Nervengas Schweizer lieferten Sarin-Chemikalie nach Syrien

Mehrfach soll im syrischen Bürgerkrieg das Nervengift Sarin eingesetzt worden sein. Jetzt wird bekannt: Eine Schweizer Firma lieferte den Grundstoff Isopropanol.

Warnzeichen nach mutmaßlichem Giftgasangriff in Syrien (Archivbild)
REUTERS

Warnzeichen nach mutmaßlichem Giftgasangriff in Syrien (Archivbild)


Eine Schweizer Firma hat offenbar eine für die Herstellung des Nervengases Sarin benötigte Chemikalie an Syrien geliefert. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) beurteilte die im Jahr 2014 erfolgte Lieferung von Isopropanol damals als "plausibel", berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Isopropanol ist ein Grundstoff des chemischen Kampfstoffs, der mehrfach im Syrienkonflikt eingesetzt worden sein soll.

Angesichts der jüngsten Entwicklung würde ein derartiger Export heute "ziemlich sicher unterbunden werden", teilte Seco auf eine entsprechende Anfrage der Agentur mit. Das Isopropanol, das nicht auf den Listen des Chemiewaffenübereinkommens stehe, sei damals an einen privaten syrischen Pharmahersteller geliefert worden.

In Belgien war in der vergangenen Woche wegen des Exports von Isopropanol nach Syrien ein Strafverfahren gegen drei Firmen eröffnet worden. Der Zoll habe die Justiz eingeschaltet, sagte Außenminister Didier Reynders. Falls Gesetzesverstöße entdeckt würden, werde es Strafen geben.

Reynders reagierte damit auf einen Bericht des Magazins "Knack" und der Organisation "Syrian Archive". Demnach exportierten belgische Unternehmen trotz der EU-Sanktionen gegen Syrien von 2013 bis 2016 insgesamt 96 Tonnen Isopropanol in das Bürgerkriegsland.

Isopropanol ist eine einfache Chemikalie, die unter anderem als Lösungsmittel verwendet wird und in Europa frei erhältlich ist. Für den Export nach Syrien müssen aber Lizenzen beantragt werden.

Sarin wurde Ende der Dreißigerjahre von deutschen Chemikern entwickelt. Das Gift stört die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im ganzen Körper, bei Betroffenen versagen nach und nach alle Körperfunktionen.

dab/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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minsk60 25.04.2018
1. Verwendung
Isopropanol ist ein weit verbreitetes Lösungsmittel. Es gab eine Ausfuhrgenehmigung. Woher soll der Lieferant wissen, was später damit hergestellt wird?
Zinks 25.04.2018
2. Isopropanol
habe ich früher der Pelikan-4001-Tinte beigemischt um sie in meine Druckerpatrone zu spritzen. Man kann es überall kaufen. Wikipedia: 2-Propanol (IUPAC-Name Propan-2-ol), auch als Isopropylalkohol oder Isopropanol (abgekürzt IPA) bekannt, ist der einfachste nicht cyclische, sekundäre Alkohol und ein einwertiger Alkohol. Es ist leicht herzustellen. Man braucht es für alle möglichen Dinge; die Liste der Anwendungen ist lang und die Liste der Stoffe, für deren Herstellung man es verwenden kann, noch länger. Sarin-Grundstoff...
klimperhannes 25.04.2018
3. Isopropanol
Naja, Isopropylalkohol ist in so ziemlich jedem alkoholischen Desinfektionsmittel drin. Und - da ungenießbar - auch ohne Branntweinsteuer zu handeln. Vielleicht sollte man die Branntweinsteuer abschaffen und dann statt Isopropylalkohol direkt Ethanol verwenden, der in vielen Anwendungsfällen wie Isopropylalkohol eingesetzt werden kann. Im Gegenzug dann den Handel mit dem gefährlichen Sarin-Grundstoff einschränken.
gelgan 25.04.2018
4. Wahre Neutralität
Also ich finde isopropanol jetzt nicht so schlimm, für sarin braucht man eigentlich heute nur eine gut sortierte Apotheke und viel Zahnpasta;-) vielleicht ist es auch schlauer, dass wir auch noch etwas Geld in Syrien verdienen wie war das noch mit Deutschland wir dürfen uns nicht mehr an kriegen beteiligen? Steht doch irgendwie in einem Statut der Befreier oder? An Geld verdienen mit krieg steht dort doch nichts :D also wir können doch nicht da bei stehen und zusehen wie uns die Schweiz die ganzen schönen Deals vor der Nase wegschnappt, wobei was kostet heute schon ein Menschenleben außerhalb der westlichen Welt? Welche Bedeutung hat es schon? Und wofür braucht man schon Mandate und Sanktionen? Geld kann man ja auch benutzen um sich die moralische Unbedenklichkeit zu kaufen ;-) also schön neutral bleiben, heißt ja nicht das man nicht eingreift!
omanolika 25.04.2018
5. Ist Isopropanol...
für manch Pharmaproduktion, unerlässlich oder ist ja schon, eine Lieferung im Grundsatz böse? Es gäbe ja wohl auch Getöse, wenn man nicht liefern würde, und die syrischen Firmen stünden vor einer unüberwindbaren Hürde... "Die können doch keine Arzneimittel produzieren, weil wir uns genieren Grundstoffe zu exportieren..." Ich kenne mich nicht aus, das will ich gar nicht bestreiten, und doch frage ich mich: Hat diese Medaille nicht auch zwei Seiten?
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