Werbeexpertin Susan Wojcicki Diese Frau soll YouTube zu Gold machen

Bislang managte Susan Wojcicki bei Google das 43 Milliarden Dollar schwere Werbegeschäft - nun kümmert sie sich um den Videokanal YouTube. Konzernchef Page setzt damit die wohl wichtigste Werbeexpertin des Internets auf die Boombranche der kommenden Jahre an.

Managerin Wojcicki: Ein Teil von Google entstand in ihrer Garage
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Managerin Wojcicki: Ein Teil von Google entstand in ihrer Garage

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Hamburg - Sie freue sich, bei ihrer Arbeit künftig mehr Videos anschauen zu können, scherzte Susan Wojcicki, 45, nach ihrer Ernennung zur Chefin von YouTube. Das war, wie so oft bei ihr, kühnes Understatement.

Wer nach Wojcicki googelt, findet wenig Persönliches. Abgesehen von der unvermeidlichen Anekdote, dass sich Larry Page und Sergey Brin eine Weile in ihrer Garage in Menlo Park, Kalifornien, einmieteten, um dort ein Start-up namens Google Chart zeigen hochzuziehen.

Die Geschichte hat Wojcicki nicht selbst gestreut. Sie hält sich mit Selbstvermarktung sehr zurück. Dabei hat die Tochter eines polnisch-amerikanischen Physikprofessors die Werbung im Netz geprägt wie niemand sonst. Seit Jahren verantwortet sie bei Google das inzwischen 43,7 Milliarden Dollar schwere Werbegeschäft, die Haupteinnahmequelle des IT-Konzerns. Das US-Magazin "Forbes" kürte sie zu einer der 50 mächtigsten Frauen der Welt, die Marketingfachzeitschrift "Ad Week" zur "wichtigsten Person der Werbewirtschaft".

Nun setzt Konzernchef Page seine Werbeexpertin auf den hauseigenen Videokanal YouTube an. Und auf den nächsten wichtigen Boommarkt.

Google selbst weist für seine Videosparte keine Zahlen aus. Doch laut Berechnungen der Marktanalysefirma eMarketer hat YouTube 2013 rund 5,6 Milliarden Dollar eingespielt, rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Das wäre mehr, als alle deutschen Fernsehsender im selben Jahr mit Werbung eingenommen haben. Einen Großteil dieser Einnahmen reicht Google an die Videoproduzenten weiter. Unterm Strich blieben dem Konzern gut zwei Milliarden Dollar, schätzt eMarketer.

Neue Videoformate verändern die Sehgewohnheiten

Damit profitiert Google bereits jetzt von einem globalen Megatrend: dem Boom der Online-Videos und der in sie integrierten Werbung. Grund für ihren Siegeszug sind zwei technische Entwicklungen. Erstens ist die Übertragungsgeschwindigkeit im Netz an immer mehr Orten auf der Welt hoch genug, um Videos, Filme, ganze TV-Programme weitgehend ruckelfrei abzuspielen. Zweitens schauen immer mehr Nutzer, vor allem jüngere, ihre Videos auf dem Smartphone oder Tablet-Computer.

Diese wachsende Zuschauerschicht nutzt nicht nur einfach neue Geräte; sie hat andere Sehgewohnheiten. Mit altbackenen TV-Sendungen kann sie wenig anfangen. Sie interessiert sich eher für neue Formate, die oft von speziellen Produktionsfirmen für Online-Videos gefertigt werden. Von Firmen wie Maker Studios, um die sich inzwischen Investoren wie Time Warner reißen.

Entsprechend verlagern sich die Webeetats. In einer großen Umfrage des Branchendienstes Interactive Advertising Bureau unter 5000 Werbechefs gaben 75 Prozent der Befragten an, ihre Budgets aus dem traditionellen TV-Geschäft in Richtung Online-Video-Werbung zu verschieben.

