Drohender Streik bei der Bahn DGB-Chef rügt Lokführer

Die Streikandrohung der Lokführer-Gewerkschaft GDL erzürnt den Deutschen Gewerkschaftsbund. DGB-Chef Hoffmann zeigt im SPIEGEL "keinerlei Verständnis" für den Arbeitskampf und ruft zur Mäßigung auf.

DGB-Chef Hoffmann (in Berlin): Keinerlei Verständnis für GDL-Streikdrohung
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DGB-Chef Hoffmann (in Berlin): Keinerlei Verständnis für GDL-Streikdrohung


Berlin - Mit der Androhung weiterer Streiks im Bahntarifkonflikt stößt GDL-Chef Claus Weselsky auf heftigen Widerspruch im Arbeitnehmerlager. So sagt der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann: "Ich habe keinerlei Verständnis für die Streikankündigung der GDL." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 9/2015
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Die Bahn habe bereits zugesichert, maßgebliche Bedingungen der Lokführergewerkschaft zu erfüllen – so dürfe die GDL auch für andere Berufsgruppen wie Zugbegleiter und Lokrangierführer verhandeln. "Die Bahn ist bereits über ihren Schatten gesprungen. Dass die GDL jetzt einen Arbeitskampf starten will, erschließt sich mir überhaupt nicht. Damit wird das Instrument des Streiks diskreditiert", so der DGB-Chef.

Er empfehle der GDL, eine Verhandlungslösung in einer Tarifgemeinschaft mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG anzustreben. Die EVG ist Mitglied des DGB.

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rief die GDL zur Mäßigung auf. "Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut, mit dem die Tarifparteien verantwortungsvoll umgehen müssen", sagte der CSU-Politiker.

Die Auswirkungen auf unbeteiligte Dritte müssten möglichst gering gehalten werden, um die öffentliche Akzeptanz für Tarifauseinandersetzungen nicht zu strapazieren. "Wer also 100 Stunden streiken will, der muss ebenso in der Lage sein, 100 Stunden zu verhandeln", sagte Dobrindt.

Der Bund ist Eigentümer der Bahn und hat daher ein besonderes Interesse an einer schnellen Lösung. Am Mittwoch hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokführer neue Arbeitsniederlegungen angekündigt. Bis zum Redaktionsschluss schloss die Bahn aber nicht aus, weitere Streiks mit Gesprächen verhindern zu können.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
Robert_Rostock 20.02.2015
1. Noch interessanter
Noch interessanter ist, dass auch der Beamtenbund den GDL-Streik kritisiert und für eine Schlichtung plädiert. Das ist darum interessant, weil die GDL zum Beamtenbund gehört und von diesem die Streikgelder bekommt...
andreas_leh 20.02.2015
2. Seite wechseln ?
Hallo Herr Hoffmann, haben Sie einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn in Aussicht?
dulefan 20.02.2015
3. Ich weiß schon genau...
...warum ich seinerzeit aus der DGB-Gewerkschaft Ver.di ausgetreten bin. Es geht ja auch nicht, dass Arbeitnehmer für ihre Rechte und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Herr Hoffmann qualifiziert sich anscheinend gerade für einen Job im Arbeitgeberverband.
humpalumpa 20.02.2015
4.
Ich hab diese Machtspielchen von Wesselsky so satt. Für den eigenen Machtausbau ein ganzes Land in Geiselhaft zu nehmen, dafür ist das Streikrecht nicht gemacht. Zudem sind es ja nach anderen Artikeln zufolge eher wenige, die streiken, die aber dann ihre Bahnen so positionieren, dass sie andere Lokführer auch am fahren hindern. Das ist ziemlich assozial. Der Beruf des Lokführers war mal ein ehrbahrer Beruf und dieser Clown hat den kompletten Berufsstand in den Dreck gezogen. ich verstehe nicht, dass die Regierung da nicht einspringt und hier das Streikrecht aushebelt. Jeder, der dann trotzdem den Verkehr behindert, wird fristlos entlassen und diejenigen müssen für die Kostne, die sie verursacht haben, aufkommen. Sonst tanzt uns dieser Verein noch ewig auf der Nase rum.
Humboldt 20.02.2015
5. Jepp, der DGB ist von interessierter Seite!
Das nennt man den Hansen-Effekt!
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