Suche nach der Exit-Strategie Notenbanken kämpfen gegen Geldflut

Monatelang haben sie die Märkte mit Billionen geflutet - nun würden die Notenbanken die Geldschwemme gern wieder eindämmen. Doch die Exit-Strategie birgt enorme Risiken für die Weltwirtschaft.

Von Simon Hage

Wall-Street-Händler: Die Geldmassen werden zum Risiko für die Weltwirtschaft
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Wall-Street-Händler: Die Geldmassen werden zum Risiko für die Weltwirtschaft


Hamburg - Eine Eins mit zwölf Nullen: So sieht die amerikanische Geldflut aus. Mehr als eine Billion Dollar hat die Notenbank Fed bereits in die krisengeplagte Finanzwirtschaft gespült, indem sie Wertpapiere aufkaufte - darunter auch US-Staatsanleihen. Der Staat erwarb seine eigenen Schuldscheine und drückte damit die langfristigen Zinsen künstlich nach unten. Überdies senkte die Fed den Leitzins derart großzügig, dass Banken sich bis heute Geld zum Nulltarif leihen können.

Die Bank of England (BoE) folgte diesem Vorbild. Sie senkte den Leitzins in der Krise auf 0,5 Prozent und kaufte Staatsanleihen für 175 Milliarden Pfund. Damit nicht genug: Angesichts der schweren Rezession dehnten die Briten ihr offensives Rückkaufprogramm Anfang November noch einmal aus - um weitere 25 Milliarden Pfund. Ein gefährliches Spiel. Denn inzwischen hält die Notenbank fast ein Drittel des Gesamtbestands an britischen Staatsanleihen. Damit macht sie den Ausstieg immer komplizierter: Mit einem massenhaften Verkauf würde die BoE wohl ein Marktbeben auslösen.

Notenbanken rund um den Globus eint derzeit ein gemeinsames Schicksal: Sie haben dem globalen Finanzsystem Billionen an Liquidität zur Verfügung gestellt. Geldmassen, die zum ernsthaften Risiko für die Stabilität der Weltwirtschaft werden könnten. Denn zu viel Geld bläht die Nachfrage künstlich auf, treibt die Preise in ungesunde Höhen.

"Je länger die Banken warten, desto schlimmer könnte es werden"

An einzelnen Märkten sind solche Entwicklungen schon heute zu beobachten: Der Ölpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 50 Prozent gestiegen. Und auch die derzeitige Börsen-Hausse ist nicht zuletzt ein Ergebnis der Geldschwemme. "Je länger die Notenbanken abwarten und je mehr sie in den Markt pumpen, desto schlimmer könnte der spätere Rückschlag werden", warnt Joe Saluzzi, US-Börsenexperte und Gründer des Wertpapierhändlers Themis.

An einem Ausstieg führt also kein Weg vorbei. Doch der Exit dürfte sehr schwer werden. Denn in der Hochphase der Krise haben die Zentralbanker neben Zinssenkungen auch eine Reihe unkonventioneller Maßnahmen ergriffen, die sich nur schwer revidieren lassen.

Beispiel Europäische Zentralbank: Noch vor der Krise verlieh die EZB nur begrenzte Mengen an Geld, und nur für eine Laufzeit von einer Woche oder drei Monaten. Der Preis für das Zentralbankgeld, der Zins, bildete sich je nach Nachfrage. Nach der Lehman-Pleite lockerte die Notenbank die Zügel, vergab unbegrenzt Barmittel mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr - und das zu einem festgelegten, rekordniedrigen Zins.

Nun will die EZB gegensteuern. Sogenannte Jahrestender soll es ab 2010 nicht mehr geben, im Juni steht eine Rückzahlung von satten 442 Milliarden Euro an. Marktbeobachter erwarten, dass die Notenbank bald auch keine Geschäfte mit drei- und sechsmonatigen Laufzeiten mehr abschließen wird. Sobald die Mittel fällig werden, würde die Liquidität am Markt automatisch reduziert. Analysten nennen diesen Kniff "Ausstieg durch Nichtstun".

Höhere Zinsen könnten Inflation verhindern

Doch mit der Streichung einiger Liquiditätsprogramme wird es wohl kaum getan sein. Schon im Frühjahr, erwarten Experten, müsste die EZB radikalere Maßnahmen ergreifen. Zunächst könnte sie die Größe der zu vergebenden Geldpakete wieder begrenzen, im nächsten Schritt einen variablen Preis dafür verlangen. Darüber hinaus, prognostizieren Experten der Commerzbank, dürfte die EZB das umlaufende Kapital zu verknappen versuchen, indem sie Schuldverschreibungen ausgibt. Das Resultat: Steigende Marktzinsen könnten einer Inflation entgegenwirken.

Dann müsste die nächste Stufe des Ausstiegs folgen: eine schrittweise Erhöhung des Leitzinses. Eine erste Anhebung erwartet Elga Bartsch, Europa-Chefvolkswirtin bei Morgan Stanley, Mitte 2010. Doch für eine solche Entscheidung benötige die EZB "ein vernünftiges Maß an Zuversicht, dass die Wirtschaftserholung nachhaltig ist". Schwächelt die Ökonomie auch im kommenden Jahr, wird die Zentralbank den Schritt weiter hinauszögern müssen.

Die Lage der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte sei derzeit noch sehr unsicher, warnt Bartsch: Schon kleine Änderungen der Geldpolitik, so die Analystin, könnten den Markt erheblich beeinflussen.