Für die traditionellen Fernsehsender ist das eine Bedrohung, für Google eine Chance. Der Konzern kann die neuen Formate über YouTube vertreiben, auch für die traditionellen Filmstudios ist die Plattform ein interessanter Kanal. Und ganz gleich, welche Inhalte über YouTube laufen: Sie lassen sich noch weit offensiver mit Werbung versehen als bislang.

Neue Konzepte sind nötig. Denn auch die Konkurrenz drängt in den Markt mit Online-Video-Werbung, Plattformen wie Facebook und Instagram. Traditionelle Filmstudios vertreiben ihre Blockbuster indes über Apples iTunes-Store oder die Online-Videoplattform Hulu. Auch der ehemalige Online-Pionier AOL übernahm 2013 mit Adap.tv einen Spezialisten für Online-Video-Werbung, für 405 Millionen Dollar.

Das ist nur ein Bruchteil der 1,65 Milliarden Dollar, die Google für YouTube ausgab - eine Akquisition, die die neue Chefin Wojcicki seinerzeit hautnah miterlebte. Man habe zunächst versucht, mit einer eigenen Videoplattform zu punkten, erzählte sie der "San Jose Mercury News". Doch YouTube sei stärker gewesen. Also habe sie binnen einer Nacht ein Finanzierungskonzept erarbeitet, das den teuren Einkauf rechtfertigte. Es überzeugte. Google kaufte YouTube.

Nun also leitet Wojcicki die Plattform. Was sie vorhat, ist unklar. Bislang gab es von Google kaum Signale, dass Bedarf für eine größere Weiterentwicklung der Seite besteht. Und trotzdem: In puncto Werbeformate sitzt nun die richtige Person an der richtigen Stelle. Und Page attestiert seiner Werbeexpertin großes Vertrauen. Sie habe "eine gesunde Respektlosigkeit gegenüber dem Unmöglichen".

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kaputtschino 06.02.2014
1. ahja
Zitat von sysopREUTERSBislang managte Susan Wojcicki bei Google das 43 Milliarden Dollar schwere Werbegeschäft - nun kümmert sie sich um den Video-Kanal YouTube. Konzernchef Brin setzt damit die wohl wichtigste Werbe-Expertin des Internets auf die Boom-Branche der kommenden Jahre an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/susan-wojcicki-portraet-der-neuen-youtube-chefin-a-951823.html
Na da bin ich gespannt. Erst diese katastrophale G+ Einbindung, jetzt kann man die Videos nicht mehr zurückspulen, obwohl diese schon im Buffer sind und dann werden ein Haufen Videos gesperrt weil 2 Sekunden Musik zu hören sind. Ahja und das Problem mit der verrückten GEMA existiert auch noch. Wünsche Frau Wojcicki viel Erfolg.
KarlNielz 06.02.2014
2. schlecht recherschiert
Das ist die Schwägerin vom Google Chef Brin. Das Valley wird immer mehr zur Einflussphäre von Politik und gekungel
Phil2302 06.02.2014
3. optional
Finde es ebenfalls extrem nervig, dass Videos nicht mehr richtig gebuffert werden. Mag zwar den verursachten Traffic deutlich reduzieren, aber es nervt einfach.
sverris 06.02.2014
4.
Solange die Firma nicht anständig Steuern zahlt bei uns, bliebt Adblock bei mir eingeschaltet. Aber eigentl. nutze ich YT kaum noch.
nixda 06.02.2014
5. na schön das wars dann wohl
mit Youtube. Noch mehr Werbung werde ich mir nicht antun. Bin es leid mir die Firmen zu merken die ich meiden werde. Vermutlich gibt es für die ausufernde Werbung nur noch ein Gegenmittel; Ad-Bombing, Werbung klicken aber nichts kaufen. Vielleicht programmiert mal einer ein Tool, dass vollautomatisch im Hintergrund tausenfach Werbebanner anklickt. Die Werbekunden bekommen höhere Rechnungen aber keine höheren Einnahmen und dann regelt sich das ganz schnell.
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