Wiesbaden - Die Gewerkschaften haben sich im Krisenjahr 2009 mit Lohnforderungen zurückgehalten: Die Tariferhöhungen fielen im zweiten Halbjahr 2009 deutlich niedriger aus als noch ein Jahr zuvor, berichtet das Statistische Bundesamt am Freitag. Die vereinbarten Lohnzuwächse bewegten sich demnach zwischen 1,0 und 2,0 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2008 seien dagegen in der Metallindustrie sowie in einigen kleineren Branchen noch Tarifsteigerungen von vier Prozent und mehr vereinbart worden. insgesamt seien im zweiten Halbjahr 2009 nur wenige Neuabschlüsse getätigt worden.
Sichtbar wurde die Reaktion auf die Wirtschaftskrise laut Statistischem Bundesamt auch durch die Aufnahme sogenannter Öffnungsklauseln in die Verträge - diese stellen die Umsetzung der Tarifergebnisse unter Vorbehalt. Zudem traten Tariferhöhungen oft auch verzögert in Kraft. Als Beispiel nannten die Statistiker den Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel: Dort folgten Tariferhöhungen erst nach einigen Nullmonaten in kleinen Stufen; Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben, können Tariferhöhungen außerdem verschieben.
Noch profitieren konnten Arbeitnehmer aber auch im zweiten Halbjahr 2009 von Tariferhöhungen, die bereits 2008 vereinbart worden waren, etwa im Hotel- und Gastgewerbe in Hessen und Bayern, im Steinkohlebergbau sowie in den neuen Ländern in der Chemischen Industrie und im Papiergewerbe.
Pauschalen als Ausgleich für verzögerte Tarifanpassungen wurden im zweiten Halbjahr 2009 beispielsweise in der Eisen- und Stahlindustrie (350 Euro für den Zeitraum April bis Dezember 2009), im Versicherungsgewerbe (250 Euro für Oktober 2009 bis März 2010) und der Holz- und Kunststoffverarbeitenden Industrie in Niedersachsen und Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt (200 Euro für Mai bis September 2009) gezahlt.
| Lohnerhöhungen im zweiten Halbjahr 2009 | |
| Wirtschaftsbereich | Tariferhöhung in Prozent |
| Eröl- und Erdgas-, Bohr- und Gewinnungsbetriebe | 3,4 |
| Hotel- und Gastgewerbe Hessen | 2,9 |
| Hotel- und Gastgewerbe Bayern | 2,5 |
| Kraftfahrzeuggewerbe Niedersachsen | 2,2 |
| Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg | 2,0 |
| Chemische Industrie (neue Länder) | 2,0 |
| Einzelhandel (10 Bundesländer) | 2,0 |
| Groß- und Außenhandel (10 Bundesländer) | 2,0 |
| Steinkohlebergbau | 2,0 |
| Grundstücks- und Wohnungswesen | 1,7 |
| Holz- und Kunststoffverarbeitende Industrie (Niedersachsen, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg) | 1,5 |
| Papiergewerbe (neue Länder) | 1,0 |
| Quelle: Destatis | |
ssu/AFP/apn
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