Branchenstudie: Plagiate kosten Maschinenbauer acht Milliarden Euro
Deutsche Maschinenbauer erleiden jedes Jahr Milliardenverluste wegen gefälschter Produkte. Laut einer Schätzung des Branchenverbands VDMA ist China die Hochburg der Plagiatoren - doch den zweiten Platz belegt Deutschland selbst.
Frankfurt am Main - Jedes Jahr stoßen viele deutsche Maschinenbauer auf Fälschungen ihrer eigenen Produkte - vor allem auf Messen oder im Internet, aber auch Auftraggeber machen sie häufig auf Kopien aufmerksam. Besonders problematisch ist es, wenn Hersteller für Reklamationen oder Sicherheitsmängel von Plagiaten ihrer Produkte geradestehen sollen. Laut einer Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) passiert das immer wieder. Zum Umsatzausfall kommen dann auch Imageeinbußen, Verlust des Marktvorsprungs oder Regressanforderungen.
Allein den Umsatzverlust schätzt der Verband für 2011 auf 7,9 Milliarden Euro - 24 Prozent mehr als 2009 und damit ein Rekord. Ein Umsatz dieser Höhe entspricht dem VDMA zufolge 37.000 Arbeitsplätzen in der Branche. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen sind der Umfrage zufolge von Produktpiraterie betroffen. Zwei Jahre vorher waren es 62 Prozent. Seit 2003 befragt der Verband seine Mitgliedsunternehmen alle zwei Jahre zu Produkt- und Markenpiraterie.
Komponenten und ganze Maschinen wurden häufiger kopiert als Ersatzteile oder das Design. Am meisten traf es Hersteller von Textilmaschinen, Verdichtern, Druckluft- und Vakuumtechnik sowie Bekleidungs- und Ledertechnik. Große Unternehmen sind häufiger betroffen, aber auch vor dem Mittelstand machen die Produktfälscher keinen Halt.
Die mit Abstand meisten Plagiate kommen der Studie zufolge immer noch aus China. Deutschland wurde als Herkunftsland von den Maschinen- und Anlagenbauern am zweithäufigsten genannt. Mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Produkte bereits mindestens einmal in der Bundesrepublik gefälscht wurden.
China bleibe auch weiterhin der größte Einzelmarkt für Fälschungen. Erstmals sind die kopierten Produkte nach Angaben der befragten Unternehmen aber hauptsächlich für den Weltmarkt bestimmt - werden also produziert, um global verkauft zu werden. 86 Prozent der Unternehmen zufolge ist die Bedrohung gestiegen.
Viele Hersteller unternehmen nichts gegen Fälscher
Die Unternehmen versuchen aber, sich zu schützen. Mehr als drei Viertel der Unternehmen melden Patente oder Marken an. 40 Prozent setzen Produktkennzeichnungen wie Hologramme, DataMatrix-Codes oder RFID-Funketiketten ein. Wichtig sei es aber auch, Kooperationspartner sorgfältig auszuwählen und Know-how durch Geheimhaltung zu schützen. Die Entwicklung eigener Sicherheitsmaßnahmen sei aber stark rückläufig, kritisierte der VDMA. Unternehmen setzten vermehrt auf am Markt erhältliche Standards.
Auch wenn sie Plagiate ihrer Produkte entdecken, ergreifen viele Hersteller keine Maßnahmen. 44 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie in mindestens einem Fall nicht reagiert hätten. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen blieben oft tatenlos.
In Zeiten des Internets wüssten die Unternehmen ja oft nicht, wer hinter den Fälschungen stecke, sagte Steffen Zimmermann vom VDMA, Autor der Studie. Plagiatoren würden sich aber oft dieselben, nämlich die erfolgreichsten Originale suchen. Ein einzelnes Unternehmen könne dadurch schnell geschwächt werden. Betroffene sollten daher unbedingt aktiv werden und so zeigen, dass sie bei Produktpiraterie handeln. Auch in China gerichtlich vorzugehen, sei nicht mehr ganz aussichtslos, sagte Zimmermann. Viele bekämen mittlerweile recht. Aber Schadensersatzzahlungen und die Einstellung des Geschäfts durchzusetzen, da gebe es nach wie vor Nachholbedarf.
sys
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