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Stromversorgung: Deutschland muss österreichische Kraftwerke anzapfen

Die Energiewende in Deutschland stellt die Betreiber der Stromnetze vor Probleme. Es fehlen Kapazitäten, um den aus Windkraft erzeugten Strom zu transportieren. Laut einem Zeitungsbericht musste man im Dezember sogar auf österreichische Kraftwerke zurückgreifen, um die Versorgung zu sichern.

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dpa

Überlandleitung: Rückgriff auf Kraftwerksreserven in Österreich

Berlin/Düsseldorf - Die deutschen Stromnetze stehen in diesem Winter unter massiver Belastung. Wie die "Welt" berichtet, musste der Netzbetreiber Tennet bereits am 8. und am 9. Dezember erstmals auf Kraftwerksreserven in Österreich zurückgreifen. Dafür musste unter anderem ein altes Ölkraftwerk bei Graz wieder ans Netz gebracht werden.

Die Bundesnetzagentur bestätigte den Vorgang, der zuvor auch schon in österreichischen Zeitungen thematisiert worden war, jedoch bislang noch nicht in Deutschland.

Um den Betrieb des deutschen Höchstspannungsnetzes kümmern sich vier Unternehmen. Betroffen war den Angaben zufolge das Gebiet von Norddeutschland über Hessen nach Bayern. Dieses deckt seit 2010 der niederländische Betreiber Tennet ab, zuvor war der deutsche Versorger E.on verantwortlich.

Das Aktivieren des Ölkraftwerks sei eine "Vorsichtsmaßnahme" gewesen, sagte eine Sprecherin von Tennet der "Welt". Ursache sei eine Kombination aus hoher Windkraftleistung im Norden und der hohen Verbrauchslast im Süden an diesen beiden Tagen gewesen.

Am 8. und 9. Dezember kam es zu einer extremen Konstellation. Durch das Sturmtief "Ekkehard" arbeiteten die Windanlagen an der Küste mit voller Kraft. Die gut 20.000 Megawatt Kapazität wurden fast vollständig ausgenutzt. Wegen fehlender Leitungen konnte diese Energie aber nicht nach Süden transportiert werden.

Im Süden dagegen gab es weniger Strom als geplant. Denn der Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen war Chart zeigen unplanmäßig abgeschaltet, zwei der 784 Brennelemente mussten wegen leichter Defekte ausgetauscht werden. Im Zuge der deutschen Energiewende wurden zudem bereits acht von 17 Atomkraftwerkenabgeschaltet, fünf davon in Süddeutschland.

Fünf ältere Kohle- und Gaskraftwerke dienen deshalb übergangsweise als Reserve. Das Ölkraftwerk bei Graz wurde aktiviert, weil es sich näher an dem problematischen Leitungsabschnitt befand als die anderen von der Bundesnetzagentur bestimmten Kraftwerke.

