Bahn Eidechsen-Umsiedlung für Stuttgart 21 kostet Millionen

Mehrere tausend Euro pro Tier: Die Umsiedlung von streng geschützten Zauneidechsen für das Großprojekt Stuttgart 21 wird teuer für die Bahn.

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Seit mehr als zwei Jahren weiß die Bahn, dass an einem Bauplatz für die ICE-Trasse Stuttgart-Ulm streng geschützte Zauneidechsen leben und dass sie umgesiedelt werden müssen. Jetzt gibt es auch Klarheit über die Kosten: Rund 15 Millionen Euro wird der Eidechsen-Umzug für das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 nach Angaben der Bahn kosten.

Bei Wendlingen wurden in den vergangenen Wochen 200 streng geschützte Zauneidechsen von einem Bauplatz für die ICE-Trasse eingesammelt, wie die Bahn am Dienstag mitteilte. 250 solche Reptilien werden dort vermutet. Auch in Stuttgart-Untertürkheim müssen Tiere umgesiedelt werden, dort sind es gut 6000 Mauereidechsen. Den Start der Bauarbeiten in Wendlingen hätten die Tiere schon um 18 Monate verzögert, sagte Projektsprecher Jörg Hamann.

Experten fingen die Kriechtiere mit einer an einer Rute befestigten Schlinge. Sie werden zehn Kilometer weiter wieder angesiedelt. Durch Planung, Gutachten, Monitoring, Fang und Grunderwerb koste die Umsiedlung einer Eidechse zwischen 2000 Euro und 4000 Euro, hieß es. Naturschützer mahnten derweil eine bessere Planung an: Artenschutz müsse nicht so teuer sein, wenn man rechtzeitig daran denke, sagte der Landeschef des Naturschutzbundes Nabu, Johannes Enssle.

nck/dpa



insgesamt 156 Beiträge
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xenoxx 09.05.2017
1. Umweltschutz paradox
Nun mag es ja für die Eidechsen sehr komfortabel sein, wenn Menschenhand ihnen beim Umzug in ein neues Quartier behilflich ist. Andererseits frage ich, wie viele Bahntrassen, Talsperren, Brücken, Strassen, schiffbare Flüsse wohl heute zur Verfügung stünden, wenn unsere Gross- und Urgrossväter einen ähnlichen Wirbel veranstaltet hätten.
stefan.martens.75 09.05.2017
2. Blockierer ist das richtige Wort
Es sind fast alles Alibiklagen! Ich würde mal schätzen das 99% solcher Klagen rein gar nichts mit Naturschutz zu tun haben. Das ist reiner Bauprojektschutz von genervten Anwohnern oder Ideologen.
smaturin 09.05.2017
3. So einen teuren Schwachsinn...
gibt es auch nur in Deutschland... Aber da kann ja auch ein seit zwei Jahren verlassener Adlerhorst einen Autobahnbau auf Jahre stoppen... Könnte ja eventuell vielleicht möglicherweise irgendwann mal wieder ein Adler kommen...
Timöre 09.05.2017
4.
Hätte man die Umweltplaner frühzeitig in die Entwurfsplanung einbezogen, hätte man frühzeitig von diesen Populationen gewusst und umplanen können. Dies wäre bereits im Zuge eines Screenings als Bestandteil einer Umweltverträglichkeitsprüfung oder im Zuge einer FFH-Verträglichkeitsprüfung herausgekommen. Solche Kosten sind genau die Folgen wenn man die Umweltgesetze nicht ernst nicht. Selber Schuld!
ansv 09.05.2017
5.
Ich bin gespannt was rauskommt, wenn die Kostenkalkulation jemals öffentlich wird. Denn bei der Aufzählung "Planung, Gutachten, Monitoring, Fang und Grunderwerb" habe ich spontan das Gefühl "Fang" macht hier den geringsten Anteil aus.
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