Korruptionsstudie Jede vierte deutsche Firma hat mit Betrug zu tun

"Das Problem der Korruption ist auch in deutschen Unternehmen noch lange nicht vom Tisch": Eine neue Studie von Ernst & Young zeigt, wie viel in der Wirtschaft betrogen wird. Das weltweite Ranking der Bestechung.

Gefälligkeit unter Geschäftsleuten: Spitzenreiter Ägypten, Nigeria und Kenia
Corbis

Gefälligkeit unter Geschäftsleuten: Spitzenreiter Ägypten, Nigeria und Kenia


Stuttgart - Korruption bleibt weltweit ein großes Problem: Global sind 39 Prozent der Manager der Meinung, dass Bestechung in ihrem Land an der Tagesordnung ist. Deutsche Top-Manager sehen das Thema Korruption hingegen deutlich gelassener: Nur sechs Prozent von ihnen meinen, dass Betrug und Bestechung in Deutschland ein Problem sei.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die mehr als 2700 Vorstandsvorsitzende, Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance Managements aus 59 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

Mit Ägypten, Nigeria und Kenia belegen drei afrikanische Länder unrühmliche Spitzenplätze im weltweiten Korruptionsranking: Dort liegt der Anteil der Befragten, die Korruption in ihrem Land für üblich halten, bei 100, 88 und 87 Prozent. Am wenigsten verbreitet ist Korruption der Umfrage zufolge in Dänemark und Finnland: Hier geben nur zwei Prozent der Befragten an, Bestechung sei in ihrem Wirtschaftsleben gängig.

In immerhin gut einem Viertel der deutschen Unternehmen wurde in den vergangenen zwei Jahren mindestens ein größerer Betrugsfall aufgedeckt - nur in den Korruptionshochburgen Ägypten, Nigeria, Namibia und Kenia liegt der Anteil noch höher.

96 Prozent mit Antikorruptionsrichtlinien

Die hohe Zahl aufgedeckter Delikte in Deutschland wertet Studienautor Stefan Heißner allerdings nicht als Zeichen grassierender Wirtschaftskriminalität, sondern vielmehr als Indiz für die intensiven Anstrengungen der deutschen Unternehmen, Korruption im eigenen Haus zu verhindern und eventuelle Vorkommnisse tatsächlich aufzuklären. "Das Bewusstsein für die Gefahren, die von Korruption für das eigene Unternehmen ausgehen, ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Viele Unternehmen haben Risikoanalysen zur Korruption durchführen lassen und das Thema durch die Einführung entsprechender Prozesse und Vorgaben entschlossen angepackt".

In diesem Jahr haben beachtliche 96 Prozent der deutschen (und 82 Prozent der globalen) Manager zu Protokoll gegeben, dass es in ihrem Unternehmen Anti-Korruptionsrichtlinien gebe. Und 76 (global: 73) Prozent der Firmen haben Strafen für Verstöße gegen diese Richtlinien festgelegt. Die allerdings sind offenbar vor allem in Deutschland ernst gemeint - hier geben 48 Prozent der Unternehmen an, sie auch verhängt zu haben. International sind es nur 35 Prozent.

Dennoch betont Heißner: "Nach unserer Erfahrung ist das Problem der Korruption aber auch in deutschen Unternehmen noch lange nicht vom Tisch". Gefährdet seien vor allem Unternehmen, die stark im Ausland engagiert sind, so Heißner: "In vielen Ländern ist die Zahlung von Schmiergeldern nach wie vor üblich. Die Manager international agierender Konzerne stehen in solchen Ländern vor erheblichen Herausforderungen: Wenn sie sich an die geltenden Regeln und Gesetze halten, entgehen ihnen Geschäfte - mit der Folge, dass sie womöglich ihre Umsatzziele verfehlen."

Gefahr durch Cyberkriminalität

Als eine Gefahr, die stark an Bedeutung gewinnt, haben viele deutsche Unternehmen Cyberkriminalität identifiziert: 70 Prozent betrachten Computerkriminalität als leichte oder erhebliche Bedrohung für ihr Unternehmen - das sind deutlich mehr als im westeuropäischen (50 Prozent) oder weltweiten Durchschnitt (49 Prozent).