ssu/stk/dpa-AFX/Reuters

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1. ..
sailor888 05.01.2012
1. Es ist völlig normal und überhaupt nicht dramatisch in einem europäischen Verbundnetz Strom mal zu importieren, mal zu exportieren. 2. Wenn man sich für zentrale Stromversorgung (hier OffshoreParks) entscheidet, muss man auch die Leitungen zu den Verbrauchen bauen. 3. Es zeigt sich wieder ein weiterer Nachteil der AKWs: sie sind nicht regelbar und werden häufig unplanmässig abgeschaltet.
2. Das kommt davon
Meckermann 05.01.2012
Da sieht man mal, was dieser übereilte (erst vor 10 Jahren beschlossene) Atomausstieg bringt. Jetzt müssen wir sogar Strom aus Ländern kaufen, die nie in die Atomkraft eingestiegen sind!
3. Riskanter Schnellschuss
hardliner1 05.01.2012
Zitat von sysopDie Energiewende in Deutschland stellt die Betreiber der Stromnetze vor schwierige Aufgaben. Laut einem Zeitungsbericht musste einer von ihnen im Dezember sogar auf österreichische Kraftwerke zurückgreifen, um die Versorgung zu sichern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807268,00.html
Wenn wir schon in einem äußert milden Winter Strom aus dem Ausland brauchen, wie soll es erst werden, wenn wir eine Schnee- und Frostperiode bekommen? Es zeigt sich bereits jetzt, dass der Atomausstieg ein äußerst riskanter Schnellschuss war. Die Stromkunden werden sich auf hohe Preise einstellen müssen. Das Geschwätz von Röttgen & Co. über moderate Strompreiserhöhungen hat sich schon jetzt als unwahr erwiesen.
4. Was passieren musste
dasGyros 05.01.2012
Die Frage bleibt halt noch eine ganze Weile bestehen: AKW oder CO2. Bis grüne Energie einen Großteil unseres Strombedarfes deckt wird noch ein Weilchen ins Land gehen. Gibt es eigentlich auch irgendwo Zahlen dazu wieviel AKW-Strom wir jedes Jahr aus Frankreich, der Schweiz oder Tschechien beziehen?
5. AKW-Schnellabschaltung war wenig sinnvoll
MtSchiara 05.01.2012
Zitat von sailor8881. Es ist völlig normal und überhaupt nicht dramatisch in einem europäischen Verbundnetz Strom mal zu importieren, mal zu exportieren. 2. Wenn man sich für zentrale Stromversorgung (hier OffshoreParks) entscheidet, muss man auch die Leitungen zu den Verbrauchen bauen. 3. Es zeigt sich wieder ein weiterer Nachteil der AKWs: sie sind nicht regelbar und werden häufig unplanmässig abgeschaltet.
Trotzdem wäre es sinnvoller gewesen, deutsche Kernkraftwerke nur in der Geschwindigkeit und Anzahl abzuschalten, in der man Alternativen zubaut und die Versorgungssicherheit ohne Atomstromimport sicherstellen kann. Ideologie siegte bei der Entscheidung über die Abschaltung von gleich sieben Kernkraftwerken auf einen Schlag über die Vernunft.
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Das Problem der Spannung
Warum schwankt die Spannung in den Netzen?
Entlang einer Stromtrasse gibt es meist mehrere Kraftwerke, die Strom einspeisen, was die Spannung erhöht. Gleichzeitig sind oft Ortschaften oder Industriebetriebe mit derselben Leitung verbunden. Sie ziehen Strom aus dem Netz, was die Spannung senkt.
Wodurch werden die Schwankungen zu stark?
Es kann zum Beispiel vorkommen, dass ein Kraftwerk zwar eine ausreichende Menge Strom produziert, um alle Verbraucher zu versorgen, die über die folgenden 200 Kilometer an eine Leitung angeschlossenen sind. Da aber jeder Verbraucher die Spannung etwas senkt, fällt sie entlang der Leitung immer weiter ab - und droht in zu großer Entfernung vom Kraftwerk unter den Mindestwert zu fallen. Solche Schwankungen müssen ausgeglichen werden - zum Beispiel, indem weitere Kraftwerke, die entlang der Leitung stehen, ihre Stromproduktion erhöhen.
Warum macht der Atomausstieg die Spannungsregulierung schwieriger?
Die Atomkraftwerke, die durch den Ausstieg nach und nach wegfallen, stehen genau dort, wo besonders viel Strom verbraucht wird. Die Wege zwischen Produzenten und Verbrauchern waren also bislang kurz, die Regulierung der Spannung entsprechend leicht. Künftig soll immer mehr Strom von Hochsee-Windparks im Norden Deutschlands produziert werden; Industriegebiete, die besonders viel Strom brauchen, liegen aber meist im Süden der Republik. Die Transportwege für Elektrizität werden also länger, die Regulierung der Spannung komplizierter.


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