Südafrika: Minenkonzern plant 14.000 Entlassungen

Massenstreiks und blutige Arbeitskämpfe waren vorausgegangen: Der weltweit größte Platinproduzent Anglo American will in Südafrika 14.000 Jobs streichen - und begründet dies mit mangelnder Rentabilität. Neue Auseinandersetzungen stehen bevor, der Platinpreis stieg an.

Streikende Minenarbeiter (Archivbild): Mangelnde Profitablität beklagt Zur Großansicht
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Streikende Minenarbeiter (Archivbild): Mangelnde Profitablität beklagt

Johannesburg - Ein Ende der heftigen Arbeitskonflikte in Südafrika ist nicht in Sicht: Der weltgrößte Platinförderer Anglo American Platinum will Minen stilllegen und 14.000 der rund 57.000 Mitarbeiter entlassen. Ein knappes halbes Jahr nach blutigen Arbeitskämpfen mit rund 50 Toten riskiert das Unternehmen neuerliche Massenstreiks. In einer Mitteilung von Amplats, der Tochter des Rohstoffkonzerns, wird die mangelnde Profitabilität beklagt.

Südafrikas Regierung verurteilte die Pläne des Platinkonzerns scharf und sprach von einem Alleingang des Konzerns ohne Absprachen. Amplats eigne sich die Bodenschätze des Landes an, entziehe sich aber der sozialen Verantwortung und einem Beitrag zum Wirtschaftswachstum des Landes, sagte Bergbauministerin Susan Shbangu. Die Regierung werde jetzt genau untersuchen, ob Amplats mit seinen überraschenden Maßnahmen nicht gegen seine vertraglichen Verpflichtungen verstoße. Arbeitsministerin Mildred Oliphant forderte neue Verhandlungen zwischen den Tarifparteien.

Die Gewerkschaften reagierten empört. "Wir sind sehr schockiert", sagte der Sprecher der Nationalen Minengewerkschaft, Lesiba Seshoka. "Wir fordern von den Arbeitnehmern nun Einigkeit und Disziplin, um gemeinsam mit der Betriebsverkleinerung umzugehen."

Am stärksten würde es nach Angaben des Unternehmens den Standort Rustenburg mit 13.000 Arbeitern treffen. Das neue jährliche Platin-Förderziel wurde auf 2,1 bis 2,3 Millionen Unzen pro Jahr korrigiert. Das würde eine Reduzierung um 400.000 Unzen bedeuten. Der Platinpreis Chart zeigen stieg auf dem südafrikanischen Rohstoffmarkt am Dienstag um mehr als zwei Prozent. In Südafrika gibt es etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platin-Reserven.

Insgesamt will der Konzern die jährlichen Aufwendungen um 327 Millionen Euro senken und Investitionen zurückfahren. 2011 war der Gewinn des Unternehmens trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums um 28 Prozent gefallen. Der Bergbaukonzern steuerte zuletzt rund 40 Prozent zur weltweiten Platin-Förderung bei. Dennoch ist die Gewinnmarge des Unternehmens nur halb so hoch wie im Durchschnitt des Branche. Amplats hatte zuletzt unter anderem mit gestiegenen Löhnen und höheren Energiekosten zu kämpfen. Zudem war die Nachfrage nach Platin eher schwach: das Metall wird unter anderem bei Diesel-Fahrzeugen benötigt und auf dem wichtigen Absatzmarkt Europa für diese Autos sah es zuletzt mau aus.

Amplats erklärte, ohne die jetzt angekündigten Schritte stünden das Unternehmen und weitere 45.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. In der Mitteilung des Unternehmens wird allerdings auch angekündigt, dass es Neueinstellungen von 14.000 Mitarbeitern in neuen Bereichen plane.

In Rustenburg hatten die Arbeitgeber 2012 nach heftigen Arbeitskämpfen die Löhne zum Teil deutlich erhöht. Amplats hatte die Streiks als illegal bezeichnet und deshalb zwischenzeitlich 12.000 Arbeiter entlassen. Die Streiksdamals waren Teil von Arbeitskämpfen in vielen Minen des Landes. Bei Polizeieinsätzen und Gewalttaten von Arbeitern kamen insgesamt mehr als 60 Menschen ums Leben.

Bei einem Streik im August 2012 hatte die Polizei das Feuer auf eine Gruppe von rund 3000 Minen-Arbeiter des Anglo-Rivalen Lonmin eröffnet und 34 von ihnen getötet. Es war der härteste Polizeieinsatz seit dem Ende der Apartheid 1994.

Der Polizeiminister hatte den Einsatz als Notwehr bezeichnet, da aus der Menge heraus auf die Beamten geschossen worden sei. Bei den Protesten damals war es vor allem um den Streit zweier rivalisierender Gewerkschaften gegangen.

lei/dpa/Reuters

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