Neben Hackern sehen deutsche Unternehmen in eigenen Angestellten oder Lieferanten eine große potenzielle Gefahrenquelle. Vielfach unterschätzt wird die Gefahr, die vom Organisierten Verbrechen ausgeht, das in Deutschland von nur 34 Prozent und weltweit sogar nur von 25 Prozent der Manager als Gefahr für das eigene Unternehmen identifiziert wird.

Generell hält Heißner das Bewusstsein bei den Unternehmen für die Gefahren der Cyberkriminalität für zu wenig ausgeprägt: "Gerade deutsche Firmen sind attraktive Angriffsziele für Cyberkriminelle: Es gibt überdurchschnittlich viele mittelgroße Unternehmen, die über herausragendes Know-how verfügen und auf ihrem Gebiet eine weltweit führende Rolle spielen - und sich dennoch nur unzureichend vor Datenklau schützen".

mik



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oisndoivnpsdv 17.06.2014
1. Firma
Eine Firma kann nichts mit Betrug zu tun haben, da die Firma lediglich der Name ist, unter dem ein Unternehmen im Handelsregister eingetragen ist. Somit kann höchstens das entsprechende Unternehmen in den Betrug verwickelt sein. In einer Firma können somit auch keine Menschen arbeiten, und man kann auch nicht “in die Firma fahren“.
derandereblick 17.06.2014
2. Indiz ungleicher Einkommensverteilung
Die Angestellten denken sich halt, wenn die Bosse sich die Taschen vollstopfen, warum sollte ich das dann nicht auch tun, nachdem ich immer noch nicht mehr verdiene als schon vor zehn Jahren, mein Chef inzwischen aber das Doppelte? Korruption ist immer ein Indiz für ungerechte Einkommensverteilung in einer Gesellschaft.
discprojekt 17.06.2014
3. Wie jetzt,
die Wirtschaft(sverbaende) hatten bisher H 4 und Arbeitnehmer (Kassenbon) als Betrueger beschuldigt? ??
philemajo 17.06.2014
4. Zusammnehang?
Bzgl. Korruption sind die Unternehmen potentielle Täter und sie versuchen dem Begehen von Straftaten durch ihre Mitarbeiter bzw. der Strafverfolgung vorzubeugen. Bei Cyberkriminalität sind die Unternehmen aber potentielle Opfer. Wie geht das zusammen? ... ohne weitere Erklärung innerhalb eines SPON-Artikels?
wassernixe 17.06.2014
5. Korruption
Nicht Firmen betrügen sondern ausschließlich die Manger, Aufsichtsräte, Vorstände, Abteilungsleiter etc.Sie tun dies auf vielfältige Weise. Das schlimmste aber ist, dass die Korruption, der Betrug, immer wieder von den Politiker/innen gedeckt wird und wenn es nicht anders geht, dann wird halt mal eben ein Gesetz gemacht und der Betrug ist schnell wieder legal. Geht nicht? O doch, denn der Frakitonszwang zwingt die Abgeordneten so abzustimmen, wie die Fraktionsvorsitzenden dies verlangen. Daher haben wir auch keine "parlamentarische" Demokratie sondern ausschließlich eine Diktatur, die als Demokratie im In- und Ausland dargestellt wird. Und solange es Bürger/innen gut geht (wes Brot ich eß, des Lied ich sing) wird so gewählt, wie der Boss es will. Es wundert mich immer wieder, wie schnell die Hochrechnungen im Fernsehen verfügbar sind. Da sind die Wahllokale gerade geschlossen und in der nächsten Minute stehen die Zahlen zur Verfügung. Und das soll mit rechten Dingen zugehen? Und wen man fragt, komischerweise will die CDU in der BRD keiner gewählt haben und trotzdem haben die die Mehrheit der Stimmen. Und die Wirtschaft profitiert davon! Die Unternehmer produzieren im Ausland. Sie versklaven dort die Leute. Eines Tages werden die uns die Rechnung präsentieren, aber der gesamten deutschen Bürgerschaft. Und die Politiker/innen, Unternehmer/innen, Manager/innen haben "nichts damit zu tun gehabt", alles geschah im Namen des "deutschen Volkes". Blß: keine/r will das, keine/r will die und trotzdem sind die da. Der gesamte Bundestag ist korrupt und nur weil dies so ist, kann der Betrug in den Unternehmen so gut gedeihen!
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