Steigende Netzentgelte Verbraucher müssen 2016 deutlich mehr für Strom zahlen

Strom wird in Deutschland noch teurer. Neben der EEG-Umlage erhöhen sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auch die Netzentgelte der meisten Anbieter.

Hochspannungsleitung in Niedersachsen: Der Staat garantiert die Rendite
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Hochspannungsleitung in Niedersachsen: Der Staat garantiert die Rendite


Im neuen Jahr müssen deutsche Haushalte deutlich mehr für den Stromtransport zahlen. Das geht aus einer Analyse der vorläufigen Entgelte von 29 Netzbetreibern des Stromanbieters Lichtblick hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Im Durchschnitt steigen die Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt demnach jährlich um gut zehn Euro. Die Entgelte erheben Betreiber für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung von Stromnetzen. Bezahlt werden sie von Stromanbietern, welche die Kosten an ihre Kunden weiterreichen.

Je nach Region können die Kostensteigerungen auch deutlich höher ausfallen. In Baden-Württemberg müssen sich die Verbraucher im Gebiet des Betreibers Netze BW auf Mehrkosten von knapp 38 Euro einstellen - ein Plus von stolzen 15 Prozent. Die Unternehmen Energienetz Mitte in Hessen und Niedersachsen sowie die Schleswig-Holstein Netz AG erhöhen ihre Netzentgelte um rund elf und zehn Prozent.

Wo die Netze teurer werden

Netzbetreiber Netzgebühren 2015 Netzgebühren 2016 Differenz in % Differenz in €
Netze BW GmbH (EnBW) 256,39 294,03 14,68 37,64
Energienetz Mitte Gmbh 255,40 284,31 11,32 28,91
Schleswig-Holstein Netz AG (50 % E.ON) 325,17 357,65 9,99 32,48
bnNetze GmbH (Freiburg) 198,69 217,62 9,53 18,93
DREWAG (Dresden) 245,63 267,40 8,86 21,77
Stromnetz Hamburg GmbH 223,48 241,32 7,98 17,84
WESTNETZ GmbH (RWE) 233,50 252,02 7,93 18,52
NRM Netzdienste Rhein.Main GmbH (Frankfurt) 215,32 231,15 7,35 15,83
SWM Infrastruktur GmbH (München) 227,35 244,00 7,32 16,65
wesernetz Bremen GmbH (EWE) 175,23 187,72 7,13 12,49
TEN Thüringer Energienetze GmbH 298,51 314,77 5,45 16,26
EWE Netz (Oldenburg) 253,48 266,60 5,18 13,12
Bayernwerk AG (E.ON) 229,91 238,83 3,88 8,92
Westfalen Weser Netz GmbH (Paderborn) 272,59 282,16 3,51 9,57
Stromnetz Berlin (Vattenfall) 213,84 221,08 3,39 7,24
e.dis AG (E.ON) 359,00 370,14 3,10 11,14
Syna GmbH (RWE, Bad Homburg) 234,85 241,76 2,94 6,91
Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (60 % RWE) 295,95 302,24 2,13 6,29
Städtische Werke Netz und Service GmbH (Kassel) 274,71 279,47 1,73 4,76
Avacon (E.ON) 270,93 273,90 1,10 2,97
Energienetze Mittelrhein GmbH (Koblenz) 223,55 225,74 0,98 2,19
Dortmunder Netz GmbH 197,73 199,60 0,95 1,87
Netzgesellschaft Potsdam mbH 224,55 224,55 0,00 0,00
MDN Main-Donau Netzgesellschaft mbH (Nürnberg) 207,39 207,04 -0,17 -0,35
Netrion GmbH (Mannheim/Offenbach) 225,56 224,97 -0,26 -0,59
Netz Leipzig GmbH 252,05 249,29 -1,10 -2,76
SWKiel Netz GmbH 233,09 230,42 -1,15 -2,67
enercity Netzgesellschaft mbH (Hannover) 230,68 225,27 -2,35 -5,41
Ed Netze GmbH (EnBW) 256,24 249,70 -2,55 -6,54

Netzgebühren (brutto) für einen 3-Personen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 kWh Vorläufige Netzentgelte ab 1.1.2016 / Stand: 15.10.2015
Quelle: LichtBlick SE

Die klare Mehrheit der 29 untersuchten Netzbetreiber erhöht zum 1. Januar 2016 ihre Gebühren, nur sechs haben geringe Preissenkungen angekündigt. Die deutlichste Entlastung gibt es im Südwesten von Baden-Württemberg, wo der Anbieter Ed Netze die Preise um 2,55 Prozent reduziert. Zwischen den Endpreisen gibt es eine enorme Bandbreite: So zahlt ein Haushalt den Berechnungen zufolge bei der Wesernetz Bremen GmbH knapp 188 Euro im Jahr, bei der E.dis AG in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern dagegen 370 Euro.

Der Strompreis wird im kommenden Jahr auch durch die EEG-Umlage in die Höhe getrieben. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, steigt die Gebühr zur Finanzierung der Energiewende 2016 von derzeit 6,17 Cent auf nunmehr 6,35 Cent. Dies stößt sowohl bei Unternehmen als auch Oppositionsvertretern auf deutliche Kritik.

"Die Netzentgelte stellen für Haushalte eine wachsende Belastung dar", sagte Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von Lichtblick. "Im Sinne des Verbraucherschutzes muss die Politik die Monopolrenditen der Netzbetreiber endlich konsequent kappen." Für Investitionen in Strom- und Gasnetze garantiert der Staat den Betreibern derzeit eine Eigenkapitalrendite von neun Prozent.

dab



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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danreinhardt 16.10.2015
1. Passt doch
Ich zahle auch gerne jetzt 20 Cent Umlage, wenn wir dafür künftig sauberen Strom haben der meine Nachkommen nicht belastet und dauerhaft günstigere Preise garantiert.
sag-geschwind 16.10.2015
2. Verzeihung: Netzentgelte erhöhen
... nicht. Sie werden erhöht. Es ist also kein Naturgesetz sondern Menschenwerk mit konkreten Verantwortlichen dahinter.
pommbaer84 16.10.2015
3. legitim.
Wenn die Preise steigen für den Betrieb der Netze ist das völlig legitim den Preis umzulegen. Solange da nicht wieder Unternehmen ausgenommen werden ist das in Ordnung. Dafür sparen wir beim Benzin und den Lebensmitteln.
eisbaerchen 16.10.2015
4. Danke nochmal an alle,
die mitgeholfen haben den solventen Hausbesitzern mit Solarpanels, den schlauen Bauern mit Solarpanels auf Pseudoständerwerken, mit Biogas und Windrädern richtig fette Rendite zu bescheren. Wir schaffen das...die Energiewende...so könnte man es auch zynischerweise nennen. Bezahlen tut der "kleine Mann". Ach ja, und weshalb steigen auch die Netztentgelte und nicht nur die Preise für die KWh??
Ruhri1972 16.10.2015
5.
Das ist die Energiewende ala Kanzlerin Merkel. Den Verbrauchern wird das Geld aus der Tasche gezogen - im europäischen Vergleich liegen wir auf den letzten Plätzen - wenn es um effizienten und günstigen Strom geht.
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