Umfrage zum Konsumverhalten Frauen greifen häufiger zu Biomilch

Verbraucher in Deutschland schätzen die Milch - und halten laut einer Umfrage auch höhere Preise für angemessen. Bio ist demnach bei einigen wenigen Gruppen besonders angesagt.

Kuhstall in Kleve
Jasper Bastian

Kuhstall in Kleve


Über den Alltag der Superkühe Emma, Connie und Uschi berichten WDR und SPIEGEL ONLINE seit Wochen. Livestreams geben Einblick über das Leben auf den Höfen. Und die Konsumenten? Viele von ihnen wären bereit, für ihre Milch mehr Geld zu bezahlen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE ergeben.

Rund 49 Prozent der Teilnehmer der Umfrage halten demnach für konventionell erzeugte Milch Preise von mehr als einem Euro pro Liter für gerechtfertigt - eine bedeutsame Preisschwelle. Unter ihnen wollten 6,4 Prozent sogar 1,50 Euro oder mehr pro Liter ausgeben:

Bei Biomilch war die Bereitschaft, mehr zu bezahlen noch größer. 16 Prozent fänden Preise von 1,50 Euro und mehr für einen Liter Ökomilch angemessen:

Bei konventionell wirtschaftenden Bauern kommt von diesen Summen derzeit laut Branchenverbänden im Schnitt etwa 36 Cent an, bei Biobetrieben sind es rund 48 Cent. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer an der Umfrage glaubt jedoch, dass es für die konventionellen Bauern noch weniger als 20 Cent sind - so niedrig wurde zuletzt in der Milchpreiskrise 2015/16 gezahlt.

Zur teureren Biomilch greifen in Deutschland trotz dieser Ahnung um die Kampfpreise auf dem konventionellen Milchmarkt noch immer wenige. Zwar stieg laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) im ersten Halbjahr 2017 die Nachfrage um 12,8 Prozent. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung lag der Anteil an Biomilch unter der insgesamt in Deutschland produzierten Menge 2016 allerdings nur bei rund zweieinhalb Prozent - rund ein Drittel der in Deutschland verbrauchten Biomilch muss laut AMI aus dem Ausland importiert werden. (Lesen Sie hier mehr zum Öko-Boom.)

Superkühe - das Experiment
  • DPA
    Drei Kühe, 30 Tage, viele Daten: Das Projekt "Superkühe" verleiht drei Milchkühen eine Stimme. Über Sensoren, Tagebuch und Chatbot kann jeder ihren Alltag mitverfolgen. SPIEGEL ONLINE ist Projektpartner und widmet sich Fragen rund um die Milch: Wie lebt eine Milchkuh? Wie gesund ist Milch? Und was zeigen die Daten aus dem Experiment?

    Hier geht es zur Projektseite auf SPIEGEL ONLINE und zur Website des Projekts

Unter denen, die im Supermarkt häufig oder sehr häufig Biomilch kaufen, ist laut der Umfrage für SPIEGEL ONLINE die Altersgruppe 30 bis 39 stark vertreten - auch jene, die die Grünen wählen wollen sowie Frauen greifen häufiger zu. Kaufkraft dagegen spielt demnach eine geringere Rolle.

Außer der Frage nach der Produktion ist den Verbrauchern auch eine bestimmte Marke wichtig. Mit 14,1 Prozent achten darauf sogar noch mehr Menschen als auf den Preis (13,4 Prozent).

Die Frage, ob die Milch in einer Privatmolkerei oder einer genossenschaftlichen Molkerei verarbeitet wurde, spielt für die Käufer laut Umfrage dagegen eine untergeordnete Rolle. Die meisten Teilnehmer haben wohl auch zumindest in etwa eine Vorstellung von dem, wie Landwirtschaft funktioniert - 55,2 Prozent gaben an, innerhalb der vergangenen Woche eine lebende Kuh aus der Nähe gesehen zu haben.