Kein Ende der Geldflut in Sicht

Bartsch erinnert an das Jahr 1987, als die Deutsche Bundesbank mit einem geringfügigen Eingriff weltweit für Verunsicherung sorgte: Die Frankfurter Notenbanker erhöhten den Zinssatz für kurzfristige Finanzierungsinstrumente, sogenannte Repos, um gerade einmal 0,1 Prozentpunkte. Dieser Schritt wurde in den USA als Angriff auf die Stabilität des Dollar gedeutet - und trug letztlich zu einer Talfahrt des US-Aktienmarktes bei.

Im Angesicht solcher Risiken scheuen einige Notenbanken den Stopp der Geldschwemme. Die US-Notenbank Fed will zwar ihre Rückkaufprogramme für Staatsanleihen auslaufen lassen. Hingegen werde der Leitzins "noch für einen längeren Zeitraum außerordentlich niedrig" bleiben.

Noch offensiver agieren die Londoner Notenbanker: Die BoE verkündete unlängst, es sei "komplett offen, ob wir weitere Wertpapiere aufkaufen oder nicht".

Mit anderen Worten: Der Markt ist bereits überschwemmt, doch das Geld fließt weiter.

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Forum - Schüren Konjunkturprogramme die Inflation?
insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Kleinlok 12.04.2009
1.
Zitat von sysopIm Kampf gegen die Rezession geben Regierungen und Notenbanken Billionenbeträge aus. Steigt durch die Konjunkturprogramme die Inflationsgefahr? Diskutieren Sie mit!
Nein. Viele haben weniger als früher und die Nachfrage schleppt. Höhere Preise wären das Aus für die Globalwirtschaft. Langfristig kommen wir zwar nicht darum: Die überschüssigen Billionen bzw. Trillionen auf diesem Planeten können in die Tonne. Nur das müssen die wenigen kapieren, den dieser Überfluss gehört. Die Gelder aller zu entwerten( ide noch so etwas wie Geld kennen) wäre das klare Aus für allle. Gruss kleinlok
chirin 12.04.2009
2. Schüren Konjunkturprogramme die Inflation?
Zitat von sysopIm Kampf gegen die Rezession geben Regierungen und Notenbanken Billionenbeträge aus. Steigt durch die Konjunkturprogramme die Inflationsgefahr? Diskutieren Sie mit!
Ja, natürlich,abgesehen davon, daß ganze Branchen durch die angeblichen Konjunkturprogramme in Deutschland kaputt gemacht werden, gehen die Deutschen ins EU-Umland um Autos zu kaufen. Auch ein Teil der Banken sollte pleite gehen, denn es ist völlig unverständlich, dass diese Banker, die sich sonst als allwissend hinstellten, so dumm waren oder sich selbst bedient haben und diese Krise mit verursachten. Weshalb soll ich mit meinen Steuergroschen diese Versager unterstützen? Wo kommen überhaupt die Billionenbeträge her? Haben wir neue Druckmaschinen? Wenn wir soviel Billionen plötzlich haben, war dann dieses "sparen bis zum quietschen" gelogen oder sind wir in Wirklichkeit p l e i t e ? Im kommendem Jahr wird dann die Autobranche stagnieren und andere (die Zulieferer) mit ihnen. Die Entlassungswelle ist nur verschoben aber nicht aufgehoben und dann weiß man auch nicht, ob die derzeit gekauften Autos überhaupt von den Käufern bezahlt werden können? Aber man kann ja - wie bei den amerikanischen Null-Immobilien - die nicht bezahlten Autos wieder schönrechnen und als "Gewinn" ausweisen.
kleenermann 12.04.2009
3. Inflation ist unausweichlich
Ich denke, mittel- oder langfristig ist eine starke Inflation unausweichlich, da die überbordenden Staatsschulden so hoch sind das sie nur "weginflationiert" werden können. Diese Schulden auf herkömmlichen Weg zu begleichen halte ich für unmöglich.
Adran, 12.04.2009
4.
Steinbrück nutzt das Argument, dass Inflation entstehn kann, nur um damit zu verhindern, dass man neue Konjunkturprogramme verlangt, und schafft es auf die Art höchstens, dass wir eine ausgedehnte Deflation bekommen können. Wenn er will..
elwu, 12.04.2009
5. Gibt es
eine Vorher/Nachher-Vergleichsliste, welche von Politikern, Managern und Wirtschafts- oder sonstigen 'Weisen' aufgestellte Spekulationen, Studien, Meinungen etc. über künftige Entwicklungen an den Realitäten misst? Meinen Eindruck, dass sich die 'Experten' in der großen Mehrzahl der Fälle mit ihren Prognosen sehr irrt, kann ich zwar nicht mit Fakten untermauern. Aber er ist sehr stark. Und mein Eindruck sagt, dass die allermeisten, von wem auch immer erstellten Prognosen über Arbeitslosenzahlen, Steuereinnahmen, Wirtschaftswachstum, Inflationsraten uswusf. sich im nachhinein als weitab von den tatsächlichen Entwicklungen erwiesen. Ich nehme an, dass diese Irrungen daran liegen, dass die Prognosen sämtlich auf statistischen Fortschreibungen vergangener Daten beruhen. Und daher enorm empfindlich sind gegenüber größeren Ereignissen an den Enden der gauss'schen Glockenkurve. NNTaleb und der Schwarze Schwan lassen grüßen.
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