Zahlungen an Gupta-Familie SAP gesteht Fehlverhalten in Südafrika ein

Um sich staatliche Aufträge zu sichern, soll Softwarehersteller SAP in Südafrika Mittelsmännern überhöhte Kommissionen gezahlt haben. Das Unternehmen gibt "Unregelmäßigkeiten" zu - und zieht Konsequenzen.

Bill McDermott, Vorstandsvorsitzender von SAP
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Bill McDermott, Vorstandsvorsitzender von SAP


Gut ein halbes Jahr nach dem Bekanntwerden von Korruptionsvorwürfen gegen SAP in Südafrika hat der deutsche Softwarehersteller Unregelmäßigkeiten eingeräumt. Dabei soll es um die Sicherung von Staatsaufträgen im Wert von mehr als 50 Millionen Euro gegangen sein. Auch die Gupta-Familie, die eng mit dem ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma verknüpft ist, war in die Deals involviert.

Eine Untersuchung der fragwürdigen Kommissionszahlungen für Geschäfte mit staatlichen Unternehmen habe "Anzeichen von Fehlverhalten" zu Tage gebracht, teilte SAP mit. Es habe "Unregelmäßigkeiten" gegeben, SAP habe aber zu keinem Zeitpunkt direkt Zahlungen an Mitarbeiter der staatlichen Unternehmen oder Regierungsvertreter geleistet.

Zahlungen an die Gupta-Familie

SAP wurde vorgeworfen, seit 2014 unüblich hohe Kommissionen an politisch vernetzte Firmen gezahlt zu haben, um sich bei staatlichen Unternehmen Aufträge zu sichern. Dabei geht es um Kommissionen von rund 113 Millionen Rand (derzeit rund 8 Millionen Euro).

Die Empfänger waren Firmen der politisch bestens vernetzten Unternehmerfamilie Gupta. Die Brüder gelten als enge Freunde des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma. Sie stehen im Zentrum eines Korruptionsskandals, der seit Monaten das Land erschüttert. Zuma trat im Februar zurück.

Keine Kommissionen in korrupten Ländern mehr

Im Zuge von Ermittlungen war SAP bereits vergangenen Sommer gegen drei für die Geschäfte mit Südafrikas Energieversorger Eskom und dem Logistikunternehmen Transnet verantwortliche Manager disziplinarisch vorgegangen. Inzwischen schieden sie ohne Abfindung aus dem Unternehmen aus.

Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf teilte mit, Konsequenzen gezogen zu haben und inzwischen keine Provisionszahlungen bei öffentlichen Aufträgen in Ländern mit hohem Korruptionsrisiko zu tätigen.

Zudem seien die Compliance-Prozesse komplett überarbeitet worden. In der kommenden Woche will der Konzern einen neuen Chef für das Südafrika-Geschäft ernennen.

Die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium ermitteln wegen der Vorgänge in Südafrika weiter, erklärte das auch an der Börse in New York notierte Unternehmen. SAP Chart zeigen ist der größte europäische Softwarehersteller und gehört zu den 30 Dax Chart zeigen-Unternehmen.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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denkpanzer 08.03.2018
1. Tradition
In Südafrika hat es Tradition sich an der Korruption zu beteiligen. Also SAP: Alles richtig gemacht.
oldman2016 08.03.2018
2. Geld regeiert die Welt
Das ist doch Munition für Donald Trump: Schaut her die Deutschen bestechen die Südafrikaner, damit unsere viel besseren Softwareproddukte nicht gekauft werden. Bravo SAP!
panzerknacker 51 08.03.2018
3. Drittwelt-Phänomen
In der ganzen Dritten Welt muß geschmiert werden, um an Aufträge zu gelangen. Jeder weiß das, und alle spielen die Empöhrten; reinweg lächerlich.
Ottokar 08.03.2018
4. Was soll die Aufregung
SAP hat sich nur in Geschäftsgebaren der oberen Klasse und der Politiker in SA eingefügt. Bei SAP waren es Millionen und beim Bürgermeister (Major) reicht schon ein neues Auto...........
fue#rth 08.03.2018
5. muss man als grosse weltfirma immer und überall
noch grösser werden wollen? jeder weiss in bestimmten Regionen geht das nur mit schmiergeld. das verstösst aber gegen meine Compliance Regeln. also, warum gehe ich dann überhaupt in diesen Markt. dann lasse ich den links liegen. dann bin ich halt ein bischen kleiner und mein Eigentümer bekommt ein bischen weniger Dividenden. früher hat das niemanden interessiert, denn nur wer gut schmiert, der gut fährt war das Moto aller Beteiligten. erst die politische correctness führte zu dem scheinheiligen heute. jeder weiss es, aber jeder tut so, als wenn er nix damit zu tun hätte. lächerlich.
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