apr

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GoaSkin 19.09.2017
1. Bio alleine ist nicht fair
Es gibt im Supermarkt Bio-Milch und Solche, die damit wirbt, dass Bauern fair entlohnt werden. Gibt es (mal wieder) einen Milchpreisverfall, so ist es sehr auffällig, dass nicht nur die Preise für die Discount-Milch nach unten gehen, sondern beispielsweise die Preise für die Alnatura-Milch mit nach unten gehen. Dabei muss man sich allerdings um so mehr vor Augen führen, dass biologisch und fair zwei unterschiedliche Begriffe sind und das Eine das Andere nicht mit einschließt.
hansriedl 19.09.2017
2. Milch und Fleisch: Bio ist besser
Wer schon mal die Gelegenheit hatte, natürliche Kuhmilch beim Bauer zu trinken kennt den Unterschied zu den Gesöff was der Handel billigst anbietet. Bio-Milch und Bio-Fleisch: mehr Omega-3-Fettsäuren Mehr Omega-3-Fettsäuren – weniger Krankheiten Chris Seal, Professor für Lebensmittel und Humanernährung an der Newcastle University erklärt dazu: "Omega-3-Fettsäuren reduzieren sämtliche Risikofaktoren, die zu Herz-Kreislauf-Problemen führen würden, verbessern neurologische Funktionen (bei Kinder die neurologische Entwicklung) und sorgen für ein starkes Immunsystem. Wie ist es beim Fleischkonsum. Industrielle Schweinemastanlage, Hühnerfarmen liefern Antibiotika gleich gratis mit. "Die Agrarindustrie setzt viel zu sorglos Antibiotika in den Ställen ein" Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben jährlich rund 700.000 Menschen weltweit durch resistente Keime. Blutfarmen in Südamerika produzieren aus dem Blut trächtiger Stuten – oft unter Tierquälerei – ein Hormon, das in der europäischen Schweineproduktion eingesetzt wird. Obwohl die Herstellung extrem umstritten ist, bleibt die EU-Kommission bislang untätig.
allessuper 19.09.2017
3. Frauen befassen sich tendenziell mehr mit guter Nahrung
wenn sie gesundheitsbewusst leben. Sie sind meistens für die Ernährung der Familie, also auch der Kinder zuständig und möchten, dass es allen gut geht. Sie sind tendenziell mehr am Gemeinwohl interessiert. Logisch, dass sie mehr Bio-Milch kaufen. Und unter denen, die auch denken können und es sich leisten können, gibt es die, die Bio und fair kaufen. Die Krönung ist dann Demeter. Männer ernähren sich tendenziell mehr von Bier, Cola, Chips und Süßigkeiten. Das ist auch nicht neu. Männer mögen tendenziell Lärm und große Autos, Motoren, Fußball, gefährliche Sportarten und denen macht CO2 weniger aus. Sie bedienen auch gern laute Rasenmäher und Laubpuster, obwohl es nichts bringt. Tja.
cindy2009 19.09.2017
4. @hansriedl
'---- hansriedl heute, 17:46 Uhr 2. Milch und Fleisch: Bio ist besser Wer schon mal die Gelegenheit hatte, natürliche Kuhmilch beim Bauer zu trinken----" Was hat jetzt Frischmilch mit Bio zu tun? Und Bio ist eben nicht unbedingt besser. Sehen Sie selbst nach, bleiben Sie nicht beim Ausblenden von Tatsachen.
quark2@mailinator.com 19.09.2017
5.
Nur so nebenbei - Milch ist ein Grundnahrungsmittel. Höhere Preise mögen ja schön sein, wenn sie bei den Richtigen ankommen. Allerdings erwarte ich dann auch eine sofortige Anpassung von H4 bzw. der Altersgrundsicherung, damit die davon Betroffenen nicht weiter absinken. Zuletzt hatten wir eine Steigerung um so etwa 8,- EUR/Monat und jemand hat mal vorgerechnet, daß die Preisentwicklung allein bei der Butter für ca. 50,- EUR pro Nase und Jahr an zusätzlichen Ausgaben sorgt. Milch kommt dann dazu. Von Strom und so weiter will ich gar nicht anfangen. Macht mich immer rasend, wenn irgendwelche Lehrer oder andere Menschen mit hohem und lebenslang sicherem Einkommen es OK finden, wenn Irgendwas teurer wird. Schön für die Kühe, nur halt blöd für 18 Mio. Menschen in diesem reichen Land. Verteilt das Geld besser und dann kann von mir aus das Brot auch teurer werden. Wohlgemerkt schreib ich das als Elektroniking. mit Angestellten und habe das Problem nicht selbst. Trotzdem ärgern mich solche egozentrischen Sprüche.
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