. Ein E.on-Sprecher sagte, dass alle Netzbetreiber des Unternehmens das von der Bundesnetzagentur angebotene Verfahren angenommen hätten. Zur Höhe der Rückforderungen machte er keine Angaben. Eine Sprecherin des RWE-Konzerns sagte, das Unternehmen habe aber Rückstellungen für den Nachschlag gebildet und erste Schritte zur Umsetzung bereits eingeleitet.

Die Rückforderungen sind deutlich höher als ursprünglich erwartet. Im Herbst 2009 hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, den Stromkunden auf Basis noch lückenhafter Daten eine Entlastung um rund eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt.

Die Nachschlagsforderung stützte sich auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes. Der hatte 2008 entschieden, dass die von der Netzagentur angeordneten Kürzungen der Preise für die Nutzung von Gasverteilnetzen und Stromleitungen rückwirkend von Oktober 2005 (für Strom) und Januar 2006 an (Gas) anzuwenden seien.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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Berta, 04.02.2010
1. Betrüger
Zitat von sysopSie haben Verbrauchern zwei Milliarden Euro zu viel abgeknöpft - das Geld müssen die Strom- und Gasnetzbetreiber nun in den kommenden Jahren zurückzahlen. Laut Bundesnetzagentur sollen die Strompreise dadurch leicht sinken, doch die Energie-Riesen rechnen nicht mit Nachlässen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,676048,00.html
Die Privatisierungen waren richtig gut für uns. Danke ihr Betrüger.
sic tacuisses 04.02.2010
2. so ein Schwachsinn
"müssen verrechnet werden." Klar doch, neuer Persilschein für minimale Preisnachlässe trotz erheblich gesunkener Beschaffungskosten. Die wären doch mit "dem Klammersack gepudert" wenn sie solche Papiertiger wie die Bundesnetzagentur ernst nähmen. Es wird Kasse gemacht und die Politik sorgt für den rechtlichen Rahmen.
bicicleta 04.02.2010
3. Party in den Chefetagen der Stromkonzerne
Die Herren werden sich scheckig lachen. Nicht ein Cent wird an die Verbraucher zurückfließen. Warum auch - an der Quelle saß der Knabe ...
bürgerschreck 04.02.2010
4. Stadtwerke sind nix besser
Zitat von BertaDie Privatisierungen waren richtig gut für uns. Danke ihr Betrüger.
Leider sind die Stadtwerke, die noch im kommunalen Besitz sind, kein Stück besser. Da wird doch jetzt schon gejammert, daß kein Geld für die Quersubventionierung des Theaters oder des Frauen-Warmbadetages mehr zur Verfügung steht.....
Berta, 04.02.2010
5. gelogen
Zitat von bürgerschreckLeider sind die Stadtwerke, die noch im kommunalen Besitz sind, kein Stück besser. Da wird doch jetzt schon gejammert, daß kein Geld für die Quersubventionierung des Theaters oder des Frauen-Warmbadetages mehr zur Verfügung steht.....
Ja,aber mir geht es erst mal um die politische Aussage Privatisierung ist gut. Wir könnten Alle unser Geld zusammenlegen und selber Gas in Moskau kaufen,ohne Abzocker.
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