Aleppo in Syrien Bio-Seife aus dem Kriegsgebiet

In der syrischen Stadt Aleppo herrscht brutaler Krieg, die Wirtschaft ist nahezu komplett zusammengebrochen. Doch noch immer wird dort traditionelle Seife hergestellt - und findet ihren Weg nach Deutschland.

Bio-Seife aus Aleppo: Trotz des Bürgerkriegs läuft der Handel weiter
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Bio-Seife aus Aleppo: Trotz des Bürgerkriegs läuft der Handel weiter


Die Lage in der Region Aleppo hat sich zuletzt dramatisch verschärft. Mit Unterstützung des Moskauer Militärs ist es syrischen Regierungstruppen und Einheiten der libanesischen Hisbollah-Miliz gelungen, mehrere Dörfer am nördlichen Stadtrand von Aleppo zurückzuerobern. Trotzdem wird dort noch immer eine in Deutschland geschätzte Bio-Luxusseife produziert, berichtet der in Deutschland lebende Syrer Bassam Al Machout.

Zusammen mit seinem Bruder präsentiert er die nach jahrhundertealtem syrischen Rezept hergestellte Aleppo-Seife derzeit auf der Nürnberger Naturkosmetikmesse Vivaness. Jahr für Jahr setzt er über die in Stuttgart sitzende Importfirma Zhenobya rund 70 Tonnen der grünlich-grauen Seifenblöcke auf dem deutschen Markt ab - im eigenen Onlineshop ebenso wie in Naturkostläden, Reformhäusern, Apotheken und luxuriösen Parfümerien.

Es wirke angesichts der jüngsten Schreckensnachrichten über die immer heftiger werdenden Kämpfe in der Region Aleppo auf den ersten Blick etwas befremdlich, wenn man jetzt mit Aleppo-Seife hausieren gehe, sagt Al Machout. "Aber für uns Syrer ist das ein Zeichen: Das Leben in Syrien geht weiter. Ich möchte die Leute, die in ihrem Land bleiben, statt zu fliehen, unterstützen", sagt der mit einer Schwäbin verheiratete Syrer.

Gefährlicher Transport

Trotzdem: Der jahrelange Bürgerkrieg macht für Al Machout und seinen Bruder das Geschäft mit der Aleppo-Seife immer schwieriger: "Die Seifenproduktion ist auf 15 Prozent der früheren Menge geschrumpft", berichtet er an seinem Messestand. Den letzten Container mit rund 20 Tonnen Aleppo-Seife hat er vergangenen Sommer via Hamburger Hafen erhalten. Inzwischen hat er auch schon mal Seife einfliegen lassen. "Das waren aber nur 170 Kilo."

Jetzt hofft er, dass es ein voll beladener Container, der in der im syrischen Kurdengebiet liegenden Stadt Afrin steht, in den nächsten Wochen unbeschadet in die syrische Hafenstadt Latakia schafft. Von dort geht die Ladung in 15 Tagen per Schiff nach Hamburg. "Solche Transporte sind sehr gefährlich. Die Transporteure verlangen dafür das Vier- bis Fünffache des normalen Preises. Aber das nehmen wir in Kauf. Hauptsache wir bekommen wieder eine Lieferung der Original-Seife", sagt Machout.

Während die von Seifensieder-Familien hergestellte Rohmasse in einem Gewerbegebiet von Aleppo weiter verarbeitet wird, formen sie später spezielle Maschinen in einem Werk in Afrin zu kleinen Blöcken. Was die Besonderheit der Aleppo-Seife nach Machouts Angaben ausmacht: Die Seife bestehe allein aus Olivenöl mit unterschiedlichen Anteilen Lorbeeröls - und wechselnden Duftnoten. Die Aleppo-Seife sei ein Stück syrischer Kulturgeschichte. "Die Inhaltsstoffe haben sich seit dem 8. Jahrhundert nicht geändert", sagt er.

"Lebenskünstler mit viel Kreativität"

Nicht sonderlich überrascht zeigt sich Mouna Sabbagh über den noch immer florierenden Handel mit Aleppo-Seife. "In Aleppo sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs zwar drei Viertel der Wirtschaft zusammengebrochen. Aber es gibt durchaus einen Teil, der noch funktioniert", berichtet die Vorsitzende des in Passau sitzenden Vereins "Hilfe für Aleppo". Die gebürtige Syrerin hat noch immer enge Kontakte zu Verwandten und Freunden in Aleppo. Bei häufigen Telefonaten informiert sie sich über die Lage dort.

Selbst in den bisher von Rebellen gehaltenen und stark zerstörten Teilen der Stadt Aleppo gehe das Leben weiter, sagt sie. "Die Menschen in Aleppo sind Lebenskünstler, die mit viel Kreativität und Erfindungsreichtum die Probleme lösen", erzählt sie. Dass die Aleppo-Seife selbst im Bombenhagel ihren Weg nach Europa findet, bezweifelt sie keinen Moment. "Meine Landsleute sind sehr erfinderisch", sagt sie.

Video: Christoph Reuter zur bedrohlichen Lage in Aleppo

Klaus Tscharnke, dpa/brt

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