Studie Nachhaltige Fonds investieren in Waffen und Atomkraft

Sie versprechen Anlegern, ethische, soziale und ökologische Grundsätze zu beachten. Doch laut einer neuen Studie stecken Nachhaltigkeitsfonds ihr Geld auch in moralisch fragwürdige Unternehmen. Es fehlt ein klar definierter Mindeststandard.


Hamburg - Sogenannte nachhaltige Fonds investieren Geld von Privatanlegern auch in Kapitalanlagen, die allgemein nicht als ökologisch, sozial oder ethisch gelten. So hätten zum Beispiel neun von zehn untersuchten nachhaltigen Fonds Geld "direkt oder indirekt" auch bei Rüstungsfirmen investiert, heißt es in einer nicht repräsentativen Untersuchung, die die Grünen-Bundestagsfraktion am Dienstag veröffentlichte. Autor ist der Wirtschafts- und Finanzjournalist Jochen Bettzieche.

Ein Fonds werbe etwa mit dem Verzicht auf Investitionen in Kernkraft, habe aber Geld in einen Konzern gesteckt, der an einem Atomstrom-Produzenten beteiligt sei. Jeder der zehn untersuchten Aktienfonds habe in den Bereich Öl und Gas investiert. Bei diesen Investitionen sei die komplette Bandbreite der Öl- und Gasproduktion und -vermarktung abgedeckt worden: von Tiefsee-Bohrungen, der Förderung von Ölsanden, dem Bau von Kraftwerken bis hin zur Versorgung von Endkunden.

Das Problem ist laut Bettzieche, der seit 1999 über nachhaltige Geldanlagen berichtet, dass viele Nachhaltigkeits-Rankings mit Umsatzschwellen arbeiten. Dabei werden kritische Geschäftsfelder zugelassen, solange sie nur einen bestimmten Teil vom Umsatz ausmachen. Oft liege diese Schwelle bei fünf Prozent. Das heißt: Wenn ein Unternehmen nun fünf Prozent seines Umsatzes mit Rüstungsgütern erwirtschaftet, fünf Prozent im Bereich Kernenergie, fünf Prozent im Sektor Öl und Gas sowie weitere fünf Prozent beispielsweise mit grüner Gentechnik, dann kommen schnell mal 20 Prozent zusammen - und dennoch gilt der Anbieter als nachhaltig.

"Da haben Waffen nichts zu suchen"

Für Anleger sei es ein Problem, dass heute "kein einheitlicher Mindeststandard" gelte, was bei Geldanlagen unter nachhaltig zu verstehen sei. Zudem sei das Angebot entsprechend beworbener Fonds groß und "äußerst unübersichtlich". Anlegern bleibe "nichts anderes übrig, als jeden Fonds selbst genau anzuschauen". Dies bedeute aufgrund des großen Angebots einen hohen Zeitaufwand.

"Wo Nachhaltigkeit draufsteht, muss auch Nachhaltigkeit drin sein", sagte Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick. "Waffen und Atomkraft haben in einem Nachhaltigkeitsfonds nichts zu suchen." Zwar sei das wachsende Interesse von Menschen an nachhaltigen Geldanlagen positiv. Doch gerade deshalb müsse das Vertrauen in solche Investitionen gestärkt werden. Schick fordert nun Mindestkriterien, die als nachhaltig beworbene Fonds erfüllen müssen.

cte/AFP



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krueger-kassissa 16.04.2012
1. Standards für nachhaltige Geldanlagen gibt es bereits
Zitat von sysopSie versprechen Anlegern, ethische, soziale und ökologische Grundsätze zu beachten. Doch laut einer neuen Studie stecken Nachhaltigkeitsfonds ihr Geld auch in moralisch fragwürdige Unternehmen. Es fehlt ein klar definierter Mindeststandard. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,826589,00.html
Die Studie der Grünen blendet leider völlig aus, dass es ein klares Votum von nachhaltig orientierten Anlegern, was nachhaltig ist und was nicht, bereits gibt. Ein im Artikel beschriebenes Tippen im Dunkeln ist also nicht zutreffend wie man an den Umfrage-Ergebnissen von ECOSTAMP sehen kann.
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