Tarifabschluss: Bauarbeiter bekommen bis zu vier Prozent mehr Geld

Mehr als 20 Stunden verhandelten sie, dann einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf höhere Löhne in der Baubranche: Im Osten bekommen die Beschäftigten vier Prozent mehr Geld, im Westen 3,2 Prozent. Zudem soll der Mindestlohn bundesweit angeglichen werden.

Baustelle in Berlin-Mitte: Mehr Geld für die Beschäftigten Zur Großansicht
dapd

Baustelle in Berlin-Mitte: Mehr Geld für die Beschäftigten

Frankfurt am Main - Für rund 750.000 Beschäftigte in der deutschen Baubranche gibt es bald deutlich mehr Lohn. Die Mitarbeiter im Westen sollen ab 1. Mai 3,2 Prozent mehr Geld erhalten, die Beschäftigten im Osten bekommen 4,0 Prozent mehr. Damit gleichen sich die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West etwas an. Darauf einigten sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und Arbeitgeber am Freitagmorgen in Frankfurt. Zuvor hatten sie rund 21 Stunden lang verhandelt, es war die dritte Runde der Tarifgespräche.

Ursprünglich hatte die IG Bau 6,6 Prozent mehr Geld gefordert. "Das nun erzielte Gesamtpaket stellt einen für alle tragbaren Kompromiss dar", sagte IG-Bau-Verhandlungsführer Dietmar Schäfers. Zum ersten Mal seit der Tarifrunde 2007 sei ein Ergebnis ohne Schlichter erzielt worden.

Das stellte auch der Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Frank Dupré, heraus, der für die Arbeitgeber am Verhandlungstisch saß. "Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir in freien Verhandlungen zu einem Abschluss gekommen sind, trotz unterschiedlicher Einschätzungen der Lage in der Baubranche", sagte Dupré.

Gleiche Mindestlöhne in Ost und West ab 2017

Für die Arbeitgeber ist die Einigung Dupré zufolge gerade noch vertretbar, weil die Lohnerhöhungen noch nicht im April, sondern erst ab Mai in Kraft treten und der Vertrag mit 13 Monaten etwas länger gilt als üblich. Nach dem Stillstand auf den Baustellen im Winter hätten die Arbeitgeber nicht noch weitere Produktionsunterbrechungen provozieren wollen.

Der ZDB führte in der Tarifrunde 2013 die Verhandlungen. Mit am Tisch saß zudem der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Die Gremien beider Seiten müssen dem Abschluss noch zustimmen. Eine Annahme gilt als wahrscheinlich.

Besonders hart gerungen wurde Schäfers zufolge um die Angleichung der Löhne in Ost und West. Arbeitgeber und Gewerkschaft vereinbarten einen Fahrplan, wonach die Einkommensschere innerhalb der kommenden neun Jahre geschlossen werden soll.

Schneller geht die Angleichung bei den Mindestlöhnen. Sie sollen im Osten schrittweise bis 1. Januar 2017 an das Westniveau von dann 11,30 Euro je Stunde angeglichen werden. Der nur im Westen gezahlte Mindestlohn für Facharbeiter steigt bis 2017 um jährlich 25 Cent auf 14,70 Euro. Für die Arbeitgeber ist dies laut Dupré "eine dicke Kröte, die wir schlucken mussten".

fdi/dpa

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